Aprilia will mit der SX 125 und RX 125 erneut demonstrieren, dass Sportsgeist nicht von Anabolika-Motoren abhängt. NEWS fuhr zu den Bundesjugendspielen.

Was entscheidet eigentlich, ob eine 125er am Markt besteht? Ist es die Leistung? Eigentlich nicht, die meisten Hersteller schöpfen die gesetzlichen Grenzen mit ihren Topmodellen voll aus. Dann vielleicht der Preis? Klar, der spielt eine entscheidende Rolle. Aber das Allerwichtigste ist, dass sie den richtigen Nerv trifft. Gute Karten für Aprilia, denn Supermotos und Enduros regieren derzeit die Instagram-Feeds.

Bevor die Suche nach dem schönsten Filter losgeht, wartet noch eine Hürde: die Probefahrt. Ob man dafür zur SX oder zur RX greift ist Typsache. Preislich schenken sich Supermoto und Enduro mit 3700 zu 3840 Euro kaum etwas. Und auch technisch sind die Zwillinge beinahe eineiig.

Die Unterschiede liegen in den Felgengrößen samt CST-Reifen sowie der Bremse. Dabei sind sogar die Bremszangen identisch, allerdings muss der Endurist mit etwas geringerem Scheibendurchmesser vorne leben. Stahlflexleitungen gibt es dagegen an beiden Motorrädern rundherum.

Leider verhindert das Zulassungsrecht, ein­fach einen zweiten Radsatz zu kaufen und die Enduro je nach Lust und Laune in wenigen Minuten in eine Sumo oder umgekehrt zu verwandeln. Während die Supermoto mit ih­rem 17-Zoll-Vorderrad nach Kurveneingängen giert, braucht der 21-Zöller der Enduro etwas mehr Überzeugung und kippt mit den Stollen­reifen nervöser in Schräglage. Hinten steht es 17 zu 18 Zoll. Die Straßenreifen der SX haften brauchbar, allerdings sollte man sie penibel warm fahren. Auf Asphalt ist man mit ihnen erwartungsgemäß besser bedient, spätestens am Baggersee sind die Karten aber neu gemischt.

Wo geht‘s zum Strand? Die RX rubbelt serienmäßig auf Stollen

Den Motor teilen sich die beiden mit ihren Geschwistern RS und Tuono 125. Für die Hochbeiner programmierte Noale ein neues Mapping, das einen Hauch mehr Drehmoment generieren soll. Eine Ausgleichswelle treibt dem wassergekühlten Doppelnocker die gröbsten Flegeleien aus, nur sanfte Vibrationen übertragen sich ins Chassis und strahlen in Lenkerenden und Fußrasten aus. Das Tremolo ist dezent genug, dass es nicht nervt.

Ähnliches gilt für den Auspuff. Wer die Aprilias sanft fährt, kann sich nachts unbemerkt im Tarnkappen-Modus außer Haus stehlen. Erst mit steigender Drehzahl wachsen die Qualitäten als Heldentenor. Trotz zwei Kats im Krümmer und einem im Endschalldämpfer tönen die Eintöpfe lebensfroh.

Wann genau? Schwer zu sagen, denn das Display schweigt sich über die Drehzahl aus. Ebenso über den Tankinhalt, erst die Reserveleuchte mahnt den nächsten Oktansnack an. Dafür gibt es zwei Tripzähler, eine Uhr, die Batteriespannung, Wassertemperatur – und wer Freude an Superlativen hat, kann sich vom Bordcomputer die höchste bisher gefahrene Geschwindigkeit anzeigen lassen.

Einer für Alle: Der Einzylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen befeuert die Aprilia SX, RX, RS und Tuono 125

Für fast alles: Nur gegen den Regen kann Aprilia nichts machen

Konfirmanten-Blase: Der Tank fasst spartanische 6,2 Liter plus 0,5 Reserve

Das Fahrwerk ist der Leistung mehr als gewachsen. Trotz des langen Federwegs von 240 Millimeter an der Gabel fühlen die Achtelliter-Aprilias sich nicht nach Schaukelpferd an. Auch bei scharfem Bremsen taucht die Front nicht über Gebühr ein. Das Federbein mit 200 Millimetern Federweg ist ähnlich ausgelegt. Angenehm straff, aber mit ausreichend Komfortreserven für längere Ausflüge. Wer einen empfindsamen Hintern hat, sollte der harten Sitzbank mit einem Gelkissen ent­gegen­wirken. Oder preiswerter: Kniebeugen.

Und falls die Erzeuger auch noch ein Wörtchen bei der Kaufentscheidung mitzu­reden haben: SX und RX kommen mit Bosch-ABS am Vorderrad. Und einer Abhebeerkennung hinten als Überschlagschutz.

Fazit

Zwei Takte mehr und viel weniger Abgase. Die Aprilia SX und RX halten zwar nicht alle Fahnen ihrer Ahnherren hoch, beweisen aber trotzdem, dass in Noale noch eine Menge Knowhow in Sachen Supermoto und Enduro steckt. Dazu muten die Motorräder in weiten Teilen hochwertig an.

Technische Daten: Aprilia SX 125 (RX 125)

Motor: Einzylinder-Viertakt, vier Ventile pro Zylinder, flüssigkeitsgekühlt, Sechsganggetriebe, E-Starter, Kette

Hubraum: 124 Kubik

Leistung: 11 kW (15 PS) bei 10700 U/min

Drehmoment: 11,3 Nm bei 8000 U/min

Bremsen v/h: 300-mm-Scheibe mit Doppelkolben-Schwimmsattel / 218-mm-Scheibe mit Einkolben-Schwimmsattel

Reifen v/h: 100/80-17 (90/90-21) / 130/70-17 (120/90-18)

Sitzhöhe: 870 Millimeter (925 Millimeter)

Tankinhalt: 6,7 Liter

Leergewicht: 134 Kilogramm

Preis zzgl. NK: 3700 Euro ( 3840 Euro)

 

 

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