Nach Jahrzehnten des Leistungswahns kommen wieder kleinere, dennoch sehr spannende Motorräder wie die Husqvarna Vitpilen 401, die Benelli Leoncino 500 oder auch die originelle Royal Enfield Himalayan auf den Markt. Ist Downsizing eine Möglichkeit, bei allen Restriktionen des Gesetzgebers auch in Zukunft Spaß zu haben?

Die Firma Boxenstop in Fredesdorf bei Bad Segeberg bietet einen markenoffenen Service für Roller, Motorräder und Quads. Dazu gehört  ebenso der herstellerunabhängige Ersatzteil- und Zubehörservice sowie der Reifenservice und obendrein ein Hol- und Bringdienst. Willi Johst stellte die Frage des Monats an Kay Böhmer.

Kay Böhmer: „Lieber ein kleines Bike schnell fahren, als ein großes langsam. Mir ging es wie vielen, die ihren Führerschein schon lange haben: Früher konnte es nicht dick genug sein. Aber mit den Jahren bin ich zu einer neuen Auffassung gekommen: Es macht einfach mehr Spaß, ein kleines Bike schnell zu fahren, als ein großes Bike langsam. Wenn ich mit meinen Kunden rede, höre ich das ähnlich. Die leichten, wendigen Maschinen bringen den Spaß in der überfüllten Stadt. Ja, ich denke es gibt diesen Trend zum Downsizing. Und das ist nicht nur eine Entscheidung über den Geldbeutel, sondern auch und vor allem eine über den Fahrspaß, der heute häufig anders definiert wird.“ www.motorradladen.com

Volker Heim von Heim-Racing ist seit 35 Jahren die Anlaufstelle in Bischoffen-Niederweidbach, wenn es um italienische Motorräder geht. Mittlerweile ist er Vertragshändler für KSR Moto, Motowell und Benelli. Sein Spezialgebiet sind aber nach wie vor Motorinstandsetzung und Tuning italienischer Motorräder. Die Frage des Monats stellte Susanne Roth.

Volker Heim: „Ich denke, man kann sicherlich auch mit kleineren und nicht so leistungsstarken Motorrädern jede Menge Spaß haben. Zum einen verkaufen wir natürlich hauptsächlich „kleinere“ Motorräder der Marken Benelli und KSR, zum anderen gehöre ich selbst zu den Menschen, die mit 40 PS jede Menge Spaß haben können. Wir verkaufen die Motorräder an alle Altersklassen, von 18 bis etwa 65 Jahre. Für die Hersteller wird es sicherlich immer schwieriger, den Leistungswahn noch zu toppen und dabei die Restriktionen des Gesetzgebers einzuhalten.“  www.heimracing.eu

Seit 30 Jahren hat die Ideal-Motorräder und Seitenwagen GmbH ihren Sitz in Berlin Kreuzberg, direkt an der Spree. Geschäftsführer Stefan Klein kam 2004 dazu und kümmert sich neben dem Verkauf von Oldtimern, Steib-Seitenwagen und BMW-Oldtimer-Ersatzteilen seit neuestem auch um Royal Enfields. Detlev Blum fuhr bei ihm vorbei und stellte die Frage des Monats.

Stefan Klein: „Entspanntes und entschleunigtes Fahren auf relativ leichten Maschinen mit beherrschbarer Leistung führt zu weniger Konflikten mit anderen Verkehrsteilnehmern und den Gesetzeshütern. So werden Streß-Situationen vermieden und die Umwelt kann stärker bewusst wahrgenommen werden. Dazu gibt es zuverlässige Technik zu einem überschaubaren Preis. Im Falle der Royal Enfield Himalayan kommt das alles noch in einer attraktiven Verpackung. Wir registrieren deshalb eine starke Nachfrage nach der Enduro und sind sehr zufrieden.“ www.ideal-seitenwagen.de 

Motorrad Paffhausen in Hilkerscheid ist Vertragshändler für Benelli und Brixton. Die Pfälzer vertreiben auch Quads von CT-Moto. Spezialitäten des Hauses sind Customizing und richtig wilde Umbauprojekte. Die Frage des Monats stellte Nicole Navetta-Karsten.

Michael Stockhausen: „Sagen wir es so: Man muss nicht 250 Km/h fahren um Spaß zu haben. Deshalb finden wir es gut, dass es diese Klasse wieder gibt. Ganz davon abgesehen, dass die Kleinen vor allem für Neueinsteiger und Wiedereinsteiger interessant sein können. Das Design der meisten 48-PS-Bikes ist in jeder Hinsicht ansprechend. Oft stehen sie den großen Maschinen sogar in nichts nach und sind mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. Das Preis-Leistungsverhältnis ist im Vergleich zu den großen Hubräumen sicherlich auch ein Anreiz für viele Käufer, von der wesentlich günstigeren Versicherung und den geringeren Steuern mal abgesehen.“

LSL ist seit 34 Jahren eine der Top-Adressen, wenn es um Umbauteile, besonders um Lenker und Rasten, für Motorräder geht. Im Jahr 1984 fing Firmengründer Jochen Schmitz-Linkweiler an, eine SR-500 in einen Cafe Racer zu verwandeln – eine Fahrzeuglinie, die bis heute ein Markenzeichen ist. Die Frage des Monats stellte Sophie Leistner.

Jochen Schmitz-Linkweiler: „Ganz sicher kann man jede Menge Spaß mit einem kleinen quirligen Kurvenflitzer haben. Im Frühjahr war ich mit Freunden unterwegs, diese auf großen Motorrädern, ich auf einer XSR 700. Da muss man schon drehen, um mitzukommen. Spät in die Kurve bremsen, Tempo halten, volle Schräglage und dann raus und jeden Gang ausdrehen – und die Freude, dran geblieben zu sein. Du kitzelst alles aus dem kleinen Zweizylinder raus, forderst das Motorrad, fährst sauber in einem Flow und verreißt nichts und wirst in keinem Moment vom Motorrad überfordert. Und am Ende des Tages hast du keine brenzlige Situation erlebt, keinen weiteren Punkt auf der Fahrberechtigungskarte und das breite Grinsen im Gesicht, weil du dabei jede Menge Spaß gehabt hast.“ www.lsl.eu

Maniac-Motors in Nürnberg ist Spezialist für italienische Motorräder, Vertragshändler für Benelli, Bimota, Vyrus & MV Agusta und Technik-Stützpunkt für Wilbers- und Mupo-Fahrwerke. Zudem verschrieb sich das Team den Honda-V4-Modellen aus den 80ern – bis hin zu Vollrestaurationen.

Alex Nolte: „Nun, dass auch kleinere Motorräder sehr viel Spaß machen können, wissen Insider schön länger, nun ist diese Gewissheit auch bei der breiten Masse angekommen. Ich sehe die kleinen Moppeds nicht als Downsizing, sondern eher als die Wiederentdeckung des puren Motorradfahrens – ohne 100 elektronische Helferlein oder Bluetooth gesteuertem Denken. Mit einem schön gemachten Mittelklassebike muss ich keine Bestzeit auf den Asphalt brennen, es ist egal wer mich überholt, ich kann einfach den Sound genießen und jede Kurve in mich aufsaugen und entspannt einen Blick auf die Landschaft werfen. Genießen, was Motorradfahren auf der Straße an sich ausmacht: Dafür braucht und brauchte es nie 1000 Kubik und 200PS.“ www.maniacmotors.de

Norbert Voß ist inzwischen seit 25 Jahren selbständig in der Motorrad-Branche. Mit seinem familiengeführten Betrieb Motodoc in Schwäbisch Gmünd hat er seine Begeisterung zu Motorrollern, Motorrädern und Quads verwirklichen können. Als autorisierter Vertragshändler vertreibt er unter anderem Royal Enfield, Brixton und Benelli. In seiner Werkstatt kümmert er sich um alle Marken. Birgit Dietrich stellte die Frage des Monats.

Norbert Voß: „Ja, definitiv. Auch mit kleineren Hubräumen kann der Biker viel Spaß haben. Spaß erleben ist nicht immer gleichgestellt mit schnell fahren. Entspannt zu cruisen hat einen gewissen Erholungswert. Als gutes Beispiel nennen möchte ich hier die traditionell rustikal simpel gehaltene Royal Enfield. Auch die Benelli BN302 bietet viel Fahrspaß, nicht nur für Fahranfänger. Weniger kann oftmals auch mehr sein.“ www.motodoc.eu