Fünf NEWS-Haudegen – und der Tresorraum haut 50 Euro für Bier raus. Kann doch nicht gutgehen? Gemach, unser Gerstensaft ist alkoholfrei. NEWS will wissen, welches Unverbleite nicht nach Spüli schmeckt. Ein fast objektiver Geschmackstest.

von Till Ferges, Fotos: Bergmann, Ferges, Welte

Zwei Maß auf der Tour sind kein Problem? Klar, wenn man gerne an der Ampel umfällt, weil man vergessen hat, den Fuß auszufahren. Oder man kommt erst gar nicht vom Fleck, weil man minutenlang versucht, den ersten Gang mit dem Brems­hebel einzulegen. Der Beschwipste fährt vor Bäume, fällt in den Dorfteich, verliert die Sozia und merkt es erst am Frühstückstisch. Jeder verträgt C2H6O anders, aber am Lenker hat Ethanol nichts zu suchen.

Es gibt Alternativen. Voraussetzung: Der Bierfreund muss bei der Bestellung des Getreidesprudels die zunächst unmenschlich klingenden Worte „alkoholfrei, bitte“ über die Lippen bringen. Ist das gelungen, kann sich sowas wie Genuss ohne Reue einstellen, wie unser maximal objekti­ver Super-Blindtest zeigt.

Nach der Maß am Treff in den Teich fahren? Nicht nötig, es gibt auch brauchbare Biere ohne Sprit

Bei der Getränkeauswahl versuchten wir, den deutschen Norden, Wes­ten, Osten und Süden abzudecken. Die Brauart war uns dabei egal. Mit dem Frankfurter Perlenbacher aus dem Lidl trat zudem ein Vertreter der Discount- Zunft an. Das Störtebecker aus Mecklenburg- Vorpommern schickten wir für die etwas kleineren Bier-Schmieden ins Rennen – auch, weil einige von den anderen Biere der Stralsunder vorschwärmen. Wir haben uns auf zehn Biere beschränkt, mehr Sorten hätten wir kaum in ein Ranking pressen können.

Fünf NEWSler verkosten die Biere blind, darunter eingefleischte Biertrinker (alle außer Jenni) und Vollzeit-Abstinente (Jenni). Für Platz eins gab es von jedem Tester zehn Punkte, für Platz zwei neun und so weiter. Insgesamt kamen 275 Punkte zusammen.

Obwohl Bier natürlich reine Geschmackssache ist, waren die Urteile zum Teil erstaunlich homogen. Erdinger, Warsteiner, Krombacher und Beck‘s schmeckten fast allen irgendwie, wäh­rend Flensburger, Störtebeker und Perlenbacher im Schnitt nicht so gut wegkamen.

Aber es gab Ausreißer: Querulant Till war vom Beck‘s schwer enttäuscht und fand im Gegenzug das von den anderen geschmähte Störtebeker „lebendig, vielschichtig und herb“, bei Moritz ist die Studentenzeit noch frisch, ihn überzeugte sogar das Perlenbacher aus der Plastikpulle.

Guido und Jenni waren von der ganzen Bleifrei-Aktion eher angewidert und fragten sich, was für Schwein­kram eine „mous­sierende Rezenz“ sein soll. Frank fand es viel zu früh am Tage für Hopfenkaltschalen, kämpfte aber tapfer mit.

Um das Bier adäquat zu beschreiben, holten wir uns außerdem Hilfe von unserem Lieblings-Bierbrauer Marc, der zufällig im Verlag auch Layouts baut. Marc konnte mit geübter Zunge und reichlich Fachvokabular überzeugen. Theoretische Infos rund ums Bleifrei kredenzte uns außerdem Braumeister und Diplom-Biersommelier Christian Wolf im Interview.
Testsieger ist Erdinger, Warsteiner und Krombacher konnten auch punkten
Als Kontrollbier hat der Prüfungsleiter heimlich ein echtes Pils von Veltins eingeschleust. Das kam im Vergleich mittelmäßig weg und wurde aber von allen bis auf Frank eindeutig als alkoholisch identifiziert. Der hielt es für ein einfach grauselig schmeckendes Alkoholfreies.
Fazit: Die von uns getes­te­ten Alkoholfreien haben zum Teil wenig mit dem Geschmack von echtem Bölkstoff aus der Stammkneipe zu tun. Und wem Bier erst mit steigender Promillezahl schmeckt, wird hier sowieso von gan­zem Herzen enttäuscht. Vielleicht einfach mal die Perspektive wechseln?

Testsieger Erdinger etwa schmeckt zwar nur entfernt nach echtem Stoff, gibt aber ein famoses Erfrischungsgetränk mit Schaumkrone ab. Oben­drein sind die Alkoholfreien gesund, echte Natur­produkte und löschen den Durst vorzüglich. So gesehen sind sie sogar die besseren Biere. Und im Dorfteich landet man auf dem Heimweg auch nicht. Das lustige Karussell im Kopf kann man sich ja nach der Mopped-Tour besorgen.

Die Probanden:

Becks Blue

Art: alkoholfreies Schankbier
Gebinde: 0,33 l und 0,5 l Flasche
Fazit: Schäumt gut, schmeckt und riecht definitiv nach Pils, überzeugt auch unseren Bierbrauer. Im Abgang des eher süßen Alkoholfreien aus Bremen spürt man eine feine Hopfennote, dann wird es sogar ein wenig herb. Aber das Beck’s hat unsere Truppe gespalten: Bei Till im Blindtest auf dem letzten Platz, bei Jenni auf dem ersten. Hier entscheidet glasklar der persönliche Geschmack, die meisten dürften es allerdings mögen. Ordentliche Punktzahl.
www.becks.de

Brinkhoff’s Alkoholfrei

Art: alkoholfreies Bier mit niedrigem Stammwürzegehalt
Gebinde: 0,5 l Flasche
Fazit: Schmeckt sehr leicht und etwas dünn, die Farbe ist hell, die Schaumkrone hält nicht lange und auch der Kaloriengehalt ist niedriger als bei den Mitbewerbern. Insgesamt aber ganz lecker und malzig, nicht herb. Eher sommerliches Erfrischungsgetränk für Brinkhoff’s-Fans als Bierersatz. Kommt im Vergleich gut weg, Frank gibt sogar acht von zehn Punkten.
www.brinkhoffs.de

Clausthaler Original

Art: untergäriges Schankbier
Gebinde: 0,5 und 0,33 l Flasche
Fazit: Der absolute Klassiker bei den Alkoholfreien – seit 1979 bieten die Frankfurter ihr Bier an. Eher wenig Schaum, wenig Hopfen, schmeckt aber malzig und frisch. Nicht sehr kräftig, Clausthaler braut auch eine Herb-Variante. Mit sieben Prozent Stammwürze. Moritz, Frank und Till platzieren es im Mittelfeld, Guido und Jenni sind weniger begeistert. Am Ende reicht’s nur für 19 Punkte.
www.clausthaler.de

Erdinger Alkoholfrei

Art: Alkoholfreies Weißbier
Gebinde: 0,33 l und 0,5 l Flasche
Fazit: Geschmack ist Geschmackssache. Trotzdem war sich die Redaktion im Blindtest bei unserem Sieger weitestgehend einig. Fester Schaum, ein Hauch Süße und eine malzige Note, nach einem kräftigen Weißbier schmeckt das hier allerdings weniger. Unser Sieger ist keine Biersimulation, sondern ein eigenständiges, isotonisches Erfrischungsgetränk und als solches absolut gelungen. Geht einfach toll runter.
www.erdinger.de

Flensburger Frei

Art: alkoholfreies Pilsener
Gebinde: 0,33 l Plopp-Flasche
Fazit: Ein herbes Pils mit etwas weniger Schaumbildung, hopfig und recht bitter. Lassen wir alle gerne mal das herkömmliche Pils oder Gold aus Flensburg ploppen, hat das Bleifreie in diesem Vergleich niemanden überzeugt. Jenni wählt es auf den letzten Platz. Am ehesten kann sich Guido noch mit dem Nordlicht anfreunden, mosert aber über einen säuerlichen Abgang. Kurz: In der NEWS-Redaktion chancenlos, vorletzter Platz.
www.flens.de

Franziskaner Alkoholfrei Naturtrübes Weissbier

Art: alkoholfreies Weißbier
Gebinde: 0,5 und 0,33 l Flasche
Fazit: Fast ein echtes Weißbier, nur eben ohne Ethanol. Naturtrüb und mit obergäriger Hefe, im Ergebnis ein süffiger und sehr fruchtiger Geschmack. Im diesem Vergleich daher sehr eigen – das gefällt oder eben nicht. Bei Bierbrauer Mark und Weißbier-Freund Till landet das Franzl klar auf Platz eins, bei den Kollegen maximal im Mittelfeld.
www.franziskaner-weissbier.de

Krombacher 0,0% Pils Alkoholfrei

Art: alkoholfreies Pils
Gebinde: 0,5 und 0,33 l Flasche
Fazit: Das neue alkoholfreie 0,0% von Krombacher landet weit vorne. Es hat einen ganz eigenen, malzigen Geschmack und bildet schönen Schaum. Obwohl es ein Pils ist, geht es mit seiner süßlichen Note eher als Allround-Erfrischungsgetränk durch, mit einem echten Bier kann man dieses Getränk kaum vergleichen. Laut Krombacher echte 0,0 Prozent Alkohol.
www.krombacher.de

Perlenbacher Extra Herbes Alkoholfrei

Art: alkoholfreies Schankbier
Gebinde: 0,5 l Plastikflasche mit Drehverschluss
Fazit: Das vom Frankfurter Brauhaus für LIDL gebraute Perlenbacher schlägt sich im Blindtest besser als erwartet – die grauenhafte Präsentation in der Einweg-Plastikpulle fällt hier nämlich weg. Das Discount-Bier bietet wenig Schaum und Perlung, goldene Farbe und hat einen süsslichen, leicht fruchtigen Charakter. Insgesamt durchaus trinkbar und erfrischend. Aber: Unbedingt ins Glas umfüllen und gut gekühlt schlürfen.
www.lidl.de

Störtebeker Frei-Bier

Art: alkoholfreies Pilsener
Gebinde: 0,5 l Flasche
Fazit: Die Stralsunder haben uns schon oft glücklich gemacht – allerdings mit ihren exquisiten, alkoholhaltigen Bieren. Die vom Ethanol befreite Variante dagegen kommt nicht gut an. Kräftiger Schaum, norddeutsch herb und mit deutlicher Hopfennote, ist der Gesamtgeschmack zu kernig für zarte NEWS-Zungen. Nur Bierbrauer Mark findet’s ganz in Ordnung, der schmeckt halt mehr raus als wir. Letzter Platz.
www.stoertebeker.com

Warsteiner Alkoholfrei Pilsener

Art: alkoholfreies Pils
Gebinde: 0,33 l und 0,5 l Flasche
Fazit: Glasklar, goldgelb und mit brauchbarer Schaumkrone, erinnert das Warsteiner aber auch geschmacklich und olfaktorisch an echtes Pils. Eine gewisse Hopfenbitterkeit schmeckt man im Abgang. Auch das Malz kann man erahnen, im ersten Moment wirkt das Sauerländer Pils dagegen süßlich. In unserer Testrunde durch die Bank sehr beliebt und ein brauchbarer Ersatz für echtes Pils – Platz zwei. Gibt es auch als doppelt gehopftes “Herb”.
www.warsteiner.de

Favoriten der NEWS-Truppe

Frank

Erdinger
„Bier ist ja nicht nur ein Getränk. Es ist ein Nationalheiligtum, Weihwasser, Glücksbringer. Zumindest in kleineren Maßen. Ich trinke es gerne, muss es aber nicht bei jeder Gelegenheit. Wasser, Limo, Säfte, Tee – es gibt ja Abwechslung, wenn man auf eigenen Rädern unterwegs ist. Schlabbrigen, bitteren Hopfenblubber mit sämigem Abgang brauche ich nicht. Erst recht nicht vormittags. Da geht es nur um die Wahl des kleinsten Übels. Und das alkoholhaltige Testbier landet bei mir um diese Uhrzeit auf dem letzten Platz.“

Guido

Warsteiner
„Das ist gemein: Da liefere ein halbes Dutzend schöner Verrisse, und dann soll ich doch nur das am wenigsten fürchterliche Bier belobhudeln. Dann also das Warsteiner. In diesem Sortiment das Einäugige unter den Blinden.“

Jenni

Beck‘s
„Ich mag kein Bier – bei NEWS ist das ein Frevel. Wie ich jetzt weiß, gibt es etwas, das ich noch weniger mag: alkoholfreie Ersatzbefriedigungen. Sie duften und schmecken nach Neutralseife, verätzen die Schleimhäute oder brennen sich in die Nervenbahnen ein – fühlt sich für mich zumindest so an. Das Bier, das dieser Beschreibung am wenigstens entspricht, ist das Beck‘s Blue. Wenn ich Alkoholfreies trinken würde, dann würde ich Beck‘s trinken. Ja, es schmeckt.“

Moritz

Erdinger„Erstaunlich: Als Bochumer mit dem besten Pils der Welt schmeckt mir das Bleifrei aus dem Süden im Vergleich am besten. Nicht zu süß, mit dezent herbem Nachgeschmack und schöner Schaumkrone – sehr lecker! Optisch macht’s auch was her, es schaut schon verdächtig nach Bier aus. Umso weniger schmeckt es dafür nach Bier, erfrischt aber besonders an warmen Tagen tadellos.“

Till

Franziskaner
„Das obergärige Hefearoma muss man mögen. Mag ich. Sanft und fruchtig. Obwohl ich bei verbleitem Sprit eher auf Pils stehe. Das Franzl schmeckt halt wie ein softes Weißbier ohne Alkohol – deutlich erträglicher als Hafenwasser aus dem Norden oder das Plastikzeug vom Lidl. Ein super Sportlergetränk. Quasi ein Supersportlergetränk. Franziskaner Fireblade oder so? Ich schweife ab…“

Interview mit Christian Wolf, Braumeister und Diplom-Biersommelier (brauwolfsbierwelt.de)

Wie stellt der Brauer alkoholfreies Bier her?
Es gibt zwei Möglichkeiten ein Bier alkoholfrei herzustellen. Zum einen braut man ein normales Bier und entalkoholisiert dieses mit Hilfe der Umkehr-Osmose oder Destillation. Die andere Methode ist die gestoppte Gärung. Hierbei wird der Bierwürze nicht bei der gewöhnlichen Gärtemperatur vergoren, sondern bei kälteren Temperaturen die Gärung verlangsamt und bei einem Alkoholgehalt von 0,5 % gestoppt.

Ist alkoholfreies Bier tatsächlich frei von Alkohol?J
ein, es gibt mittlerweile Biere mit 0,0 Prozent, aber gesetzlich erlaubt sind maximal 0,5% Alkohol.

Wann darf sich ein Getränk Bier nennen?
Wenn es in Deutschland nur mit den vier Rohstoffen Wasser, Malz, Hopfen und Hefe gebraut worden ist.

Wie gut kann man den Geschmack von echtem Bier imitieren?
Eher schlecht, da der Alkohol ähnlich dem Fett beim Essen ein starker Geschmacksträger ist. Und wenn dieser fehlt wird es schon schwer, echten Biergeschmack zu erzeugen.

Trinkst du selber alkoholfreies Bier?
Mittlerweile gibt es sehr gute alkoholfreie Biere aus der Craft-Bier-Szene die durch stärkeren Einsatz von Hopfen sehr genießbar sind.