In immer mehr Städten können Privatpersonen über das Internet ihre PKW zum kleinen Kurs vermieten. Hätte das nicht auch mit Motorrädern Potential?

Friedhelm Kortmann vom Redaktionsbüro „koppp“ ist freier Journalist mit Schwerpunkt individuelle Mobilität und PR- und Pressemann für Continental Motorradreifen. Er war bereits für den IVM und das Institut für Zweiradsicherheit tätig und kümmerte sich um die Kundenmagazine von Kawasaki und Triumph. Außerdem war Friedhelm Chef vom Dienst bei unserer Schwester-Zeitschrift MOTORRAD NEWS und für die Pressearbeit von Polo zuständig. Wir fragten ihn nach seiner Meinung.

Friedhelm Kortmann: „Ganz klar: Ja. Allerdings muss das, analog zu etablierten Car-Sharing-Modellen wie Snappcar, Ready to Share, Flinkster oder Nachbarschaftsauto/Drivy, gut organisiert sein. Eine Integration des motorisierten Zweirads in den mobilen Alltag kann zeigen, dass Motorräder nicht nur Spaßmaschinen für ausgeflippte Kurven-Junkies sind, sondern einen hohen Nutzwert haben. Sie sparen Platz, Geld, Ressourcen und Schadstoffe und werden nahezu rückstandslos recycelt. Für den pragmatischen Gelegenheitsnutzer kann ein Motorrad-Sharing außerdem die Initialzündung für den (Wieder-) Einstieg sein – hohes Suchtpotenzial also. Spezifische Anforderungen wie beispielsweise die Fahrerausstattung verlangen allerdings nach kreativen Lösungsansätzen.“ https://koppp.de

TMT-Motorrad-Mitte ist mit seinem erfahrenen Team seit über drei Jahren der exklusive BMW-Vertragshändler für Frankfurt. Neben dem Verkauf von Neu- und Gebrauchtfahrzeugen inklusive kompetenter Beratung, bietet das BMW-Team Service und Inspektionen, Umbauten, Aufbereitung, Winterlager, Hol- und Bringservice sowie Reifenservice an. TMT ist außerdem BMW-Classic- und Wunderlich-Partner. Susanne Roth stellte die Frage des Monats.

Torsten Langer: „Nein, ich denke, das hätte kein Potential. Hier wird ein Nutzgegenstand mit einem emotionalen Luxus-Gegenstand verglichen. Das Motorrad hat für den Besitzer einen emotionalen Wert und das schließt für die meisten aus, das Motorrad als Mietfahrzeug anzubieten. Wir stellen das schon bei Kunden fest, wenn wir das Motorrad Probe fahren wollen nach einer Inspektion; selbst da fragen schon einige nach, ob das nötig sei. Ebenso, wenn wir Kundenfahrzeuge abholen und für den Transport sichern müssen, wird das Motorrad ungern in „fremde“ – wenn auch meist in bekannte und somit vertrauenswürdige – Hände abgegeben. Noch ein Kriterium gegen Motorradsharing ist die Versicherung. In den meisten Verträgen haben Motorradfahrer ausgeschlossen, dass andere Personen ihren „Liebling“ fahren dürfen und eine Änderung dieser Versicherungsklausel kann sehr teuer werden.“ www.tmtmotorradmitte.de

Seit zehn Jahren unterstützt Nadja Lange im Familienbetrieb Lobobikes in Berlin-Hohenschönhausen ihre Eltern Olaf und Annette Lange. Beim Vertragshändler der Marken Indian und Benelli kümmert sich das fünfköpfige Team um Verkauf, Service, Reparaturen und Umbauten von Bikes vorwiegend amerikanischer Hersteller. Zum Unternehmen gehört auch die Fahrschule OlaLa. Detlev Blum störte Nadja bei der Arbeit und stellte die Frage des Monats.

Nadja Lange: „Wenn ich ganz speziell an unsere Kunden mit von uns aufwändig und qualitativ hochwertig umgebauten Maschinen denke, kann ich mir schwer vorstellen, dass diese ihr Bike in fremde Hände geben. Während für viele ein PKW nur ein Gebrauchsgegenstand ist, steht ein Motorrad doch auch für ein spezielles Lebensgefühl und für Individualität. Die Furcht vor unsachgemäßem Umgang, dann fälligen Reparaturen oder gar Diebstahl wiegt sicher stärker als die Aussicht, nebenbei ein paar Euro zu verdienen. Nicht jedes Geschäftsmodell lässt sich eben auf den Motorradmarkt übertragen.“ www.lobobikes.de

Die Firma Motorrad-Meier in Saal an der Donau gründete Josef Meier 1980. Es begann mit dem Vertrieb von Yamaha-Motorrädern, zwei Jahre später kamen Kawasakis dazu. Seither stehen immer die neuesten Modelle beider Marken in Josefs Geschäftsräumen bereit. Außerdem gibt es in der Ausstellung eine große Auswahl an gebrauchten Bikes. Neben Reparatur und Wartung bietet die Fachwerkstatt auch die Möglichkeit Fremdmodelle fachgerecht zu warten. Zudem befindet sich die Entwicklungsabteilung der Firma „alpha Technik“ im Haus. Die Frage des Monats stellte Franz Schroll.

Josef Meier: „Motorrad-Sharing wäre in bestimmten Bereichen sicher positiv und sollte auch verwirklicht werden. Ich denke aber, dass es ausschließlich für Kleinmotorräder interessant wäre, da Motorräder doch anders als Pkw vom Besitzer eingestuft werden. Bei den Motorrädern handelt es sich um ein emotionales Besitzgut, welches in den meisten Fällen als Hobby dient und äußerst pfleglich behandelt wird. Kratzer oder andere zugefügte Schäden würden den Besitzer in Rage bringen, zudem müsste man bedenken, dass der Kostenfaktor bei Motorrädern nicht unerheblich ist, da verschiedene Faktoren wie zum Beispiel der Reifenverschleiß oder eine Vollkasko-Versicherung teuer zu tragen kommen. Motorrad-Sharing hätte allerdings den Vorteil, dass man in den Städten schneller ans Ziel kommen könnte, zudem wäre es auch noch umweltfreundlicher und würde die Feinstaubbelastung wesentlich reduzieren. Aber ein alter Biker-Spruch sagt: Frauen und Motorräder verleiht man nicht!“ www.motorradmeier.de