Im Januar 2014 fragten wir zum letzten Mal nach eurer Meinung zum Thema E-Mobilität. Fünf Jahre sind ins Land gegangen. Hat sich etwas geändert bei euren Ansichten oder bei der Kunden-Akzeptanz, seht ihr die Sache jetzt positiver? 

Thomas Reiche dürfte sonst vielen ein Begriff aus der Mannschaft von Motorrad Total sein. Er ist seit dem 1. Januar Geschäftsführer der Firma „MRS“ – Motorrad und Rollerservice Stralsund. Ab dem 1. März ist er offiziell auch Kymco-Händler. Adresse und Telefonnummer bleiben erhalten – eine neue Web- und E-Mail-Präsenz folgen später. Volker Wahmkow fragte bei Geschäftsführer Thomas Reiche nach.

Thomas Reiche: „Im täglichen Geschäft bekommen wir, was „erwachsene“ E-Bikes angeht, nicht viel mit. Das liegt wohl daran, dass die Entwickler noch dabei sind, ihre „Hausaufgaben“ zu erledigen. Was man von Harley-Davidson, KTM, Yamaha & Co. so hört, klingt interessant und kann als Beleg dafür gewertet werden, dass nun auch dieses Segment von den etablierten Herstellern ernst genommen wird. Bleibt abzuwarten, ob sich Zero aus den USA, Super Soco aus China, Emflux aus Indien oder Quantya aus der Schweiz, um nur einige zu nennen, ausschließlich mit E-Bikes im Motorradmarkt behaupten können. Die Alltagstauglichkeit im Stadt- und Nahverkehr scheint ja schon in Ordnung zu sein. Ein gleichmäßiger Schub, Spitzengeschwindigkeiten von deutlich über 100 km/h und Reichweiten von 80 bis 120 Kilometern sind ausreichend. Den wirklichen Durchbruch wird es wohl aber erst geben, wenn solche Bikes auch tourentauglich sind, also über mindestens 250 Kilometer Reichweite und akzeptable Ladezeiten verfügen.“ Infos unter 03831/280693.

„Brauni“ – Klaus-Dieter Braun – ist seit 1995 Inhaber von Braunis-Bike-Shop in Weilburg. Als Vertragshändler für Suzuki und Royal Enfield sowie für Kreidler und Peugeot bietet die Meisterwerkstatt Service und Reparaturen für alle Marken an sowie An- und Verkauf von Gebrauchtfahrzeugen, Motorradzubehör, Überwinterungsservive sowie Umbauten und Tuning. Bereits im Januar 2014 beantwortete Brauni die Frage des Monats zum Thema Elektromobilität und auch diesmal hakte Susanne Roth bei ihm nach.

Klaus-Dieter Braun: „Ich denke, in den letzten fünf Jahren hat sich nicht sehr viel getan zum Thema Elektromobilität. Sicherlich hat das Thema an sich an Präsenz zugenommen durch die Medien, aber die Akzeptanz der Kunden nur minimal. Im Bereich E-Bikes und -Roller bis 50 Kubik ist die Nachfrage angestiegen. Die Anschaffungskosten sind gesunken und Leute, die täglich etwa 20 Kilometer zur Arbeit fahren, tendieren aufgrund der Umweltfreundlichkeit eher zu einem E-Roller. Im Bereich Motorrad sehe ich keine Veränderung. Den meisten fehlt das Fahrerlebnis, der Sound und vor allem die Reichweite, da der Akku nach 100 bis 200 Kilometern „schlapp macht“. Am normalen Stromnetz müsste sich dann der Tourenfahrer sowie auch der Rennstreckenfahrer bis zu vier Stunden Auszeit gönnen, damit sein Akku bis zu knapp 80 Prozent geladen ist. Das fehlende Motorgeräusch ist nicht nur Gefühlssache, sondern kann auch dazu führen, dass ein herannahendes Fahrzeug zu spät wahrgenommen wird von anderen Verkehrsteilnehmern.“ Infos unter www.braunis-bike-shop.de.

Wenn ihr beim Motorradhändler eurer Wahl einkauft, könnte das Produkt durchaus von Paaschburg & Wunderlich gekommen sein. Der Großhändler beliefert den Fachhandel und hält im schleswig-holsteinischen Glinde auf rund 3600 Quadratmetern mehr als 28 000 Produkte bereit. Aber auch Privatkunden bietet P & W mit dem Onlineshop „Brands4Bikes“ ihr Warensortiment an. Johann Vorderwülbecke stellte die Frage des Monats Vertriebsleiter Dieter Klann.

Dieter Klann: „Ich persönlich würde mir kein E-Motorrad kaufen, weil mir einfach der Sound fehlt und mich auch das Design dieser Motorräder nicht anspricht. Das sieht allerdings in der Kleinkraftradklasse, bei den Verbrennern bis 125 Kubik, etwas anders aus. Da könnte ich mir vorstellen, irgendetwas Elektrisches zu fahren, weil im Nahbereich so ein Fahrzeug durchaus Sinn ergibt, aber eben nur als Zweitfahrzeug. Allgemein gehe ich aber davon aus, dass der Verkauf von elektrisch angetriebenen Motorrädern zunehmen wird, sie aber trotzdem nie ein Massenprodukt werden. Selbstverständlich ist die Beschleunigung bei einem Elektrofahrzeug deutlich besser, aber das ist nur einer von vielen Gründen, weshalb die Leute Motorrad fahren. Die Akzeptanz wird auf Sicht im städtischen Bereich am Größten sein, aber auch dort wird sich diese auf kleinere Fahrzeuge begrenzen. Wie sich das Kaufverhalten der Kunden verändern wird, wenn die Reichweite durch bessere Batterien praxistauglicher ist, das Design schicker wird, die Preise sinken oder das Erdöl irgendwann mal alle ist, wäre reine Kaffeesatzleserei.“ Infos unter www.brands4bikes.de, www.pwonline.de.

Als im Jahr 2009 das KTM Team West in Oberhausen seine Tore öffnete, waren E-Motorräder nicht wirklich in Sicht. Das Vorgängerteam um Udo Sommer und Thomas Lutz kümmerte sich anfangs nur um zwei- und viertaktige Verbrenner. Doch es hat sich so einiges getan im Batteriebetrieb. Mit Blick auf immer schärferen Umweltschutz bei gleichzeitig kleinerer Lobby, reifen elektrische Motorräder immer mehr zu einer Alternative. Die Frage des Monats stellte Ingo Müntz dem Geschäftsführer Thomas Holte.

Thomas Holte: „Wir haben in der Entwicklung der E-Mobilität schon immer Chancen vermutet. Insbesondere bei Enduristen hat sich im Kopf wirklich vieles geändert. Auf den offiziellen Strecken sind E-Motorräder beispielsweise deutlich weniger an Fahrzeiten gebunden, sie machen einfach keinen Lärm. Außerdem verlieren sie keine Betriebsstoffe wie Öl oder Benzin. Ich war neulich in Weilerswist und hatte die neue Freeride E-XC NG dabei. Erfahrene Enduristen sind das Motorrad gefahren und hatten ein dickes Grinsen im Gesicht. Inzwischen haben die Akkus eine wirklich akzeptable Lebensdauer plus Energierückgewinnung. Zudem hat das Motorrad einen guten Schwerpunkt und durch den kräftigen Motor immer Grip – es ist immer Drehmoment abrufbar. Man muss halt nicht schalten. Zugegeben: Ein Manko sind noch immer die Preise. Aber dafür kann man mit dem E-Motorrad auch in der Mittagszeit mal von der Haustür aus über legale Feldwege fahren.“ Infos unter www.ktmschnellversand.de.

Seit Mitte der Siebziger werden im Landkreis Hof und in Hof selber Kawasaki-Motorräder verkauft. Die dritte Händler-Generation bildet das „Moto K-Team“ in Rehau, das auf über 1000 Quadratmetern Kawasaki, Peugeot und Kymco sowie seit zwei Jahren Husqvarna-Kräder bereithält. In der Saison bietet das K-Team etwa 20 Vorführer aller Art für Probefahrten an. Franz Schroll fragte Inhaber Goekhan Davgan.

Goekhan Davgan: „Wir haben die Elektromobilität für uns leider noch nicht entdeckt, da die Hersteller, die wir vertreiben, recht bedacht an die Sache rangehen. Wahrscheinlich wird die E-Mobilität in den nächsten zwei bis vier Jahren offensichtlich auch keinen bedeutenden Stellenwert für uns haben, obwohl vor Kurzem Bestrebungen von Peugeot und Kymco in Mailand zu sehen waren. Dies finde ich persönlich schade, da mittlerweile die Kunden deutlich offener an das Thema rangehen. Jedoch für eine erfolgreiche Kundenakzeptanz sind folgende Faktoren unumgänglich: Die Reichweite muss deutlich höher werden, als dies bei den meisten Fahrzeugen der Fall ist. Die E-Fahrzeuge müssen für die breite Masse bezahlbar sein. Die Ressourcenbeschaffung und Herstellung der Batterien für die E-Mobilität müssen im Einklang mit dem Umweltschutz sein. Diese Faktoren konnten bisher von den Herstellern offensichtlich nicht in der Größenordnung bewältigt werden. Deshalb: Für uns als Motorradhändler ist die Sparte momentan nicht attraktiv genug. Wir sind gespannt, was die nächsten Jahre mit sich bringen.“ Infos unter www.motorsport-kteam.de.

Als eingefleischter Motorradhändler führt Axel Nägele seine Firma Zweirad Nägele direkt an der B 10 in Geislingen an der Steige. Mit Herzblut kümmert er sich um Zweiräder von Aprila, Benelli, Piaggio, Piaggio-APE, Vespa, Gilera, Niu, Hyosung, Kymco, Kawasaki oder MZ. Axel und sein Team stehen fachmännisch und erfahren ihren Kunden zur Seite. Auf seine langjährigen Mitarbeiter kann der Chef immer bauen, aber als leidenschaftlicher Schrauber legt er nicht nur bei den Umbauten gerne auch selbst Hand an. Birgit Dietrich stellte die Frage des Monats.

Axel Nägele: „Die E-Mobilität hat sich enorm entwickelt. Durch höhere Leistung und größere Reichweite sind die Bikes nun auch auf dem Land wirklich interessant. Die Nachfrage unserer Kunden aus dem ländlichen Bereich hat zugenommen. Gerade mit den neuen Niu-Elektro-Scootern können wir ein Produkt anbieten, das in der Thematik Nachhaltigkeit, Qualität und Leistung punkten kann. Mit den neuen Bosch-Motoren und den Lithiumionen-Akkus packen die problemlos die Steigungen hier im Landkreis Göppingen. Aber auch die elektrische Vespa Primavera Elettrica, welche wir aktuell seit November anbieten können, ist in Sachen Style und moderner Technik gegenüber den bisherigen Elektro-Scootern im Vorteil. Inzwischen hat der Kunde eine breite Auswahl an leistungsstarken Scootern, die der Umwelt und den Ansprüchen des Fahrers gerecht werden. Infos unter www.zweirad-naegele.de.

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