Kawasaki schwimmt auf einer Erfolgswelle. Nun schließen Ninja 125 und Z 125 auch noch die Lücken bei der Jugendarbeit. NEWS ging mit den beiden grünen Einstiegsdrogen auf Entdeckungsjagd.

Achtelliter sollen vor allen Dingen 16- und 17-Jährige mobil und gute Laune machen. Für die Hersteller sind sie aber ein hartes Stück Arbeit. Denn der 125er-Markt ist hart umkämpft. Es gibt ein breites Spektrum an Modellen mit vielen unterschiedlichen Genres und spannenden Stylings, auch vor aufwändiger Ausstattung und interessanten technischen Lösungen schrecken die Firmen nicht zurück.

Bei Kawasaki, seit vielen Jahren bei den großen Motorrädern mit richtig viel Wind im Gefieder unterwegs, gähnte in Sachen Jugendarbeit seit langem ein schwarzes Loch im Programm. Zur neuen Saison soll das endlich mit frisch gezeichneten Achtellitern anders werden.

Bei der Modellplanung konnten sich die Entwickler auf die Ergebnisse der Marktforschung berufen: Laut einer von Kawasaki beauftragten Studie sind der Zielgruppe Optik, Zuverlässigkeit und Image am Wichtigsten – Renommieren zählt halt auch vor der Lehrwerkstatt oder auf dem Schulhof. Allerdings gelten eigentlich alle Viertakt-125er der namhaften Hersteller als technisch solide, da kann man kaum Punkte sammeln. Und Styling ist ja letztlich Geschmackssache.

Zum Glück hat Kawasaki ein paar mächtige Trümpfe im Ärmel. Denn die großen Baureihen haben generationenübergreifend unter Motorradfahrern einen sehr guten Ruf. Und mit diesem Pfund kann man wuchern: Mit klangvollen Namen wie „Ninja“ und „Z“ will Kawasaki die Jugend auf die grüne Seite bekehren. Das macht unterm Strich gleich zwei neue Modelle. Z125 und Ninja 125, knackig im Supernaked-Stil oder eine verkleidete Variante mit Supersport-Genen – die Wahl zwischen den beiden Genres preist Kawasaki als „Die härteste Entscheidung“ bei den jungen Kunden an.

Technisch fährt Kawasaki ähnliche Geschütze auf wie die Mitbewerber von Aprilia, Honda, KTM, Suzuki oder Yamaha: Beide 125er sind vor allem optisch verschieden, unter dem Wechselkleid steckt identische Technik. Motor, Fahrwerk und Bremsen stammen aus dem Baukasten, der klassisch aufgebaute DOHC-Einzylinder holt mit 15 PS und 11,7 Nm das Maximum aus den gesetzlichen Schranken heraus, soll aber auch bei mittleren Drehzahlen druckvoll anschieben.

Der Supersport-Verkleidung geschuldet, wiegt die Ninja 125 mit 148 Kilo trocken zwei Kilo mehr als ihre Schwester, welche als klassisch aufgezäumte Nackte etwas breiter und höher gerät. Ins Auge springt bei beiden der charakteristische, auf die großen Schwestern anspielende Gitterrohrrahmen, der zusammen mit dem markentypischen Lime Green einen sehr erwachsenen Eindruck macht.

Die Japaner legen großen Wert auf das von den Flaggschiffen übernommene „Sugomi“-Entwicklungskonzept. Laut dieser Philosophie muss das Styling immer im Gleichgewicht mit der technischen und fahrerischen Leistung sein, für jede Errungenschaft im Design müssen die Ingenieure einen gleichwertigen Fortschritt erbringen, damit die Technik auf Augenhöhe bleibt. Herz und Verstand auf einer Wellenlänge und am Maximum – so geht „Sugomi“.

 

 

Auf den ersten Blick scheint das Prinzip zu funktionieren. Die ausschließlich für Europa entwickelten Maschinen sind wirklich eine Augenweide. Natürlich sehen die alten Fahrensleute, dass hinter dem Gitterrohrgeflecht kein Liter Hubraum schlummert. Dem Sechzehnjährigen mit dem Zündschlüssel in der Hand wird das aber herzlich egal sein.

Wir starten mit der Z125, wechseln dann auf die Ninja. Nachdem ich die Betonschluchten Malagas hinter mir gelassen habe, verbergen sich entlang der Berge wundervolle, nahezu unbefahrene Pässe, bei denen die Kleinen zeigen können, was sie wirklich drauf haben.

Die engen Kurven sind für die federleichten Kawas wie gemacht, zur Not reicht ein minimaler Impuls zum Korrigieren. Aus der Kurve heraus schieben sie für Achtelliter gut vorwärts, den größten Punch liefern sie aber erst nahe der Nenndrehzahl. Maximales Drehmoment serviert der Single ab 7700, optimale Leistung ab 10000 Touren.

Das Fahrwerk ist sportlich, aber nicht knüppelhart abgestimmt, und für den Einsatz jeden Tag durchaus noch komfortabel. Durch die aufrechtere Sitzposition und den höheren, geraden Lenker fühlt sich die Z125 etwas agiler und alltagstauglicher an, wobei die Ninja das sportlichere Feeling vermittelt und das Vorderrad ein wenig besser zu kontrollieren ist.

Die Bremsanlagen sind bei beiden identisch, die Stopper lassen sich punktgenau dosieren und das ABS hilft im Notfall aus. Fahrerisch geben sich beide keine Blöße. Kawasaki-typisch ist die Verarbeitung überdurchschnittlich, an den Schaltern wackelt nichts und die Kabel sind sauber hinter Verkleidungen versteckt.

Schick gemacht ist auch der kompakte Digitaltacho. Er liefert bis auf die Motortemperatur alle relevanten Informationen und lässt sich gut ablesen, ohne penetrant das Blickfeld zu beherrschen. Eine moderne LED-Beleuchtung wäre schön gewesen, aber das ist eine Kleinigkeit.

Klangtechnisch wird beim Druck des Anlassers sofort klar, womit man es zu tun hat. Der Serienauspuff erledigt seinen Job, mehr allerdings auch nicht. Für Audiophile bietet Arrow zum Marktstart eine Lösung an, der mit kernigem Geballer im Stand und im Schiebebetrieb auf dem Schulhof für Respekt sorgen wird.

Doch die Gebirgsstrecke war nur der Auftakt des ersten Testtages. Am folgenden Morgen geht es auf einen Gymkhana-Kurs und eine Outdoor-Kartbahn. Dort werden dann die Kernkompetenzen deutlicher: Die Z125 lässt sich kinderleicht durch engste Passagen wuseln – und die Ninja bleibt auch im Kurvenscheitel stabil.

Prominente Gäste sind auch vor Ort: Kawasaki hat die Supersport-300-Weltmeisterin Ana Carrasco eingeladen, die superschnelle Spanierin führt unsere Gruppe von Mini-Ninjas über den eng gesteckten Kartkurs. Obwohl es zügig zugeht, hat man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren oder überfordert zu sein. Das sind gute Voraussetzungen für die sichere Fahrt zur Schule, wenn man mal wieder verschlafen hat.

Ob Ninja 125 oder Z 125, beide Motorräder müssen sich vom Start weg nicht vor der Konkurrenz verstecken, im Gegenteil. Da fällt „die härteste Entscheidung“ gar nicht so schwer. Denn der 16-Jährige fährt eine Ninja 125 für 4895 Euro. Oder eine Z für 300 Euro weniger. Denn letztlich sind beide cool. Welche Kawasaki einem besser gefällt, ist da  Geschmachssache. Und eine Frage des Portemonnais. Wer sich jetzt noch nicht entscheiden kann, bekommt aber grüne Schützenhilfe: Fürs erste Jahr spendiert Kawasaki noch bis Ende 2019 die Vollkaskoversicherung. Das ist ein prima Argument, wenn es am Familientisch ans Verhandeln geht.

Jonathan Roedel 

Technik

Kawasaki Z125 (Ninja 125)

Motor: Einzylinder-Viertakt, flüssigkeitsgekühlt, vier Ventile/Zyl.

Hubraum: 125 cm³

Leistung: 11 kW (15 PS) bei 10000 min-1

Hubraum: 11,7 Nm bei 7700 min-1

Bremsen v/h.: 263-mm-Scheibe / 193-mm-Scheibe

Reifen v/h.: 100/80-17 / 130/70-17

Sitzhöhe: 815 (785) mm

Gewicht: 146 (148) kg

Tankinhalt: 11 l

Preis inkl. Nk.: ab 4795 (5095) Euro 

 

 

 

Begeistert

Mit ganz viel Kawasaki-Flair

Nervt

Mit ziemlich wenig

Für

Jugendliche Sportskanonen

Gegner

Aprilia Tuono/RS125

Honda CB125R

KTM 125Duke/RC

Suzuki GSX-S/R 125

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