Dreispitz: Yamaha MT-03 im Fahrbericht

Yamaha frischt die MT-03 zum Modelljahr 2020 noch mal gehörig auf. Doch bei aller Innovationskraft bleiben auch viele Teile bestehen. Ein alter Hut mit neuer Garnitur?

von Tilman Sanhüter Fotos Yamaha

„Schick muss man sein, sonst sieht man doof aus“, sagte einst der Modeschöpfer Stephan Katz. Grund genug für Yamaha, der MT-03 ein neues Kleid überzustreifen: Angefangen bei der Lampenmaske mit LED-Positionslicht-Augen, die sie sich mit der kleinen Schwester MT-125 teilt. Insgesamt ist das Halogen-Zeitalter verglommen, auch Rücklicht und Blinker sind serienmäßig mit LED bestückt. Die 300er folgt der „Mass forward“-Designphilosophie – sprich vorne breit, hinten drahtig. Der Tank fasst nach wie vor 14 Liter, doch das Cover ist neu gestaltet. Es baut nun kürzer, was auch den Fahrer nach vorne rückt. Die Lufteinlässe führen zwar ins Nirvana, sind aber breit ausgestellt und deuten einen Stiernacken an. Die verschlankte Taille erleichtert sauberen Knie­schluss. Nach oben hin verbreitert sich die Plaste – der Tank sieht fast nach der großen MT-09 aus. Jedoch nimmt man verblüffend tief Platz: Nur 78 Zentimeter Sitzhöhe und 169 Kilo vollgetankt stellen auch zarte Staturen beim Aufsitzen und Rangieren vor keine große Herausforderung. Die Fußrasten sitzen nicht zu weit oben, so zwackt nichts in der Kniekehle Auch für den Sozius gehen die Sitzposition und die Größe des Kissens klar. Der Fahrer greift an einen um 39 Millimeter verbreiterten Lenker. Das erhöht die Hebelwirkung und erlaubt kräfteschonendes Dirigieren. Zudem rückte die Stange 19 Millimeter näher zum Piloten hin.

Licht und Schatten: Aus der düsteren Front blinzelt moderne LED-Technik

Nächste Runde: Der Zweizylinder-Motor darf unverändert mit ins neue Modell

Der Twin dreht tapfer, aber es lohnt sich nicht

Der Stahlrohrrahmen blieb ebenso unangetastet wie der Zweizylinder. Aber wozu auch, denn beides ist bewährt. Der Motor brummelt im Leerlauf verblüffend bassig vor sich hin und geht in der Mitte erstaunlich saftig. Der Twin dreht zwar tapfer bis kurz vor 13 000 Touren, es lohnt sich aber nicht. Erstens ist der Leistungs-Zenit bei knapp unter 11 000 erreicht und zweitens klingt der Motor obenraus so gequält, dass ein zartes Maschinistenherz in Mitleid verkrampft. Die konventionelle Telegabel ersetzten die Ingenieure durch eine USD-Forke mit 37 Millimetern Tauchrohr-Durchmesser. Das Kayaba-Teil spricht nicht superfein an, aber wir liegen hier auch preislich weit unterhalb der Highend-Liga. Das Material federt und dämpft ohne labberiges Gefühl oder hektisches Stuckern. Solide Hausmannskost eben. Das Federbein setzt eher auf Schlechtwegekompetenz als auf sportliche Härte. Im Alltag fein, sportgerecht bewegt eher mittelgut. Je nach Bedarf lässt sich die Feder in fünf Stufen vorspannen. Bei großen Kerls oder voller Besetzung dürfte das Fahrwerk jedoch unter Stress geraten. Ebenso wie die vordere Bremse. Die Verzögerung geht an sich in Ordnung, jedoch muss man kräftig am Hebel ziehen. Auf den ersten Millimetern Weg wirkt der Stopper zahnlos. Im Stadtverkehr kommt man damit gut zurecht. Abermals: Im Alltag fein, sportgerecht bewegt eher mittelgut. Das liegt natürlich zum guten Teil an der Zielgruppe der MT-03. Sie richtet sich weniger an performancegeile Zentraleuropäer, sondern an die aufstrebende Mittelschicht der Schwellenländer. Einer der Hauptmärkte für die in Indonesien gefertigte MT-03 ist zum Beispiel die Türkei. Aber auch in Deutschland kann der handliche Zweizylinder punkten. Denn Yamaha bietet eine erwachsene Maschine, die einem in Anschaffung und Unterhalt trotzdem noch das Schwarze unter den Fingernägeln gönnt. Ein braves Alltagsmotorrad, nicht frei von Spielwert. Und schick sieht sie aus!

Das ist neu:

  • Verkleidungsteile
  • neu abgestimmtes Federbein
  • vorderradorientierte Ergonomie
  • LED-Licht rundum
  • USD-Gabel

Technik:

Bauart: Zweizylinder-Viertakt-Reihe, flüssigkeitsgekühlt, OHC, vier Ventile
Hubraum: 321 cm³
Leistung: 31 kW (42 PS) bei 10 750 min-1
Drehmoment: 30 Nm bei 9000 min-1
Bremse v/h: 292-mm-Scheibe mit Doppelkolben-Schwimmsattel / 220-mm-Scheibe mit Einkolben-Schwimmsattel
Fahrhilfen: ABS
ssReifen v/h: 110/70-17 / 140/70-17
Federweg v/h: 130 mm / 125 mm
Sitzhöhe: 780 mm
Tankinhalt: 14 l
Leergewicht: 169 kg
Umweltnorm: Euro  4
Preis zzgl. Nk.: 5499 Euro

Fazit:

Yamaha hält mit der neuen MT-03 an bewährten Elementen wie Motor und Rahmen fest. Jedoch werten die Japaner das Fahrwerk und die Beleuchtung auf, ebenso Ergonomie und Optik. Unterm Strich ein lohnenswertes Update.

Tilman
NEWS-Update

 

Teilen: