Während der Bestand an PKW und LKW mit H-Kennzeichen von Jahr zu Jahr zunimmt, haben Motorräder mit H-Kennzeichen Seltenheitswert. Sollten die Bedingungen für Zweiräder verbessert werden oder können wir froh sein, dass wir das H-Kennhzeichen fast nie brauchen?

Heinz Wirdel aus Kerzenheim, geboren 1950, hatte Anfang der 60er Jahre seine ersten Motorradkontakte mit seiner DKW RT 125 auf Feld, Wald und Wiesen. Seit 1976 ist er im AMC- Kerzenheim aktiv, zuerst als Rechnungsführer, dann über 30 Jahre als erster Vorsitzender des AMC. Er baute den Trialsport im Verein aus. Seit etwa vier Jahren ist er der zweite Vorsitzende und kümmert sich um die Oldtimer-Sparte des Vereins. Die Frage des Monats stellte ihm Susanne Roth.

Heinz Wirdel: „Aufgrund über 40 Jahren Erfahrung mit meinen eigenen Oldtimern und aus unserem Verein, der mittlerweile eine Oldtimer-Sparte führt, um die ich mich kümmere, denke ich, dass das H-Kennzeichen für Motorräder nicht sehr sinnvoll ist und wenige Anreize für Oldtimer-Besitzer bietet. Mit Ausnahme von einem Vereinsmitglied haben bei uns alle ein rotes Oldtimer-Kennzeichen anstatt eines H-Kennzeichens. Dieses rote Nummernschild bietet einige Vorteile, zum Beispiel, dass man es als Wechsel-Kennzeichen nutzen kann, man nur einmal zur Hauptuntersuchung muss und dann nicht mehr und einen Pauschalbetrag an Steuern zahlt.
Mit dem H-Kennzeichen kann man allerdings immer und überall fahren, mit dem roten Oldtimer-Kennzeichen nur bei Veranstaltungen und zu Test- und Einstellfahrten. Kontrolliert wurde ich allerdings noch nie, auch nicht, wenn wir zu gemeinsamen Ausfahrten starten. Daher wird das H-Kennzeichen bei uns kaum genutzt.“

www.amc-kerzenheim.de

Frank Schulze, Geschäftsführer von Zweirad Center Motodrom, betreibt seit Anfang der neunziger Jahre seine Motorradwerkstatt in Berlin-Friedrichshagen. Im Jahr 1993 wurde er Honda-Vertragshändler, im Frühjahr 2016 kam als zweite Marke Moto Guzzi hinzu. Detlev Blum stellte die Frage des Monats.

Frank Schulze: „Derzeit bringt das H-Kennzeichen bei Motorrädern nur in wenigen Fällen eine Ersparnis bei Versicherungs- und Steuerbeiträgen. Deshalb scheuen viele Oldie-Besitzer die Ausgaben für ein H-Gutachten, zumal viele Maschinen im Laufe von Jahrzehnten auch umgebaut wurden, was ja Schwierigkeiten bei der Erlangung des H-Status hervorrufen kann. Wünschenswert und sinnvoll wäre ein praktikables Wechselkennzeichen, mit dem mehrere Bikes abwechselnd bewegt werden können. So würden etliche alte Schätze, die jetzt in Kellern und Garagen verstauben, häufiger den Weg auf die Straße finden.“

www.honda-motodrom.de

1989 gründete Michael Scherer in Bamberg seine Motorradwerkstatt. Zwischenzeitlich war er auch als Vertragshändler diverser italienischer Motorradmarken, wie Ducati, Moto Guzzi oder Aprilia tätig, bevor er im Jahr 2006 auf eine markenfreie Meister-Werkstatt umstellte. Seit 2016 ist Michael Royal-Enfield-Vertragshändler. Bei Motorrad Scherer stehen vier Personen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Michael Scherer: „Ich denke, man sollte die Bestimmungen so lassen wie sie sind. Das H-Kennzeichen für Motorräder macht nicht wirklich Sinn. Mit oder ohne H-Kennzeichen haben wir freie Fahrt in Umweltzonen und Steuer- sowie Versicherungsprämien sind günstig. Ein Wertgutachten, erstellt durch den TÜV oder einen anerkannten Gutachter, ist die weitaus lohnendere Investition. Was ich mir wirklich wünschen würde, wäre, dass diese alten Schätzchen öfters auf die Straße kommen und auch wirklich im Alltag genutzt werden. Das wäre nicht nur bekennender Lifestyle, sondern auch ein sinnvollerer Beitrag zum Umweltschutz als ein Elektroauto, das aktuell noch von Braunkohle befeuert wird. Gerade ältere und damit meist auch Hubraum-schwächere Fahrzeuge sind oft sehr zuverlässig und für heutige Maßstäbe unglaublich sparsam.“

www.motorrad-scherer.de

Die Meisterwerkstatt Classic Bike Mayer ins Remshalden ist mit seinem Team gut aufgestellt. In der Dreigenerationen-Werkstatt steht jeder Kunde mit seinem Bike im Mittelpunkt. Senior Hans Mayer bringt viel Erfahrung für die guten alten Zweiräder mit. Sein Enkel Kevin tritt ganz in die Fußstapfen von Vater und Großvater. Er der perfekte Ansprechpartner für die jüngere Generation. Kfz-Meister Thomas Mayer ist der Fachmann für alle Fragen rund um die Maschine. Birgit Dietrich stellte Thomas die Frage des Monats:

Thomas Mayer: „Bei der derzeitigen Gesetzeslage würde ich eher zum Flop tendieren. Ein Motorrad mit H-Kennzeichen kostet pauschal 46,02 Euro Jahressteuer. Ein Motorrad ohne H-Kennzeichen 1,84 Euro je angefangene 25 Kubik. Das bedeutet, dass erst ab einem Hubraum von über 625 Kubikzentimetern eine Steuerersparnis eintritt. Für ein H-Gutachten, sofern das Motorrad den Anforderungen entspricht, das Kennzeichen und die Gebühren der Zulassungsstelle sind schnell über 100 Euro weg. Da braucht man ein hubraumstarkes Motorrad und eine lange Zeit, bis eine Steuerersparnis zum Tragen kommt. Bei hubraumschwächeren Motorrädern, die es vor 30 Jahren und früher häufiger gegeben hat, ist eine Zulassung mit H-Kennzeichen steuermäßig sogar teurer. Die Nutzung von älteren Motorrädern unterliegt derzeit keinerlei gesetzlichen Einschränkungen, dadurch benötigt man das H-Kennzeichen kaum: Hoffen wir, dass es so bleibt.“

www.classicbikes-mayer.de

Seit 2010 betreibt Hans Engels die Motorradscheune Welling. In seiner freien Werkstatt betreut er Motorräder aller Fabrikate mit Werkstattleistungen wie Reparaturen, Inspektionen, Reifenwechsel und Umbauten. Spezialisiert hat er sich dabei auf japanische Youngtimer, wie Yamaha RD oder 750-Four sowie die beliebten Emme-Gespannen sowohl mit Zweitakt-, als auch Viertaktmotor wie seine zum Büffeltreffen mitgebrachte MZ mit Rotaxmotor belegte. Henning Rest stellte ihm im Schneetreiben die Frage des Monats.

Hans Engels: „Das H-Kennzeichen macht für mich nur insofern Sinn, dass durch das erforderliche Gutachten der Wert des Fahrzeugs fixiert wird. Ansonsten finde ich es von der Anwendung und auch unter dem finanziellen Gesichtspunkt für Motorräder wenig lukrativ. Anders als bei Pkw, ich sag mal bei einem achtzylindrigem Big-Block, wo der Halter Steuern spart und zum Beispiel ohne grüne Plakette in eine Umweltzone fahren kann, bringt das H-Kennzeichen an, meinetwegen einer NSU Max oder einer RD250 dem Fahrer herzlich wenig. Auf der anderen Seite schränkt es den Oldiefahrer in der Durchführung seiner Fahrten nicht so ein wie das entsprechende rote Oldtimerkennzeichen, die sogenannte 07er Nummer, was für mich ein Vorteil wäre.“

www.motorradscheune-welling.de