Red.: Seitdem Autofahrer wegen der strengeren Sanktionen die Rettungsgasse nicht mehr blockieren, wäre diese „Fahrspur“ doch auch für das kontrollierte, vorsichtige Durchfahren von Motorrädern geeignet. Sollte man das nicht endlich legalisieren?

Kallis Motorradschmiede gibt es seit 1988 und ist heute Vertragshändler für Ducati, Suzuki und Honda. Seit 2002 ist Kalli ́s Motorradschmiede am jetzigen Standort direkt an der B 173 in Küps. Auf 600 Quadratmetern und drei Etagen findet man fast alles was das Motorradfahrerherz begehrt. Seit Mitte 2014 gibt es nebenan eine 400 Quadratmeter große Halle in der in Kürze die Gebrauchtmotorräder ihr Zuhause finden. In der Werk- statt kümmern sich fünf Zweiradmechaniker – drei Meister, ein Geselle und ein Azubi – um die Motorräder und alle anderen Fahrzeuge. Franz Schroll stellte die Frage des Monats.

Karlheinz Klumpp: „Wir wissen, dass das natürlich ein schwieriges Thema ist, jedoch bin ich Meinung, dass es legalisiert werden sollte. Die Voraussetzung dafür wäre, dass sich dann nicht ein ganzer Konvoy durchschlängelt, sondern einzelne Motorräder mit genügend Sicherheitsabstand zueinander. Man weiß auch dass mancher Autofahrer es nicht gerne sieht, beziehungsweise es den Bikern nicht gönnt „vorwärtszukommen“. Die andere Seite sollte natürlich auch verstanden werden, der Biker ist dem Wetter frei ausgesetzt, ob bei Regen oder starker Sonne ist es nicht bequem in Motorradklamotten starr zu „verharren“, weil dann auch die Konzentration leidet. www.kallis-motorradschmiede.de

Seit 53 Jahren handelt Motorrad Oeler mit Zweirädern. Mitten in Gelsenkirchen wurden ab 1965 Honda, Zündapp, Kawasaki, Kreidler, Herkules, Motobecane und Vespa verkauft. Ende der 70er Jahre konzentrierte sich Oeler auf Honda und zog 1981 an den heutigen Standort an der Ückendorferstraße. Seit April 2008 führt er auch Suzuki, etwas später kam Kawasaki dazu. Motorrad Oeler ist auch Ausbildungsbetrieb. Lukas Krings ist inklusive seiner Ausbildung zum Zweiradmechaniker seit fünf Jahren bei Oeler. Ingo Müntz stellte ihm die Frage des Monats.

Lukas Krings: „Grundsätzlich finde ich die Idee sehr gut. Ich denke dabei an die vielen Motorradfahrer, die im Sommer unterwegs sind. Vermutlich sind ja über 80 Prozent aller Motorradfahrer nur bei eher warmen Temperaturen unterwegs. Und viele von denen stehen mit kompletter Montur im Stau und gehen kaputt. Da wäre ein legales Durchschlängeln wirklich sehr hilfreich. Zumal auch durch die große Gasse der Gefahrenaspekt deutlich geringer wäre. Denn die Motorradfahrer würden nicht zu nahe an den Autos und LKW vorbei fahren. Ob so eine Idee allerdings durchzusetzen wäre bezweifle ich stark. Denn ob unsere Behörden so eine Freigabe gestatten, glaube ich kaum. Vermutlich würden die argumentieren, dass es zu Gefahrensituationen im Falle eines Rettungseinsatzes käme.“ www.motorrad-oeler.de
Seit 1981 gilt die Firma Gefu-Bike als Top-Adresse in Henstedt-Ulzburg, wenn es um Zweiräder geht. Von 2007 bis Ende 2016 war der Motorradfachbetrieb eine Drei-Mann-GmbH, zum 1. Januar 2017 gründeten der Meister Uwe Sengestack und der Kaufmann Till Gerken eine Zwei-Mann-GbR. Gefu-Bike ist Vertragspartner der Hersteller Ka- wasaki, Beta, SYM, Sachs und Kreidler. Uwe Sengestack führt die Werkstatt mit über 30-Jähriger Berufserfahrung Typ- und Markenoffen. Die Frage des Monats stellte Wilfried Johst.
Till Gerken: „Auf jeden Fall! Die Rettungsgasse bietet sich hierfür natürlich an, aber auch eine in Vergessenheit geratene nicht legale Praxis aus früheren Zeiten könnte durchaus legalisiert werden: Das langsame Vorbeifahren am linken Autobahnrand. Der Wunsch nach Vorbei- oder Durchschlängeln bei angemessener Geschwindigkeit hat rein gar nichts mit der frechen Forderungen der Motorradfahrer zu tun. Dieser Wunsch ist einfach den technischen und menschlichen Gegebenheiten geschuldet. Die fahrtwindgekühlten Motoren verlangen um Motorschäden zu vermeiden nach Fahrtwind und eben nicht nach Stillstand. Aber auch unter dem Helm herrschen im Sommerstau so hohe Temperaturen, dass um die körperliche Unversehrtheit der Motorradfahrer gefürchtet werden muss. Klimaanlage einschalten oder Fenster- beziehungsweise das Schiebedach öffnen wie bei den im Stau stehenden PKW ist beim Motorrad eben nicht möglich. Vom Schluck Wasser ganz zu schweigen. Es lohnt ein Blick in den Süden: In Frankreich ist es erlaubt und in Italien wird es geduldet, hier machen Autofahrer von sich aus Platz und lassen Motorräder gern passieren.“ www.gefu-bike.de
Die Wisperstube ist seit 32 Jahren ein beliebter Bikertreff an der Wisperstraße im Wispertal zwischen Bad-Schwal- bach und Lorch am Rhein.Nach dem Motto „Bei uns kommt das Essen nicht vom Band, hier kocht man noch mit Herz und Hand!“ lockt Metzgermeister Martin Metzing mit seiner Frau Ilonka am Wochenende zahlreiche Motorradfahrer an. Die Frage des Monats stellte Susanne Roth.
Martin Metzing: „Generell würde ich die Frage mit ja beantworten. Wir sind selbst leidenschaftliche Motorradfahrer und es ist besonders bei sommerlichen Temperaturen sehr anstrengend, wenn man in voller Montur mit laufendem Motor im Stau steht und es nicht voran geht. Im Auto hat man dann einfach den Vorteil einer Klimaanlage und ist nicht schutzlos der prallen Sonne ausgeliefert. Man könnte auch an den gesunden Men- schenverstand appellieren, dass ein Motorradfahrer die Lage einschätzen kann, ob ein Unfall passiert ist und wieder zwischen den Autos einscheren kann, wenn ein Rettungswagen durch möchte. Durch die geringere Größe eines Zweirads ist das ja schon alles möglich im Gegensatz zu einem PKW.“ www.wisperstube.de
Gemeinsam mit seiner Frau Sabine betreibt Gastronom Wolf Sistig im brandenburgischen Werder direkt an der B1 das Glindower Apfelhotel und das Gasthaus Granny Smith. In den letzten Jahren hat sich das Hotel mit angeschlossenem Hostel zu einem Anlaufpunkt für Motorrad-Traveller aus aller Welt entwickelt. Die Gäste profitieren dabei auch von Wolfs Erfahrung als Motorradreisender auf fast allen Kontinenten. Detlev Blum stellte ihm die Frage des Monats.
Wolf Sistig: „Natürlich bin ich für eine Legalisierung des Durchfah- rens zwischen stehenden Autos sowohl bei Stau auf der Autobahn als auch in der Stadt. Meines Wissens ist die Gesetzgebung in den meisten europäischen Ländern in diesem Punkt gnädiger mit Motorradfahrern. Das Stehen im Stau bei hochsommerlichen Temperaturen ist dabei nicht nur eine Gefahr für überhitzende Motoren, sondern vor allem für die Gesundheit des Bikers in kompletter Sicherheitskleidung. In der Rettungsgasse müssen Rettungs- und Bergungs-Fahrzeuge aber weiterhin absoluten Vorrang genießen.“ www.apfel-hotel.de

Zweirad Waibel ist seit über 30 Jahren der Ansprechpartner rund ums Zweirad am aktuellen Standort in Wiernheim-Pinache. Als KTM- und Kawasaki-Vertragshändler steht der Name weit über den Enzkreis für eine professionelle Adresse in der Motorradbranche. Birgit Dietrich stellte die Frage des Monats.

Martin Waibel: „Selbstverständlich hat die Sicherheit und die Erste-Hilfe der Verkehrsteilnehmer immer höchste Priorität. Aber aus meiner Sicht sollte im Stau-Fall das Durchschlängeln für Motorräder unter Einhaltungen bestimmter Bedingungen (z.B. max. 10 Km/h und ausreichend Sicherheitsabstand) erlaubt sein. Ich sehe da kein Risiko, dass ein „Zweirad“ (nicht Trike, Dreirad und 

und Gespann) eine Rettungsgasse komplett blockieren könnte. Im Gegensatz zum Auto-, ist der Motorrad- fahrer Hitze und Kälte ausgesetzt. Auch das dauerhafte Stehen mit dem Motorrad benötigt etwas Kraftaufwand und es kann nicht auf die Schnelle mal bequem der Durst gelöscht werden. Es macht ja keinen Sinn, wenn die Rettungsgasse im Endeffekt für den erfrorenen oder Hitzeschlag-erlittenen Motorradfahrer genutzt werden muss. Eine andere Frage ist es, ob es dem Motorradfahrer auch erlaubt ist, sich auch an der Ampel vorn anzustellen? Unter Einhaltung der oben genannten „Bedingungen“ finde ich dies auch OK. Grundsätzliche Voraussetzung ist in jedem Fall ein verständnis- und rücksichtsvoller Umgang im Straßenverkehr zwischen allen Verkehrsteilnehmern, dann sollte es auch keine Probleme geben.“ www.apfel-hotel.de