Bereits seit 1990 ist der Besuch im Café Fahrtwind ein Muss für jeden, der die Eifel unter die Räder nimmt. NEWS hat den Kult-Treff nahe des Nürburgrings besucht.

Der Chef kann grad nicht. Er steckt bis zu den Handgelenken im Kuchenteig und grinst schicksalsergeben aus der Küche. „Bin gleich bei dir, ich muss nur eben noch ein paar Bleche in den Ofen bringen.“ An Tagen wie heute backen Mirko Mochetti und seine fleißigen Helfer Kuchen im Akkord. Denn im Café Fahrtwind summt und brummt es an sommerlichen Wochenenden wie im Bienenstock: Vor dem Haus kommen und fahren die Motorräder, hinter dem Haus liegt Gemurmel und Gelächter in der Luft.
Als die Leckereien endlich im Ofen sind, begrüßt Mirko einen Schwall neuer Gäste mit Handschlag. Man mag sich, die meisten Gäste kennt der Chef beim Namen. „Viele machen auf dem Weg zum Nürburgring Halt bei uns“, erzählt der 47-Jährige, als wir es mit unseren Kaffeetassen endlich ins Freie geschafft haben. „Aber wir haben auch sehr viele Stammgäste.“

Ein Café nur für Motorradfahrer: Das erste Fahrtwind eröffnete Mirkos Mutter Daniela 1990 im nahen Ahrbrück

Im Café Fahrtwind begegnet man Motorradfahrern und Maschinen aller Genres. Nagelneue oder uralte Bikes, sportlich, touristisch, klassisch, im Abenteuer-Trimm oder echte Bastel-Unikate. Das Publikum ist ein kunterbuntes Pot-pourri aus allen Bevölkerungsschichten. Sogar lokale Berühmtheiten wie „Catman“ Sigurd Broichhaus aus Bad Breisig mit seiner Leopardenfell-gemusterten K 1200 S rollen gern auf den Hof. Nur wenige schneien nur „mal eben“ auf´nen Kaffee herein. Die meisten bleiben länger hängen. Kein Wunder, denn neben den leckeren Kuchen Marke Eigenback gibt es auch Herzhaftes für knurrende Mägen wie Schnitzel, Hamburger, Suppen, Chili con Carne und belegte Brötchen.

Und ob drinnen oder draußen auf Terrasse, im Biergarten oder auf der großen Wiese, jeder findet sein Fleckchen zum Ausspannen. Das war nicht immer so. Früher, im ersten Café Fahrtwind im nahen Ahrbrück, gab es für Mensch und Maschine weniger Platz. Das Café hatte Mirkos Mutter Daniela Daniels 1990 eröffnet. Als damals der deutsche Bundestag nach Berlin umzog, gab es für die hauptberufliche Dolmetscherin in Bonn nicht mehr viel zu tun. Sie wagte damals, was sich bis dato nur wenige trauten: Sie eröffnete ein Café, das nur für Motorradfahrer gedacht ist: das Café Fahrtwind. Denn all die Jahre vorher war die junge, motorradverrückte Frau nach Feierabend immer wieder zur Nordschleife gedüst und hatte festgestellt, dass es als Motorradfahrer gar nicht so einfach war, irgendwo einfach mal einen Kaffee unter Gleichgesinnten zu trinken.

Das Konzept fand Anklang: Im Sommer stapelten sich sonntags tausende Motorräder vor dem Lokal. Gleichzeitig fuhr Daniela mit ihrer 600er Einzylinder-Gilera Saturno in der „Sound of Singles“-Rennserie einen Sieg nach dem anderen ein.
Der Motorradbazillus sprang natürlich auch auf ihren Spross über. „Es musste einfach so kommen“, erinnert sich Mirko, „Ich habe meine halbe Kindheit an der Rennstrecke verbracht, in meiner Jugend Roller getuned und bin dann selbst viele Jahre Motorrad- Rennen gefahren.“ Auch im Café war er immer dabei, packte neben der Schule hinterm Tresen mit an. Nach dem Abi machte er die Klempnerlehre, wollte den Meister machen.

Ab ins Grüne: Rund ums Fahrtwind ist von der nahen „Hölle“ noch keine Spur. Es gibt reichlich Platz zum Parken, Sitzen und Feiern.

Doch es kam anders: 1995 verunglückte Mama Daniela im tschechischen Most. Sie lag im Koma und war lange Zeit außer Gefecht gesetzt. Für Mirko stellte sich die Frage: Meisterprüfung oder Café? Er entschied sich für das Café, sprang erst für seine Mutter ein und übernahm den Laden zwei Jahre später komplett. 2003 kaufte er am waldigen Ende des Hönninger Industriegeländes, direkt an der B257 und nur zwei Kilometer südlich des alten Standortes, ein Grundstück. Dort baute er neu und zog mit dem ganzen Betrieb um. Plötzlich boten sich ungeahnte Möglichkeiten: mehr Platz zum Parken, Sitzen und Feiern.
In der Saison sind Mirko und seine zwölf Helfer sieben Tage die Woche im Einsatz. Zeit für die großen Leidenschaften, seine 2005er GSX-R 750 und das Ultraleicht-Fliegen, bleibt da nicht. Im Winter geht es ruhiger zu: Im November und März öffnet der Laden nur am Wochenende und Mirko nutzt die freie Zeit, um neue Ideen umzusetzen und zu werkeln. Manchmal kommen dabei auch Kuriositäten heraus, so wie der selbst entwickelte Handschuhtrockner.
Wenn das Fahrtwind von Dezember bis Februar geschlossen bleibt, reist der gebürtige Römer gern in den Süden. „Da schau ich mir dann das an, was ich im Sommer nur von der Theke aus sehen kann!“ Doch jetzt heißt es erst einmal: Ärmel hochkrempeln. Denn bis es so weit ist, will noch viel Kuchenteig geknetet werden.

Treff: „Café Fahrtwind, In den Weidenhecken 34, 53506 Hönningen, 02643/6006 und http://www.cafe-fahrtwind.de/. Mit großer Terrasse, Gastraum, Platz für viele Maschinen und Zeltwiese.
Lage: Im Gewerbegebiet von Hönningen direkt an der B257 zwischen Adenau und Altenahr, 22 Kilometer nördlich des Nürburgrings
Zeiten: Von Anfang April bis Ende Oktober: Montag Ruhetag, Dienstag bis Freitag zwölf bis 20 Uhr, Wochenende und Feiertage neun bis 20 Uhr geöffnet – wobei der Feierabend wetterabhängig ist. Im März und November ist das Fahrtwind nur am Wochenende von zehn bis 17 Uhr geöffnet. Dezember bis Februar bleibt das Café geschlossen.
Hinweise: Besonders viel ist bei Markentreffen und Partys los. Ein jährlicher Höhepunkt im Kalender ist das „Anlassen“ auf dem nahen Nürburgring.
Wer: Weitgereiste, die auf dem Weg zum Nürburg­ring und auf der Tour durch die Eifel Rast einlegen, sowie regionale Biker aus der Gegend um Köln, Bonn und Rheinbach.
Ringsherum: Auf den Hauptverkehrsverbindungen sind Geschwindigkeitsmessungen an der Tagesordnung. Abseits auf den kleinen Strecken jedoch öffnet sich dem Tourer ein ruhiges Kurvenparadies mit Strecken zum Schwindeligfahren. Die Nordschleife des Nürburgringes liegt etwa 25 Kilometer vom Café entfernt, das Mittelgebirge der Eifel und das Ahrgebirge sind prima Tour-Reviere. Zwischen den Burgen, Schlössern und Maaren lassen sich wunderbar tagfüllende Ausflüge stricken.

„Es musste einfach so kommen“: Fahrwind-Chef Mirko ist in Rennstiefeln groß geworden

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