Alle reden vom Klimawandel, doch auf den Verbrauch achten wir kaum. Sind Spritverbrauch und Abgaswerte für Motorradfahrer zweitrangig?

Roland Riedel: „Der Motorradfahrer erwirbt bei den Herstellern ein Fahrzeug, welches den aktuell gültigen Normen entspricht. Grundsätzlich heißt es also: Je neuer das Fahrzeug, desto sauberer die Abgase. Gemäß den Zulassungs-Statistiken haben Motorräder die längste Haltezeit aller Kraftfahrzeuge, es stehen also viele ältere Bikes in den Garagen der Republik. Aber nicht jeder kann oder möchte ein neues Modell kaufen. Und allein durch die langjährige Nutzung haben viele Motorräder eine bessere Umweltbilanz als bei Nutzern, die alle paar Jahre auf etwas Neues umsatteln. Wir als Werkstatt mit Leistungsprüfstand haben regelmäßig mit Kunden zu tun, die den Wunsch der Gemischoptimierung haben. Dabei geht es meistens um Anpassung der Kraftstoff-Systeme nach Umbauten, um einen standfesten Lauf zu generieren. Bei den Abstimmungsgesprächen im Vorfeld wird dabei auch häufig die Frage nach dem Verbrauch gestellt, genau wie beim Neukauf von Motorrädern. Wenn man den Motorsport, in dem meistens andere Maßstäbe gelten, ausklammert, kann man also durchaus sagen, dass Verbrauch und Emissionswerte bei Motorradfahrern ein Thema sind.“ www.rr-motorradtechnik.com

Ernst Brehm: „Ich denke, dass das Thema Spritverbrauch und Abgaswerte im Zweiradbereich keine nennenswerte Rolle spielt, obwohl es aktuell sehr präsent ist. Bei Kunden, die sich ein Motorrad kaufen möchten, ist dieses Thema zweitrangig. Das liegt sicherlich daran, dass ein Motorrad Hobby, Leidenschaft und Luxusartikel ist. Allerdings verbrauchen Zweiräder auch grundsätzlich bedeutend weniger Sprit, als die meisten PKW und sind daher grundsätzlich umweltfreundlicher. Würde man vorrangig Roller und andere Zweiräder für den Weg zur Arbeit – besonders in Ballungsgebieten – nutzen, wären Emission und Parkplatzprobleme kaum ein Thema. Ich selbst komme aus dem Bereich Geländesport, wo das Thema kaum einen Stellenwert hat, denn nur mit einer möglichst mageren Bedüsung hat man dort eine Chance, vorne mitzufahren.“ www.brehm-rossdorf.de

Dirk Lemm: „Beim Kauf eines neuen oder auch gebrauchten Bikes wird inzwischen sehr häufig nach dem Verbrauch gefragt. Dabei können wir darauf verweisen, dass mittlerweile viele Neumotorräder mit weniger als fünf Liter bewegt werden können. Zudem dürfen Neumaschinen nur noch zugelassen werden, wenn sie die strenge Euro 4 und in Zukunft Euro-5-Norm erfüllen. Sowohl PKW als auch Motorräder sind ja meistens nur mit einer Person besetzt. Hier schneiden Motorräder in der Regel beim Verbrauch besser ab als der PKW. So lässt sich auch mit dem Umstieg aufs Motorrad ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz leisten. Und Fahrspaß und das Gefühl von Freiheit gibt es noch dazu.“ www.roewer-motorrad.de

Jürgen „Josh“ Obkircher: „Ich formuliere es mal so: Die Menge oder die Masse der Motorräder ist für den Klimawandel vermutlich eher zweitrangig. Aber ja, die Mopedfahrer und Hersteller sind sicherlich in der Pflicht. Wenn ich allerdings die großen Schlote bei mir zuhause in Oberhausen dampfen sehe, gibt es sicherlich Gründe, mehr auf andere Verursacher zu gucken wie Kreuzfahrtschiffe, Industrie oder Flugzeuge. Dennoch hat sich im Kopf der Fahrer einiges gewandelt. Auch wenn die aktuellen Motorräder vielleicht mit vier oder fünf Litern betrieben werden können. Man merkt schon bei den ersten Gesprächen, dass das Thema Verbrauch aktuell ist. Vielen geht es natürlich um den Fahrspaß. Und wenn man dann am Wochenende vielleicht vier oder fünf Stunden durch die Gegend fährt, braucht man sicherlich kein schlechtes Gewissen zu haben, oder? Doch es entwickelt sich vieles weiter. Zum einen sorgen dafür die Euro-Normen. Und auch Ducati arbeitet an der E-Mobilität.“ www.ducatibochum.de

Günter Schweiger: „Motorisierte Zweiräder können viel dazu beitragen die Verkehrssituation in Städten zu entschärfen. Spritverbräuche von 1,5 Litern auf 100 Kilometern sind heute möglich. Viele Roller zwischen 50 und 125 Kubik bewegen sich bereits auf diesem Level. Die meisten Zweiräder, die heute unterwegs sind, haben einen geregelten Katalysator und erfüllen strenge Abgasnormen. In absehbarer Zeit wird es auch auf diesem Gebiet zuverlässige und bezahlbare Elektrofahrzeuge geben. Bedenkt man, dass die meisten Motorräder nur in der wärmeren Jahreszeit bewegt werden und die durchschnittliche Fahrleistung knapp 5300 km im Jahr beträgt, müssen Motorradfahrer sicherlich kein schlechtes Gewissen haben, wenn es um Klimawandel und um ihr Hobby Motorrad geht. Im Gegenteil, die Bundesregierung sollte Zweiradfahrzeuge in ihre Planungen und strategischen Überlegungen aufnehmen. Insbesondere die noch immer von ÖPNV abgehängten Jugendlichen auf dem Land sind auf das motorisierte Zweirad angewiesen, um zur Arbeit oder zur Schule zu kommen. Das Motorrad hat Zukunft. Spannend wird, wie wohl unsere Motorräder in 25 Jahren ausschauen.“ www.motorcyclefun.de

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