Durch hochwertige Fahrwerkstechnik will Yamaha die Schwachstellen der MT-09 ausmerzen. Mit 1200 Euro Aufpreis zum erfolgreichen Basismodell verlässt die neue SP aber das Budget-Segment. Lohnt der Griff in den Geldbeutel?

Vor fast fünf Jahren erschien die MT-09, der erste Yamaha-Dreizylinder seit der seligen XS 850. Und prompt rumorte es in den eilig gegründeten Internet- Foren: Hackende Gasannahme und unterdämpftes Federbein sorgten für lange Diskussions-Threads. Tatsächlich hing die Erstausgabe dermaßen spontan am Gas, dass es selbst altgedienten Testredakteuren auf Serpentinenkursen regelmäßig die Linie verriss. Für Abhilfe sorgte der „Regenmodus B“. Hier ließ sich der Triple feinfühlig in tiefer Schräglage durch den Radius führen – leider bei zehn PS Leistungsdefizit.

Okay, spätestens seit der 2016er Modellpflege ist der Drops gelutscht: Der B-Modus bleibt geschmeidig, aber schwach, der „sportliche“ A-Modus zickt weiterhin rum – und der Standardmodus STD funktioniert immer gut. Also ist für jeden das Passende dabei.

Und jetzt bringt Yamaha das Fahrwerksupdate. Natürlich nur für die Investitionswilligen, die bereit sind, 1200 Euro mehr auf die Ladentheke zu blättern. Bei Yamaha selbst rechnet man sich gute Marktchancen für den Edelableger aus. Schließlich trägt bei den größeren MT-10-Modellen die SP-Variante rund ein Drittel der Gesamtauflage.

Soll heißen: Auf zwei verkaufte Basis-MT-10 kommt ein SP-Modell. Und dabei ist die Serien- MT-10 noch nicht einmal für besondere Fahrwerksprobleme bekannt. Wenn man die höheren Gesamtstückzahlen in der härter umkämpften Mittelklasse und den stärkeren Leidensdruck durch das MT-09-Standardfahrwerk in Beziehung setzt, darf man für die MT-09 SP durchaus einen starken Umsatz erwarten.

Hightech im Kleinen: An der Gabel sind die Stellschrauben für Low- und Highspeed-Druckstufe koaxial angebracht

Doch was genau ist neu an der SP? Ins Auge fällt die Sonderlackierung in Grau/Schwarz mit blauen Farbakzenten und ebenfalls blauen Felgen. Vorne stammt die USD-Gabel weiterhin von KYB (Kayaba), sie zeigt jetzt aber ein völlig neues Innenleben. Die Dämpfercartridge erlaubt die Einstellung von Zug- und Druckstufe, letztere sogar getrennt für Low- und Highspeed. Die Vorspannung der Gabelfedern ist ebenfalls einstellbar.

Ob diese geballte Vielfalt an Einstellmöglichkeiten wirklich Not tut, steht auf einem anderen Blatt – schaden kann sie aber nicht. Außer der unbedarfte und ungeschulte Besitzer lässt seinem Spieltrieb freie Bahn, dann kann er das Bike bis zur Unfahrbarkeit verstellen. Respekt vor der Technik und die Kenntnis der eigenen Grenzen ist in Einstellungsfragen wichtig. Aber das sind natürlich zwei Grund-Eigenschaften, die einen guten Motorrad­fahrer ausmachen

Noch besser sichtbar ist das goldgelbe Federbein der schwedischen Edelmarke Öhlins. Auch das serviert volle Einstellbarkeit, mit externem Stickstoffreservoir und Hydro-Knebel zum schnellen Anpassen der Vorspannung. Wichtig: Es handelt es sich um eine Sonderanfertigung, die Yamaha- und Öhlins-Techniker gemeinsam abgestimmt haben, unter Einbeziehung der aufgewerteten Kayaba-Gabel. Es gibt also Unterschiede zum bereits bisher für die MT-09 angebotenen Öhlins-Federbein.

Weitere Unterschiede zwischen Basis-MT und SP führt die Yamaha-Produktbeschreibung nicht auf. Rahmen, Geometrie und Antrieb sind identisch. Auch die Sitzposition bleibt wie gehabt, das neue Federbein scheint jedoch Heck und Sitzbank einen Tacken höher zu liften, was die ohnehin achtbare Sitzhöhe der MT-09 noch etwas luftiger erscheinen lässt.

Goldgrube: Das von Öhlins zugelieferte Federbein ist eine Spezialanfertigung für die SP und unterscheidet sich vom regulären Nachrüstteil zur MT-09

Zusammen mit dem halbhohen und nicht allzu breiten Lenker weist die resultierende Haltung durchaus in Richtung Supermoto, quasi auf hal­ber Strecke zwischen einem klassischen Nakedbike und Ducati Hypermotard 939. Das gefällt sogar langen Kerlen, Kurzbeinige müssen sich dagegen schon etwas lang machen.

Die Grundabstimmung des neuen Fahrwerks zeigt sich sportlich bis straff. Für unsere Testrunde durch die sanften Hügel der Algarve haben die Mechaniker vorne wie hinten die Vorspannung so soft wie mög­lich gedreht, was auf den durchwachsenen Asphaltqualitäten portugiesischer Nebenstraßen sehr gut harmoniert. Zumindest bei meinen 85 Kilo Trockengewicht. Dazu wenig Zugstufe und die typisch schwedisch-straffe Druckstufe – das gibt maximalen Grip beim frühen Angasen bei noch vertretbarem Restkomfort.

Genau so wollen es die Jungs mit dem Messer zwischen den Zähnen haben. Und um ehrlich zu sein: Das Standardfederbein rollt beim soften Cruisen über Nebenstrecken bestimmt komfortabler ab. Jockey-Figuren im Blümchenpflücker-Modus könnten sich mit der SP-Variante einen Bärendienst erweisen.

Die Erstbereifung mit Bridgestone S20 ver­langt nach gründlicher Warmfahrarbeit, dann stimmen Grip und Zielgenauigkeit. Wa­rum Yamaha nicht die aktuellere Variante S21 aufzieht, wissen wir nicht. Wir empfehlen beim ersten Wechsel den Umstieg auf einen vielseitigeren Gummi, eventuell sogar aus dem Sport-Touring-Bereich.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt das grob rasternde ABS, das den schicken Radial-Monoblöcken einiges von ihrem Biss nimmt. Hier sollte Yamaha über ein Elektronik-Update nachdenken, um nicht den Anschluss an konzeptionell jüngere Mitbewerber zu verlieren.

Das dickste Pfund zum Wuchern ist und bleibt aber der fulminant aufspielende Dreizylinder, eines der unterhaltsamsten Aggregate am aktuellen Motorradmarkt. Und rein gefühlsmäßig zwei Lagen oberhalb seines günstigen Preisniveaus angesiedelt. Kerniger Durchhaltewille im Keller, satter Druck und charakterstarkes Triple-Grummeln in der Mitte, aber temperamentvoll-spritzig oben raus – die MT-09 bietet ganz großes Kino, auch im fünften Jahr noch.

Und, lohnen sich die 1200 Euro Aufpreis zur Basis-MT? Wenn man es ernst meint, auf jeden Fall. Eine Standard-Maschine aufs gleiche Fahrwerksniveau umzurüsten wäre ähn­lich teuer, würde aber noch diverse Anpassungs- und Einstellarbeiten erfordern. Also nix für Anfänger. Und wer professionelle Hilfe in Anspruch nimmt, muss den Endpreis weiter nach oben korrigieren.

Da bietet Yamaha die sauber tarierte Komplett-Lösung an, die schmucke Sonderlackierung wollen wir da nicht vergessen. Und wer glaubt, sich refinanzieren zu können: Neuwertige Original-Federbeine der Standard- MT-09 haben sich in der Bucht als schwer verkäuflich erwiesen.

Fazit: Die SP als beste MT-09 aller Zeiten? Ein klares Ja! Schließlich lässt sich bereits am Basisbike nur wenig Kritik festmachen. Das unterdämpfte Feder­bein und die schwach mittelmäßige Telegabel waren die letzte offene Flanke im Portfolio des famosen Dreizylinders. Und die ist jetzt geschlossen. Lohnen sich die 1200 Euro Aufpreis? Für Sportsfreunde auf jeden Fall.

Begeistert:

Edelteile für Technik-Gourmets

Nervt:

Angejahrte Erstbereifung

Für:

Sportsfreunde im MT-09 Fanclub

Gegner:

Ducati Hypermotard 939, Kawasaki Z 900, Triumph Street Triple R

Das ist neu:

  • Öhlins-Federbein mit Ausgleichsbehälter, einstellbar in Vorspannung, Zug- und Druckstufendämpfung.
  • KYB-USD-Gabel, einstellbar in Vorspannung, Zug- und Druckstufendämpfung, letztere separat für Low- und Highspeed
  • SP-Mehrfarbdekor mit blauen Felgen

Technische Daten

(Herstellerangaben)

Motor: Dreiylinder-Viertakt-Reihe, flüssigkeitsgekühlt, vier Ventile/Zylinder
Hubraum: 847 cm³
Leistung: 85 kW (115 PS) bei 10 000 min-1
Drehmoment: 88 Nm bei 8500 min-1
Reifen v/h.: 120/70 ZR 17 / 180/55 ZR 17
Bremsen v/h.: 298-mm-Doppelscheibe mit Vierkolben-Festsätteln / 245-mm-Scheibe mit Einkolben-Schwimmsattel
Federweg v./h.: 137/130 mm
Sitzhöhe: 820 MM
Tankinhalt: 14 L
Leergewicht: 193 kg
Preis zzgl. NK: 10195 Euro