Elektro-Glide: Harley-Davidson Road Glide Limited im Fahrbericht

Eine Harley vollgestopft mit Elektronik: Die Company reitet mit der Touring-Baureihe eine Neuzeit-Offensive.

von Tilman Sanhüter Fotos HD

Fliegender Wechsel: Die Road Glide Limited ersetzt im Harley-Portfolio die Road Glide Ultra. Äußerlich hal­ten sich die Updates in Grenzen. Es gibt frische Farben, andere Räder und neu gestaltete Embleme an Tank und Fendern. Zudem kann man Gabel, Antriebsstrang, Auspuff und Bügelwerk ab Werk in einen schwarzen Farbtopf tauchen lassen. Also alter Wein in neuen Schläuchen? Stimmt nicht ganz, denn im Gekröse verstecken sich tiefgreifende Änderungen. Der Topcase-Bagger gehört zur neuen Tourer- Generation, die erstmals mit einem ansehn­lichen Elektronikpaket aufwartet. „Unsere Touring-Kunden sind bei jedem Wetter unter­wegs. Da können ein paar Assistenzsysteme nicht schaden“, erklärt Produkt­entwickler Paul James. Fast alle Tourer haben ab 2020 Traktions­kontrolle, Kurven-ABS, Berganfahrhilfe und eine Motorschleppmomentregelung an Bord. Nur der Purismus-Verfechter Electra Glide Standard begnügt sich weiterhin mit einer herkömmlichen Stotterbremse.

Keine Bedrohung der klassischen Werte

Bedroht der elektronische Maulkorb das Freiheitsgefühl? Mitnichten. Die Traktions­kontrolle lässt sich bei der Testrunde nahe der mexikanischen Grenze kaum zum Dienst überreden. Nur im Rain-Modus flackert gele­gentlich ein gelbes Lämpchen im Cockpit. Und zur Not lässt sie sich komplett deaktivieren. Die Feststellbremse aktiviert und deakti­viert man im Stand durch einen beherzten Griff zum Bremshebel. Bis zu fünf Minuten hält sie das Motorrad an Ort und Stelle. Beim Einkuppeln löst sich der Klammergriff mit einsetzendem Vortrieb sanft. Keine Revo­lution, aber bei runden acht Zentnern spart es an steilen Stellen ein paar Schweißperlen. Zudem erzählen die Tourer dem Smartphone via HD Connect-App spannende Anekdoten über Kilometerstand, Fahrstatistiken oder den nächsten Service-Termin. Ein Diebstahlwarner schlägt zudem Alarm, wenn sich die Harley aus einem festgelegten Bereich entfernt und verrät, wohin die bösen Buben sie entführt haben. Dieser Service ist ein Jahr kostenlos, später sind 160 Euro per anno fällig, Datenflat inklusive.

Technik:

Bauart: Zweizylinder-Viertakt-V, luft-/flüssigkeitsgekühlt, vier Ventile /Zylinder, sechs Gänge, Riemenantrieb
Hubraum: 1868 cm3
Leistung: 66 kW (90 PS) bei 5020 min-1
Drehmoment: 164 Nm bei 3000 min-1
Bremse v/h: 300-Millimeter-Doppelscheibe mit Vierkolbenfestsätteln / 300-Millimeter-Scheibe mit Vierkolben-Festsattel
Reifen v/h: 130/70 B18 / 180/55 B18
Federweg v/h: 117 mm / 76 mm
Sitzhöhe: 735 mm
Tankinhalt: 22,7 l
Leergewicht: 423 kg
Preis zzgl. Nk.: ab 29 195 Euro (Herstellerangaben)

​Fazit:

Klotzen statt kleckern: Das war schon immer die Devise einer großen Harley. Mit dem prallgefüllten Elektronikpaket macht die Company da keine Ausnahme: Die Tourer sind in der Neuzeit angekommen.

Tilman
Elektronisch abgesichert

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