Außer einem Schwestermodell des Concept-Bikes R 18, der moderner gestylten R 18/2, die noch 2020 kommen soll, überraschte BMW mit zwei Neuheiten in der Mittelklasse sowie einer runderneuerten S 1000 XR.

Seit über zehn Jahren ist die F 800 R auf dem Markt. Und während die GS-Verwandtschaft längst komplett neu aufgebaut wurde, musste der Mittelklasse-Roadster tapfer durchhalten. Bis jetzt, denn für die F 900 R hat BMW tatsächlich das große Besteck rausgeholt und ein komplett neues Motorrad gebaut.
Das fängt schon beim Motor an. So soll der von der F 850 GS entlehnte Antrieb dank 90-Grad-Hubzapfenversatz emotionaler laufen als der alte Paralleltwin der 800er. Kennen wir.

Doch der Zweizylinder schlägt das Spenderherz der 850er GS in Sachen Performance: Dank nunmehr 895 statt 853 Kubik traben in der F 900 R prächtige 105 PS an. Das Drehmoment beträgt in der Spitze wie bei der GS 92 Nm, durch das Hubraumplus soll aber insgesamt deutlich mehr Saft vorhanden sein. Und A2-Führerscheininhaber dürfen sich freuen: Es wird auch eine 48-PS-Version geben.Das Rahmenheck wurde für die 900er komplett neu entwickelt und der Kunststofftank wanderte wieder an die klassische Position vor dem Fahrer – bei der 800er lag das Spritfass noch unter der Sitzbank. Der Tankinhalt beträgt beim Roadster 13 Liter, 211 Kilo soll die 900er vollgetankt nach DIN wiegen.
Für BMW selbstverständlich: Das Elektronikpaket ist super-üppig, wenn auch zum großen Teil aufpreispflichtig. Brandneue Gimmicks wären etwa das Kurvenlicht und der intelligente Notruf, dazu kommen Späße wie Schaltassistent, Tempomat, elektronische Federbeineinstellung, Reifendruck-Anzeige, MSR und vieles mehr. Die R soll ab 8800 Euro kosten und in den Farben Schwarz, Blau und Rot-Silber zu den Händlern rollen.

Auch die F 900 XR hat den aus der F 850 GS bekannten Reihen-Twin, der mittels einer um zwei Millimeter vergrößerten Zylinderbohrung nun 895 statt 853 Kubik liefert. Der Hubzapfenversatz von 90 Grad und die damit verbundene unregelmäßige Zündfolge bleiben erhalten. Allerdings erstarkt der Antrieb deutlich: 105 PS bei 8500 Touren stehen bereit, der Drehmomentverlauf soll nun deutlich fülliger sein. Auch eine drosselbare A2-Version steht in den Startlöchern.

BMW setzt wie bei der GS weiterhin auf einen Stahlbrückenrahmen, vorne dämpft eine 43-Millimeter-Gabel und hinten eine Alu-Schwinge mit Zentralfederbein. BMW-typisch ist die umfangreiche (und teils aufpreispflichtige) Elektronik, die wir so ähnlich bereits von der Verwandtschaft kennen: Elektronische Fahrwerksanpassung, diverse Fahrmodi, Kurven-ABS, Keyless Ride, Quickshifter, Tempomat, Traktionskontrolle, Kurvenlicht, 6,5-Zoll-Display, LED-Licht sind nur einige der Features. Sportliche Verkleidung mit einstellbarem Windschild, eine an der GS orientierte Sitzposition, optionales Koffersystem, 2,5 Liter größerer Tank und lange Federwege von rund 170 Millimeter machen aus der XR eine rassige Kombination aus Sporttourer und Reiseenduro. Die XR kommt in Weiß, Gold und Rot zu den Händlern. Ab 11400 Euro zuzüglich Nebenkosten geht es los, der genaue Liefertermin ist noch nicht bekannt.

Auch die große Schwester mit dem Reihenvierer kommt für 2020 neu. Ausstattungsbereinigt bringt die neue S 1000 XR zehn Kilo weniger mit, doch das geringere Gewicht war nur mit tiefgreifenden Maßnahmen zu erzielen. Allein der komplett neu gezeichnete Vierzylinder ohne Shift-Cam-Technik spart fünf Kilo ein. Die Nockenwellen werden direkt ohne das bisherige Zwischenrad angetrieben, deren Vorgelege werkelt jetzt im Kopf. Der „Flex-Frame“ getaufte Rahmen spannt den Vierzylinder stärker mittragend ein und erleichtert zusammen mit der neuen Schwinge samt nun direkt angesteuertem Federbein um weitere 2,1 Kilo.

Weniger ist mehr heißt es auch bei Drehzahl und Geräuschen. Die letzten drei Gänge sind länger ausgelegt und senken das Drehzahlniveau, der Schalldämpfer soll ebenfalls sozialverträglicher tönen.Zusammen mit einem fülligeren Drehmomentverlauf dürfte der 2020er Nachfolger die Landstraßen-Performance noch einmal toppen. Adaptives Kurvenlicht plus LED-Tagfahrlicht, diverse neue Modi, das Kurven- ABS und den Schaltassistent Pro werden wohl die meisten Kunden gegen Aufpreis mitordern. Erweitert wurde auch das BMW- Zubehör für den Landstraßenfeger, wenn denn der um 1000 Euro gestiegene Einstandspreis noch Spielraum lässt: Bei 16 950 Euro fängt der XR-Spaß ja erst an.

Freunde gepflegten Sechszylinder-Cruisens dürfen sich über ein wichtiges Novum freuen: Der Rückwärtsgang der K 1600-Modelle ist jetzt inklusive. Stabilität ist Trumpf, das gilt ab sofort für die komplette R nineT-Reihe, die 2020 das ASC serienmäßig an Bord hat. Nur Kleinigkeiten wie Ausstattungsdetails und Farbvarianten ändern sich bei den GS und der R 1250 RT. Die Einstiegs- Singles der G-Reihe bekommen andere Farben, die Abenteuertwins der F-Reihe billigere Sonderausstattungen als im Vorjahr und die S 1000 RR erhält ein zusätzliches Paket mit Extrawürsten.

Technik F 900 XR

Motor: Zweizylinder-Viertakt-Reihe, flüssigkeitsgekühlt, 895 cm3

Leistung: 105 PS (77 kW) bei 8500 U/min

Drehmoment: 92 Nm bei 6500 U/min

Bereifung v/h: 120/70 ZR 17 / 180/55 ZR 17

Bremse v/h: 320-mm-Scheiben mit Vierkolben-Radialsätteln / 265-mm-Scheibe mit Einkolben-Schwimmsattel

Sitzhöhe: 825 mm

Tankinhalt: 15,5 l

Leergewicht: 219 kg

Preis: 11400 Euro

Technik F 900 R

Motor: Zweizylinder-Viertakt-Reihe, flüssigkeitsgekühlt, 895 cm3

Leistung: 105 PS (77 kW) bei 8500 U/min

Drehmoment: 92 Nm bei 6500 U/min

Bereifung v/h: 120/70 ZR 17 / 180/55 ZR 17

Bremse v/h: 320-mm-Scheiben mit Vierkolben-Radialsätteln / 265-mm-Scheibe mit Einkolben-Schwimmsattel

Sitzhöhe: 815 mm

Tankinhalt: 13 l

Leergewicht: 211 kg

Preis: 8800 Euro

Technik S 1000 XR

Motor: Vierzylinder-Viertakt-Reihe, flüssigkeitsgeküht, 999 cm3

Leistung: 121 kW (165 PS) bei 11 000 min-1

Drehmoment: 114 Nm bei 9250 min-1

Bereifung v/h: 120/70 ZR 17 / 190/55 ZR 17

Bremse v/h: 320-mm-Doppelscheibe mit Vierkolben-Festsätteln, 220-mm-Scheibe mit Einkolben-Schwimmsattel

Tankinhalt: 20 l

Leergewicht: 226 kg

Preis: 16 950 Euro

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