So wie früher, nur in neu: Die Harro-Rennweste ist wieder da. Lauwarmer Aufguss oder würdige Neuauflage?

„Kannst du vielleicht die Geschichte über die Rennweste schreiben? Meine Pocke krieg ich da doch niemals rein“, stöhnt Redaktions-Silberrücken Erik. Ein Problem, das so manchen gestandenen Besitzer einer originalen Harro-Rennweste plagen dürfte. Schließlich ist die schwarze Lederjoppe mit dem Malteserkreuz auf der Schulter seit den Sechziger Jahren Kult. Einige Exem­plare haben die letzten Jahre wohl konserviert, aber in gleichbleibender Konfektionsgröße im Schrank überdauert. Doch es gibt Hoffnung, denn die Rennweste ist nach dem Dahinscheiden der Firma Harro wieder im Handel erhältlich.

Daniela Talmon und Alexander Bodamer schnappten sich neben den Namensrechten auch die originalen Schnittmuster und fertigen Harro-Klassiker wie den Elefantenboy-Tankrucksack, die Tourenkombi Assen oder eben die Rennweste authentisch – aber mit Protektoren nach. Das merkt man auch beim Reinschlüpfen, denn die Jacke fällt nach heutigen Maßstäben eher klein aus. Um die Schulter sitzt sie besonders sportlich, am Rumpf lässt sie etwas mehr Raum für Herzhaftes. Der Kragen mit Druckknöpfen baut hoch auf und drückt im Stehen etwas auf den Kehlkopf. Leicht nach vorne gebeugt auf dem Krad sitzt aber alles einwandfrei. Sollte sich der Körperbau überhaupt nicht mit dem Schnitt arrangieren lassen, bietet der Hersteller auch individuelle Anpassungen auf Maß an. Der Bund umschmiegt den Bauch mit klassischen Schnallen zum Einhängen. Ein Doppel-Revers schirmt die Brust vor Fahrtwind ab. Im Winter kann man dort noch eine Zeitung als zusätzliche Isolierung einschieben. Das für eine Jacke in Herrengröße 50 hohe Gewicht von knapp 3200 Gramm inklusive vollständiger Protektoren-Ausstattung stört nicht.

Im Gegenteil trägt es wie eine dicke Bettdecke zum Behagen bei und unterstreicht die hervorragende Qualitätsanmutung des ebenmäßigen Leders. Auch das weinrote Polyester-Futter gefällt nicht nur Retro-Freunden. Etwas Kritik gibt es allenfalls für die Reißverschlüsse, die zwar sehr wertig in Metall ausgeführt sind, aber gerne etwas hakeln. Früher hat man sich mit etwas Bienenwachs beholfen, das dürfte heute auch noch klappen. Das einzige was zum altgedienten Original fehlt, sind ein paar Schrammen, Falten und verblichene Stellen. Aber die muss man sich eben ganz altmodisch erst selbst verdienen.

www.rennweste.de

Was?
Frisch genähter Klassiker

Für wen?
Authentische Altkradler

Kostet?
750 Euro

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