Immer mehr Motorräder kommen mit völlig legalen Motorleistungen von deutlich über 200 PS. Ist das ein überflüssiges Wettrüsten, das irgendwann den Gesetzgeber zum Handeln bewegen wird oder sinnvoller technischer Fortschritt?

Kaczmarek Motorsport in Schwerin-Plate ist seit 2011 offizieller Honda- und KTM-Vertragshändler. Der Verkauf beinhaltet die aktuellen Zweiräder von Honda und KTM, eine Auswahl geprüfter Gebrauchtfahrzeuge wartet ebenfalls auf den Start in die Saison. Die Werkstatt wird markenoffen betrieben, ebenso der Zubehör- und Ersatzteilservice. Darüber hinaus nimmt Kaczmarek vor Ort technische Abnahmen und Eintragungen vor. Peter Scheel ist für den Fahrzeugverkauf und für Service zuständig. Willi Johst stellt ihm die Frage des Monats.

Peter Scheel: „Es ist eine schwierige Frage, die man nicht einfach mit ja oder nein beantworten kann. Fakt ist, dass die Hersteller mit der Entwicklung von leistungsstarken Fahrzeugen ihr Image aufbessern wollen. Positiver Nebeneffekt: Die Erkenntnisse und neuen Technologien fließen dann auch in die übrige Modellpalette ein. Was ich aber nicht möchte, ist, dass dies durch den Gesetzgeber reglementiert werden sollte: Vorschriften haben wir schon genug. Ich sehe da eher den Fahrzeughandel in der Pflicht, durch eine persönliche Beratung Fahrer in ihrem Potential richtig einzuschätzen und dementsprechend zu beraten. Ein Supersportler sollte schon etwas mehr Leistung haben als ein Naked-Bike. Das Leistungsniveau ist heute mehr als ausreichend und für viele nur durch die elektronischen Helfer beherrschbar. Das Potential der Fahrzeuge wird in den wenigsten Fällen genutzt. Mit der Leistung jenseits der 150 PS ist es wie mit den SUV: Keiner braucht sie wirklich, aber es ist schön, sie zu haben.“ www.ktmschwerin.de, www.hondaschwerin.de

Robby Labinsky ist mit seinem Geschäft Road-Star-Motorcycles der Vertragspartner für KTM und Husqvarna in Fürth. Auch privat  ist der 55-Jährige viel off- und nnroad mit unterschiedlichen Leistungsstärken unterwegs. Franz Schroll stellte ihm die Frage des Monats.

Robby Labinsky: „Die Informationen über neue Modelle mit weit über 200 PS bringen mich oft ins Staunen. Durch die technischen Helferlein im Fahrzeug – Traktionskontrolle, Anti-Wheely-Modus, Kurven-ABS und anderes – bleiben die Fahrzeuge natürlich beherrschbar, aber die volle Leistung ist wahrscheinlich selbst für geübte Fahrer nicht wirklich einzusetzen. Ich kann mich noch gut erinnern, als Fahrzeuge mit 50 PS eine ausreichende Leistung hatten und die 100-PS-Grenze war das Maß der Dinge. Auch in der Praxis stelle ich immer wieder fest, dass man mit weniger Leistung flüssiger und runder unterwegs ist. Mir persönlich macht es deutlich mehr Spaß, das komplette Leistungspotential eines Motorrades auszunutzen, als nur das erste Drittel abzurufen. Zur Zeit fahre ich mit mehreren Kunden/Freunden mit der KTM RC 390 (44 PS) auf verschiedenen Rennstrecken und wir haben einen Riesen-Spaß und befinden uns in einem Geschwindigkeitsbereich, in dem wir uns alle wohlfühlen. ….. aber die Leistung eines PS-starken Motorrades zu spüren, ist schon auch was sehr Beeindruckendes. Das genieße ich ja manchmal auch.“

Autohaus Munding in Riedlingen am südlichen Rand der Schwäbischen Alb ist weit über den Landkreis Biberach hinaus  als der Spezialist in Sachen BMW bekannt. Ob individuelle Beratung oder kompetenter Service in der Werkstatt, ob Neufahrzeuge oder gebrauchte Motorräder, das ganze Team von BMW Munding ist mit Herzblut für seine Kunden da. Dem Ansprechpartner für den Verkauf, Yannick Wilke, stellte Birgit Dietrich die Frage des Monats.

Yannick Wilke: „Grundsätzlich sehen wir eine höhere Motorleistung als technischen Fortschritt, da dadurch auch andere Bereiche, wie beispielsweise Fahrassistenz- und Fahrsicherheits-Systeme, fortschrittlich weiterentwickelt werden. Als Beispiel hierfür nehmen wir unser aktuelles Modell die BMW S1000RR. Sie verfügt über eine Motorspitzenleistung von 207 PS und ist darüber hinaus mit den neusten technischen Features ausgestattet wie beispielsweise dem Schräglagen-ABS oder der Anti-Hopping-Funktion. Die Ansprüche unserer Kunden sind sehr vielseitig, so dass zu 99 Prozent das Gesamtpaket Motorleistung, Sicherheit und der technische Fortschritt im Vordergrund stehen – was unsere BMW-Motorrad-Modelle alle in den Genen haben. Im Fokus sollte demnach in Verbindung mit hoher Leistung immer die Sicherheit an erster Stelle stehen.“

Andreas Berth übernahm Anfang des Jahres das Motorradcenter Tullius in Wiesbaden. Mit dem Vertragspartner BMW-Motorrad ist das Unternehmen als Exklusivhändler seit 1997 verbunden. Die Firma Tullius ist bereits seit 1981 am Markt und feiert nächstes Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum.

Andreas Berth: „Ich halte es für einen technischen Fortschritt. Auch wenn die wenigsten diese Leistung abrufen wollen, geht mit dieser Entwicklung auch immer die Weiterentwicklung der Fahrerassistenzsysteme einher, um die Leistung beherrschbar zu machen. Die S1000RR zeigt zum Beispiel auf der Rennstrecke ihre Zähne, ist aber auch von Fahrern mit unterschiedlichen Erfahrungen auf der Straße fahrbar. Von diesem Knowhow profitieren natürlich auch alle anderen Leistungsklassen. Eine Reglementierung durch den Gesetzgeber halte ich für vollig unsinnig. Dadurch würde ein Großteil der Motorradfahrer mit leistungsstarken Motorrädern in die kriminelle Ecke gedrängt. Die Erfahrung mit unseren Kunden zeigt, dass die meisten rücksichtsvoll und sicher auf der Straße unterwegs sind und um es mal ordentlich knallen zu lassen, auf die Rennstrecke gehen.“

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