Noch rollen wir. Aber wie kommen wir in die Stadt, wenn die Behörden Verbrennern Fahrverbote verpassen? NEWS ist mit einer Alternative von Bultaco durch Malaga gestromert.

Auch wenn radikale Fahrverbote noch in weiter Ferne scheinen: Wo der Verkehr durch die Städte führt, ist es oft laut und stickig.Trotzdem wollen wir möglichst bequem zur Arbeit oder Oma. Für abgasfreie Stadt-Expeditionen hat die wieder-belebte Trial-Marke Bultaco die „Albero“ entwickelt. Sie ist ein Hybrid aus Fahrrad und Motorrad – fast schon ein Moped auf Speed.

24-Zoll-Reifen, bequemer Sattel und ein vollgefederter Alurahmen sind Fahrradzutaten. Das Neunganggetriebe liefert SRAM, an der Kurbel arbeitet ein Planetengetriebe als Overdrive für schnelle Etappen, Scheiben-bremsen von Magura halten Albero im Zaum. Mit 42 Kilo wiegt die Bultaco allerdings das Dreifache eines modernen Cityrads ohne E-Antrieb. Das hat seinen Grund: Von der Kurbel bis fast unter die Gabelbrücke erstreckt sich ein acht Kilo schwerer Lithium-Akku mit einer Kapazität von 1,3 Kilowattstunden. Der versorgt einen im Hinterrad untergebrachten und 2,7 PS starken Elektro-Motor. Mit bis zu 60 Newtonmeter spielt er in der Drehmoment-Liga eines Mittelklasse-Motorrads und soll bis zu hundert Kilometer bei Kräften bleiben.

Womit wir bei der Gattungsfrage wären: Ist das nun ein S-Pedelec? Liegt nahe, entspricht aber laut Hersteller nicht der Homologation. Deswegen gilt das „Moto-Bike“, wie Bultaco es nennt, als E-Moped. Denn man kann in die Pedale treten, muss es aber nicht. Der Radnabenmotor im Hinterrad hört auch auf den Ride-By-Wire-Drehgriff am Lenker. Der Fahrer kann drei Leistungskurven wählen oder auch ganz ohne E-Unterstützung in die Pedale treten.

Ohne Hilfe ist das jedoch mühselig. Auf kerzengerader Strecke kann man ruhig mal Strom sparen, doch spätestens mit der ersten Steigung wandert das Däumchen automatisch wieder auf den roten Startknopf für den Nabenmotor. Dann beginnt schlagartig der Spaß. Mit einer klitzekleinen Gedenksekunde zieht Albero von der Leine, die Leistungsentfaltung ist selbst im Sportmodus bei spanischen Wolkenbrüchen gut dosierbar.

An der Strandpromenade ziehen mir die Mitfahrer trotzdem erst einmal weg. Flugs vom 0,8 kW schwachen Eco- in den Sportmodus zurückgewechselt und schon bin ich wieder dran. Mit minimaler Muskelunterstützung und ohne Mühe endet die Hatz bei knapp 50 Sachen. Löblich: Die Vierkolbensättel haben die Geschwindigkeiten mühelos im Griff, die Sitzposition ist recht gemütlich, erinnert aber eher an ein Mountainbike.

Hoch zur Burg Gibralfaro würde ich mich mit einem klassischen Drahtesel wohl quälen müssen. Es ist super steil, die Straße holprig und kurvenreich. Mit der Albero ist das kein Problem. Ohne in die Pedale zu stampfen, ziehe ich leise surrend eine Schneise durch den Regen – und staune nicht schlecht über meine 30 Sachen. Mit dezenter Fußakrobatik schaffe ich knapp fünf km/h obendrauf. Mit mehr Einsatz wäre ich noch schneller. Aber ich will ja sehen wie Albero ohne mich zurechtkommt.

Schlussendlich könnte das Hybrid-Konzept aufgehen – und das nicht nur in südeuropäischen Metropolen. Mit der Albero kann man sich im fließenden Verkehr locker behaupten. Zudem ist der Akku fix demontiert und in drei Stunden über ein mitgeliefertes Ladekabel vollgetankt. Hinter vorgehaltener Hand spricht man von echten 75 Kilometer Reichweite – das sollte für Innenstädte locker reichen.

Doch auf die rund 5700 Euro Kaufpreis kommt noch die Führerscheinpflicht als Hemmschuh obendrauf. Ab 16 Jahren darf man die Albero mit dem AM-Schein fahren, älteren Stromern genügt Klasse A oder B. Eine Mofa-Version mit 250 Watt Dauerleistung ist ebenfalls in der Pipeline und wird dasselbe Kosten.

Aber dafür hat Bultaco ja noch Zeit: Als nächstes droht Paris mit einem generellen Fahrverbot ab 2024. Und spätestens wenn andere Großstädte mitziehen, blüht dem „Moto-Bike“- Konzept eine große Zukunft.

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