Seit Jahren in der Industrie bewährte Korrosionsschutz-Technik gibt es auch als Corrcoon-Motorradschutzhauben zu kaufen: Die verspricht bis zu zwei Jahre Ruhe vor Rost & Co.

Starten statt warten, das verspricht die Werbung, wenn man sein Motorrad in der Corrcoon-Schutzhülle eingelagert hat. Denn wo man an ungeschützt gelagerte Maschinen noch Hand anlegen und Chrom, Alu und andere Oberflächen erst auf Hochglanz bringen muss, sollen die unter der speziellen Folie eingemotteten Bikes strahlen wie ein Gebiss aus der Werbung, wenn man nach längerer Standzeit wieder fahren möchte. Ob Pleuel, Kurbelwellen oder Platinen zeitweilig vor Korrosion geschützt werden müssen, die Folien mit VpCI-Technologie haben in der Industrie den aufwändigen Ölfilm, der vor Weiterverarbeitung auch noch abgewaschen werden muss, weitgehend verdrängt. Und was die blanke Motorhaube auf dem Übersee-Transport nach Mexiko schützt, sollte ja auch in deutschen Garagen klappen,oder?

Anschaulich: Nur im linken Probebehälter schützt VpCI die Stahlwolle vor dem Leitungswasser.

Außenlabor: Doppelt eingepackt ruhen die Proben drei Monate.

Die Funktion ist simpel, die Herstellung schwierig: Die Folien sind mehrlagig aufgebaut, schützen außen vor UV und Feuchtigkeit und sondern auf der Innenseite Partikel ab, die im Innern eine Schutzatmosphäre bilden. Die legt sich moleküldick über alle metallischen Oberflächen und hält korrosiven Sauerstoff fern. Das gereinigte, trockene Bike wird auf die ausgebreitete Haube gestellt und diese dann per Zipper verschlossen, fertig. Wer zwischendurch mal eine Runde drehen will, sollte die Haube nicht lange offen lassen und nach Gebrauch die überschüssige Luft herausdrücken, dann soll der Schutz bis zu zwei Jahren halten. Beim Vorgänger, der Corrodom-Haube, die wir in den 90er Jahren testen konnten, war die Handhabung noch wesentlich pfriemeliger.

Um das Versprechen des Herstellers zu überprüfen und dabei möglichst nahe an der Realität zu bleiben, tüteten wir je eine gebrauchte Bremsscheibe und einen Alu-Motorendeckel, jeweils frisch sandgestrahlt und entfettet, in Beutel aus Corrcoon-Folie, das Gegenstück kam in normale Gefrierbeutel. Die vier Probanden kamen noch einmal in einen großen Plastiksack und durften dann abgedeckt im Garten drei Monate ruhen. Was soll denn schon rosten, wenn man blankes Metall trocken in einen sauberen PET-Beutel steckt, dachten wir uns skeptisch vor dem Versuch. Wie soll da die VpCI-Geschichte einen Vorteil haben?

Doch der winzige Rest Luftfeuchtigkeit, der im Gefrierbeutel verblieb, reichte für Flugrost in den Poren der Bremsscheibe, während die andere Scheibe gänzlich unverändert und wie frisch gestrahlt war. Keinen Unterschied sahen wir bei den Aludeckeln: Offensichtlich ist Japan-Alu korrosionsfester als vermutet. Nach Gebrauch kann man die ungiftige Folie ganz normal im Gelben Sack entsorgen. Aber Hightech kostet doch sicher, oder? Nun, je nach Größe ab 24,90 Euro sind für zwei Jahre ohne Rostsorgen nicht zuviel, finden wir.

Klinisch rein: Die Scheibe aus der Corrcoon-Tüte blieb metallisch blank.

Gegenprobe: Trocken eingelagert und doch mit Flugrost gepudert – die Luftfeuchtigkeit war schuld.