Seit 2012 ist das Biker Village Marbeck als Rast-Station auf Touren durchs westliche Münsterland ein Muss. Daran hat sich auch nach der Übernahme durch neue Betreiber nichts geändert.

Vor den Toren Borkens direkt an der L829 herrscht an diesem sommerlichen Tag reger Verkehr. Der typische Soundtrack liegt in der Luft: Von der Landstraße klingt im Minutentakt das Grollen ferner Motoren herüber, gefolgt vom Runterschalten im Landeanflug. Dann Standgas-Gebrummel bei der Parkplatz-Suche – und schließlich Ruhe mit Vogelgesang. Ehe neue Besucher mit Kurs aufs Biker Village Marbeck die nächste Strophe anstimmen.

Spots an: Live-Musik bestimmt seit jeher den Puls des Biker Village

Unter den Helmen kommen Gesichter mit beglücktem „Endlich Wochenende!“- Grin­sen zum Vorschein. Ein Stopp an Visierputz-Station und Pinwand, ehe man sich unter Birke, Ahorn und Sonnenschirmen lümmelt, als wäre es die heimische Couchlandschaft. Wer für sich sein möchte, verduftet auf die „Sundowner“- Terrasse, wo man zu später Stunde mit Blick auf eine Pferdekoppel im Abendlicht baden kann. Lichterketten las­sen das Bild lauschiger Sommerabende auf­flackern.

Zu Recht ist „Your Place to relax“ seit Jahren der Leitspruch des Biker Village. Aber es geht auch anders: Rockige Abende mit Live-Musik regionaler Coverbands auf der Bühne haben seit der ersten Stunde einen hohen Stellenwert. Wer bis tief in die Nacht feiert oder mal ein Glas mehr heben möchte, kann auf dem „Village Camp­ground“ auf der benachbarten Pferdeweide sein Zelt aufschlagen.
Ein Rufen reißt mich aus der Tiefenentspannung. „Die 602!“ Koch Rudi steht in sei­ner weißen Schürze auf dem Hof, zwei Teller in den Händen und schaut sich suchend um. „Das bin ich!“ Fröhlich winken irgendwo zwei Arme. An so gut besuchten Nachmittagen sieht man Rudi sonst nur selten an der Sonne. Denn eigentlich wirbelt das Village-Urgestein im Akkord zwischen den Pfannen und Töpfen. Rudi ist eines der Relikte aus alten Tagen, in denen der Treff noch „Svens Biker Village“ hieß.

Wir erinnern uns: Der Begründer Sven Ebner war 13 Jahre lang Mitbetreiber der beliebten „Bikers Farm“ in Dülmen am Bul­dener See, ehe diese 2013 nach einem langen Streit mit Stadt und Anwohnern schließen musste. Im Herbst 2012 eröffnete er „Sven’s Biker Village“, wo er den Motorradfahrern zwischen Ruhrgebiet und Münsterland fünf Jahre lang ein Zuhause bot, ehe er 2017 verstarb und eine große Lücke hinterließ.
Der Getränkelieferant trägt die Kunde von der leerstehenden Wirtschaft bis nach Coesfeld-Lette, wo Nicole Schlagbauer ihren Imbiss „Im Brook“ bewirtschaftet. Die Idee, dass der verwaiste Moppedtreff etwas für sie sei, kommt gut an.

Nicht zu verfehlen: Das Biker Village liegt direkt an einer beliebten Ausflugsroute zwischen Raesfeld und Borken

Die Voraussetzungen sind bestens: Nicole ist seit dem Teenie-Alter in der Gastro­nomie zuhause und bringt viel Erfahrung mit. Im Frühling 2018 übernehmen sie und ihr Mann den Treff, der fortan „Biker Village Marbeck“ heißt. Viele vertraute Mitarbeiter bleiben dem Publikum erhalten: Service- Mann Guido und Koch Rudi hat Nicole von der alten Crew übernommen.
Neu an Bord ist Tanja, ihres Zeichens „Mädchen für alles“. Nicole ist froh über den Glücksgriff: „Unsere Tanja kann kochen, kümmert sich um den Service und hat einen super Draht zu den Gästen.“ Wo Tanja ist, ist auch Pepe nicht weit: Der uralte Hauskater, hat sich mit seinem grimmigem Grumpy-Cat-Blick längst einen festen Platz in den Herzen der Stammgäste erschnurrt.
Wenn es im Winter ruhiger zugeht, macht es sich der alte Kater mit den Motorradfahrern vorm Kamin gemütlich. Dort versüßen sie sich traditionell mit Rudis Leckereien, Glühwein und Konzertabenden die Zeit bis zum Frühling.

Treff: Biker Village Marbeck, Marbecker Str. 80, 46325 Borken, http://www.facebook.com/BikerVillageMarbeck. Mit Gastraum, großem Parkplatz, Biergarten, Außentresen, Sundowner-Terrasse, Zeltwiese, Bühne und Kegelbahn
Zeiten: Das ganze Jahr geöffnet, Dienstag ist Ruhetag. Wochentags ab zwölf Uhr, am Wochen­ende und Feiertagen ab zehn Uhr. Ab November gelten andere Winter-Öffnungszeiten, die noch nicht feststehen und bekannt gegeben werden.

Wer: Motorradfahrer aller Couleur aus Ruhrgebiet, Münsterland, Holland und vom Niederrhein.
Hinweise: Wenn es mal besonders voll wird, kann man auch auf der anderen Straßenseite vor der Kirche parken – mit Segen des Pfarrers.
Ringsherum: Touren durchs Münsterland stehen für entspanntes Cruisen durch idyllische Bauernschaften und viel Sehenswertes wie das Schloss Nordkirchen und die Wildpferde in Dülmen. Die Treffs der Region bieten sich an für Kaffee-Hopping. Darunter Bikertreff Vogel in Marl, Drügen Pütt in Haltern am See und Bikertreff Nordkirchen.

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