Fehlt noch was? Welches technische Gimmick wünscht ihr euch noch an Motorrädern, womit ließen sich Komfort oder Fahrspaß optimieren?

Tommy Wagner, seit 32 Jahren bekennender Motorradhändler, blickt auf eine ganze Generation Motorrad zurück und hat den Wandel in der Szene von A bis Z erlebt. Der in München ansässige BMW- und Yamaha-Händler beschäftigt derzeit 18 Mitarbeiter und verkauft jährlich 500 Neu- und Gebraucht-Motorräder bei 4000 Werkstattdurchgängen. Die Frage des Monats stellte Franz Schroll.

Tommy Wagner: „Drei Dinge brauchen wir für Fahrspaß: Wenig Verkehr, schönes Wetter und unendlichen Grip. Leider wird das in dieser Kombination immer seltener. Wenn ich mir die Entwicklung anschaue, wundert es mich, dass ich die letzten 39 Jahre auf dem Bike überhaupt überleben konnte. Es war schön, einfach loszufahren und Dinge zu erleben. Heutige Apps und Helferlein schließen diese Spontanität schon im Vorfeld aus. Passive Sicherheit wie ABS und Traktionskontrolle begrüße ich natürlich. Ich brauche aber kein vernetztes Bike, das mir Geschwindigkeit, Bremspunkte und Schräglage vorgibt. Motorradfahren ist Freiheit, die ich mir nicht vorschlagen lassen will.“ www.tommy-wagner.com

2Rad-Tech in Großostheim ist Kawasaki-Exklusivhändler. Robert Schüler und sein Team bieten das komplette Service- und Reparatur-Programm in der Meisterwerkstatt an, ebenso Verkauf von Neu- und Gebrauchtfahrzeugen sowie Reifenservice, individuelle Umbauten, Vermietung, Inzahlungnahme und Finanzierung. Wer bequem von Zuhause bestellen möchte, kann den Onlineshop nutzen. Die Frage des Monats stellte Susanne Roth.

Robert Schüler: „Sinnvoll wäre ein System wie das RDKS (Reifen-Druck-Kontroll-System) beim PKW auch bei Motorrädern einzuführen, da schätzungsweise 50 Prozent aller Kunden mit zu wenig beziehungsweise falschem Luftdruck unterwegs sind. Was bringen die modernsten Fahrwerkskonstruktionen und neuesten Reifenentwicklungen, wenn es dann letztendlich an so einer Kleinigkeit liegt, ob ein Motorrad sicher, komfortabel und leicht fährt. Die einfache Kontrolle würde einen freien Kopf bescheren, was den Luftdruck der Reifen angeht und so mehr Fahrspaß vermitteln. Viele Motorräder sind bereits ab Werk oder aus dem Zubehör für die Montage eines Navigationssystems ausgestattet. Schöner wäre es doch, wenn dieses Feature direkt ab Werk in den neuen TFT-Anzeigen integriert wäre – ähnlich wie wir es aus dem PKW-Bereich kennen. Ganganzeigen haben sich ja in den letzten Jahren auch bei allen Herstellern durchgesetzt. Dies wiederum würde den Komfort, als auch den Fahrspaß auf motorradfahrerfreundlichen Strecken mit Sicherheit erhöhen.“ www.2rad-tech.de

BMW Motorräder Vogelsang hält in Recklinghausen die blauweiße Fahne hoch. Seit dem Jahr 2000 ist die Niederlassung als Teil des PKW-Geschäfts am Markt. Bis zur Trennung war auch Kawasaki gut zehn Jahre im Bestand. Heute ist als Zweitmarke Indian Motorcycles dabei, einst der größte Motorradproduzent der Welt und im Jahr 2011 wiederauferstanden. Insgesamt sieben Leute kümmern sich bei BMW Vogelsang um Kunden und Motorräder. Die Frage des Monats stellte Ingo Müntz Geschäftsführer Michael Brickenstein.

Michael Brickenstein: „Das ist jetzt gar nicht so leicht, da es bei BMW schon fast alles gibt, was derzeit machbar ist. Was ich mir interessant vorstelle, ist ein Abstandsradar kombiniert mit einem Tempomat. Vor allem im Herbst, wenn die Sonne tief steht und manche Straßensituation unübersichtlich ist, könnte das eine große Hilfe sein. Letztlich ist es wichtig, dass diese Optionen immer nur zuschaltbare Optionen sind. Und sie sind lediglich Hilfsmittel – und keine Garantie. Für einen Spurassistenten sehe ich zum Beispiel keinen Benefit. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie das in der Schräglage funktionieren kann. Zudem würde das den Fahrspaß einschränken. Was sicherlich irgendwann kommen wird, ist das Headup-Display. Alle wichtigen Informationen werden dem Fahrer in das Helmvisier projiziert. In vielen Autos ist das bereits Serie. Und da Technik immer billiger und kleiner wird, ist das sicherlich noch ein gutes und wichtiges Sicherheitsgimmick.“ www.bmw-vogelsang.de

Neben der britischen Edelmarke haben Edith und Corvin Gerhold in den zwei „Mop’n Roll“-Läden in Bergisch Gladbach und Köln Bikes der Marken Enfield, Benelli, Mondial, und viele mehr im Angebot. Auch Roller-, Quad, Dreirad- und E-Mobilität-Fans kommen bei den Beiden voll auf ihre Kosten. Die Frage des Monats stellte Moritz Schwertner.

Corvin Gerhold: „Wir haben ja schon fast alles: Sicherheit durch gut regelnde ABS-Systeme und andere elektronische Überwacher. Ich denke da zum Beispiel an Airbags in der Jacke, automatische Notrufsender im Falle eines Unfalls oder einer Rückfahrkamera anstelle oder zusätzlich zu Spiegeln. Luxus wie Rückwärtsgang, Heizung in Griff und Sitz. Navigation, Headset, Bordcomputer und so weiter. Hier fehlt nur noch der Autopilot. Optisch und akustisch ist nahezu alles machbar, auch wenn manches nur mit Missachtung des TÜV geht. Kraftvolle Benziner mit extremen Endgeschwindigkeiten und über 200 PS, E-Motorräder mit enormer Beschleunigung und weit über 100 Newtonmeter Drehmoment aus dem Stand. Beides in einem und ohne jeglichen Verbrauch wäre noch toll. Aber eigentlich fehlt uns mal wieder ein einfaches Motorrad ohne Schnickschnack. Solide Technik zum Spaß haben. Die neuen Royal Enfield Twins kommen ja jetzt.“ www.mopnroll.de

Teilen: