Wo einst die Bauern-Kinder die Schulbank drückten, kehren heute fröhliche Motorrad-Horden ein: Die „Alte Schule“ in Much ist seit 14 Jahren eine der Anlaufstellen zwischen Sauerland, Westerwald und Taunus.

Wälder, vereinzelte Bauernhöfe, schmale Sträßchen und Höhen mit Aussicht: Die Anreise zur Alten Schule weckt Urlaubsgefühle. Kaum ist der Helm abgenommen, entfleucht mir ein Seufzen. Diese Stille!
Kein Wunder, dass der Treffpunkt im Bergischen Land für viele Großstädter die reine Wellness-Oase ist. „Manche Besucher beginnen und beenden den Tag bei uns“, berichtet Chefin Annette Büth. „Die kommen zum Frühstück, schwingen sich dann in den Sattel und lassen den Tag danach bei uns ausklingen.“ Geniale Strecken findet man direkt vor der Haus­tür: Heißsporne und Genussfahrer kommen in Westerwald, Taunus, Hessischem Bergland und Sauerland gleichermaßen auf ihre Kosten.
Manch einer stürzt sich am Treff gern ins Gewusel. Andere verkrümeln sich lieber an den Rand des Geschehens, wo das Grün und die Geräusche des Waldes die gestressten Sinne neu kalibrieren. Lauschige Plätzchen gibt es reichlich: Das Café liegt am Waldrand, der Parkplatz geht nahtlos über in den Biergarten und hinterm Haus schließt sich die Zeltwiese an.

Der Name „Alte Schule“ kommt nicht von ungefähr: Bis in die Sechziger Jahre kamen die Pennäler zu Fuß von den umliegenden Bauernhöfen hierhin. Das Haus war eine für damalige Zeiten typische „Ein­klassenschule“: Ein Lehrer unterrichtete die Kinder von der ersten bis zur achten Klasse. Zusammen in einem Raum – dem heutigen Gastraum. „Wo jetzt unser Tresen ist, stand das Lehrerpult“, verrät Annettes Mann André.
In den Siebziger Jahren wurde aus der Schule ein Asylheim. 2004 machten Irmgard und Heinz Ley daraus ein Café. Ursprünglich als Ausflugscafé gedacht, rannten die Motorradfahrer den Leys bald die Hütte ein. Schon damals schmückte die olle Honda CX 500 die Einfahrt und signalisierte Motorradfahrern, dass sie hier richtig sind.

Früher Gäste, heute Wirte: Annette und André hinterm Tresen

Nach 13 Jahren wollten Leys schließlich kürzer treten. Die übergaben das Café an ihre Stammgäste Anette und André, die die ei­ge­ne Baufirma bald auf­gaben, um sich in Vollzeit um das Wohl der Mo­pedfahrer zu kümmern. Bei unserer Begegnung haben die beiden mit ihren Harley-Shirts und ihrer Plauderlaune dieselbe Aura wie ihre Gäste. Damit die Leidenschaft nicht hinterm Tresen verkümmert, wie es schon vielen Motorrad-Gast­wirten ergangen ist, gehen sie oft selbst mit ihrer Softail auf Tour. „Viele erklären uns für verrückt, wenn sie hören, dass wir den Laden mitten in der Saison für ein paar Tage schließen, um mit der Harley loszuziehen“, erzählt André. Doch der Schwung, den sie von ihren Reisen mit nach Hause bringen, rüstet sie super für den Gastro-Betrieb, der in der Alten Schule rund ums Jahr läuft. Bei den Umbauten und Reparaturen kann sich André handwerklich austoben, Annette bereitet in der Küche alle Leckereien frisch zu. Ihre Dresdner Wurzeln bescheren den Gästen eine besondere Delikatesse: Ihre „Eierschecke“ ist unter Freunden des Hauses der Renner.

Zur Sache:

Treff: Café Alte Schule, Niederbonrath 70, 53804 Much, 02245/915899, www.cafe-alte-schule.de. Mit großem Parkplatz, Gaststube, Biergarten, Zeltwiese, Feuerstelle und Grill. Im Nebengebäude gibt es ein Zehner-Bettenlager, Toiletten, Duschen und einen Party-Tresen. Einen Samstag im Monat ist der Tüv im Haus, ab und zu gibt es Spießbraten und Live-Musik.
Zeiten: Rund ums Jahr Dienstag bis Samstag ab zehn Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab neun Uhr geöffnet. Montag ist Ruhetag.
Wer: 90 Prozent sind Motorradfahrer. Biker kommen oft in Gruppen aus dem Ruhrgebiet, dem Märkischen Kreis, Köln, Bonn und dem Oberbergischen. Im Sommer rollen im Laufe des Tages gern mal 1500 Motorräder über den Hof.
Lage: Im Rhein-Sieg-Kreis im Naturpark Bergi­sches Land, jeweils rund 50 Kilometer Fahr­strecke von Köln und Bonn entfernt.
Hinweise: Beim Saison­start im März sind Polizei, Verkehrswacht, DRK und TÜV Rheinland mit Infoständen vor Ort. Der Schladernring, wie die B 256 bei Waldbröl heißt, ist an Wochenenden und Feiertagen für Motorräder gesperrt, ebenso die K19 zwischen Lindlar und Engelskirchen.

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