Cola gegen Tee, Bush gegen Blair, Ramones gegen Sex Pistols: Amerikaner und Briten gehen Gleiches unterschiedlich an. MotorradSzene ließ Harley-Davidson gegen Triumph zum Retro-Schlagabtausch auf der Landstraße antreten.

In Nordamerika heißt die Antwort auf die Frage nach einem minimalistischen Cruiser Harley-Davidson Sportster Forty-Eight. Die Briten nennen ihre Interpretation Triumph Bonneville Bobber.
Freitag Mittag treffen Kollege Johann und ich uns vor der Redaktion, um die beiden auszuprobieren. Ich nehme zuerst die Harley. Etwas zögerlich dreht der Anlasser den luftgekühlten Vau-Zwei an, dann bricht das typische Harley-Poltern aus den beiden schwarzen Endrohren hervor. Schon im Stand zeigt dieser Motor, dass er mächtig Puls hat und lässt das Vorderrad lustig im Takt der Zündungen hüpfen. Kurz darauf mischt sich das tiefe Wummern des wassergekühlten Paralleltwins der Bobber unter den Klangteppich. Während ich die Plauze schwurbeln spüre, bleibt Johanns Bindegewebe relativ ruhig. Der Wackel-Faktor geht eindeutig zugunsten der Harley. Als wir vom Hof rollen, beginnt es zu tröpfeln. Wir lassen uns nicht den Spaß vermiesen und versuchen dem Regen davonzufahren.

Kesselt kräftig

Das Drehmoment der Sportster gipfelt schon früh. Die kleine Harley drückt sich zornig vom Asphalt ab und vermittelt das Gefühl, viel schneller aus den Ecken zu donnern, als der Tacho zugibt. Mein Kopfkino spielt den Film vom Ritt auf einer Wildsau ab. Johann bleibt dran, auch der Bobber-Motor hat Schmalz im Ärmel wie ein Hufschmied. Die Straße wird nasser und kurviger, jetzt zieht er an mir vorbei. Abends schwärmt er noch von dem sicheren Gefühl, das er mit den Avon Cobra-Reifen hatte. Nach zwei kleinen Rutschern beim Herausbeschleunigen bin ich von den Michelin auf der Harley zumindest im Regen weniger angetan. Hinzu kommt, dass Hinckley mit Traktionskontrolle und Regenmodus, der auch die Lastwechsel abdämpft, protzt. Als es einige Kilometer weiter aufklart, kommt die Harley aber wieder richtig gut hinterher. Trotz des fetten Vorderrads lenkt sie willig ein. Noch während der Kopf sich Richtung Scheitelpunkt dreht, verlässt die Milwaukee-Mini die Vertikale. Auf der Bobber muss man da schon beherzter an der breiten Lenkstange ziehen. Dafür liegt sie dann auch ruhiger, weniger nervös.
Die tief sitzenden Fußrasten lassen in engagiert gefahrenen Kurven öfter mal Federn. Das gibt uns aber das Gefühl, verdammt schnell und verwegen zu sein. Und das hat noch etwas Gutes: Wenn der Wachtmeister winkt, fahren wir zwar etwas ärmer, aber immerhin noch mit Führerschein nach Hause.

Schlagabtausch: Ob Harley oder Triumph bleibt oft eine Glaubensfrage.

Fehlzündung oder Sound-Engineering?

Das Anreißen der britischen Lady ist die blanke Wonne. Den theoretischen Hinweis darauf gibt das kleine„HT“-Schildchen am Motor. Für die Bobber bekam der T120- Motor nämlich im Gegensatz zu seinen Geschwistern in Bonneville und Thruxton ein High-Torque-Layout verpasst. Den Schub untermalt ein runder Bass, der kräftig klingt aber nicht proletenhaft laut ist. Beim Gas schließen entweicht den beidseitigen Auspuffrohren ein wunderbar melodisches Brabbeln. Johann scheint seine helle Freude daran zu haben. Als wir durch Dortmund fahren, schnalzt die Bobber öfters nach vorne. Wer sich darauf konzentriert, wird aber bemerken, dass das Knallen perfekt reproduzierbar ist. Ob da ein Klangingenieur am Werk war? Süchtig macht‘s aber trotzdem.

Schöner Schein?

Thema süchtig, wir biegen für eine Raucherpause in den Hafen ein und stellen die Maschinen in der Sonne ab. Fröhlich knistert die Harley vor sich hin, unser Gentleman hinge- gen schweigt vornehm. Besonders stolz präsentiert die Triumph ihren runden mitschwingenden Heckfender, der im 40er-Jahre-Stil hinter dem verstellbaren Solosattel herausragt. Mit Details fürs Herz spart die Bobber nicht. Egal ob Batteriegehäuse, Seitenständer oder die Vergaserattrappen, alles mutet ausgesprochen wertig an. Neben dem Sir im maßgeschneiderten Anzug wirkt die Harley wie ein Südstaaten-Heißsporn, der eine abgewetzte Jeansweste trägt und den Türsteher der Hafenkneipe aus Prinzip anpöbelt. Ein rauer Kerl, der sich nicht verbiegen lässt. Die Zylinder des Milwaukee-Twins stehen im klassischen 45-Grad-Winkel zu- einander und das Gehäuse macht auf Vorkriegsmaschine, obwohl Motor und Getriebe bei den Sportstern schon lange eine Einheit sind. Ob die Gussräder Stilbruch sind oder nicht, das schert ihn herzlich wenig.

Völkerverständigung: In der Pause ist Zeit für einen symbolischen Schulterschluss.

Johann und ich spinnen noch ein bisschen rum, wo wir denn übers Wochenende hinfahren könnten. Dabei fallen einige Limits auf. Erstens müssten wir uns auf Sturmgepäck beschränken und die Mädels zuhause lassen. Und zweitens das Tankstellennetz im Auge behalten, denn der Peanut-Tank der Sportster ist zwar ikonisch, fasst aber nur 7,9 Liter und ist nach etwa 160 Kilometern ausgenuckelt. Die Triumph hat maximal 9,1 Liter im Tropfen und kommt damit immerhin 200 Kilometer weit. Also vertagen wir den Wochenend-Trip, dafür gibt’s eh’ bessere Bikes. Die Feierabendrunde durch die abendliche City gehört aber noch zum Pflichtprogramm. Doch wer nimmt welche? Johann hat sich in die Bobber verguckt, denn er liebt die Mischung aus Nostalgie und zeitgemäßer Technik. Ich tausche etwas „oh, wie schön“-Anspruch gegen den authentischen Charme des Vau-Zwei und werde mit der Harley glücklich.

Fazit:

Die Triumph Bobber mit ihrer Starrahmenoptik erweist sich als absolut stilsichere Komposition. Das ist gleichzeitig ihre Silberkugel und Achilles-Ferse. Trotz der Optik merkt man einfach, dass sie eine durchgestylte Hommage ist – aber kein Original. Die Sportster rasselt authentischer und wenn es bei ihr durch den Auspuff knallt, dann knallt es richtig. Sie ist sich immer treu geblieben. Die Triumph ist das modernere Motorrad – die Harley das ursprünglichere.

Triumph Bonneville Bobber

Motor: Zweizylinder-Reihe, flüssigkeitsgekühlt

Hubraum: 1.200 ccm

Leistung: 77 PS (56 kW) bei 6100 U/min

Drehmoment: 106 Nm bei 4000 U/min

Reifen v/h: 100/90-19 / 150/80-16

Sitzhöhe: 690 mm

Tankinhalt: 9,1 l

Gewicht fahrfertig: 246 kg

Verbrauch: 4,5 l

Preis zzgl. Nk.: 12 700 Euro

Harley-Davidson Sporster Forty-Eight

Motor: Zweizylinder-V, luftgekühlt

Hubraum: 1.202 ccm

Leistung: 67 PS (46 kW) bei 6000 U/min

Drehmoment: 96 Nm bei 3500 U/min

Reifen v/h: 130/90-16 / 150/80-16

Sitzhöhe: 710 mm

Tankinhalt: 7,9 l

Gewicht fahrfertig: 256 kg

Verbrauch: 4,7 l

Preis zzgl. Nk.: 12 195 Euro