Funktional und polarbewährt soll sie sein, die zweiteilige Winterkombi „Nordkap“ der Ideenschmiede „A4 Functional Design“. Das klingt vielversprechend, denn wirklich taugliche Winterkleidung und dann noch als Zweiteiler ist kaum noch aufzutreiben.

Sämtliche Bauteile stammen von hochwertigen Zuliefern, so A4, zum Beispiel steuert YKK Reißverschlüsse bei. Die sind nicht nur mit Handschuhen zu bedienen, sondern sollen sogar wartungsfreundlich und bei Reisen mit einfachen Mitteln ersetzbar sein.

Am Pol war ich nicht, die Nordwest-Passage war wegen Pinguin-Wanderung gesperrt und unten am Südpol lieferten sich Sea Sheppard und japanische Angler Showkämpfe. Doch auch im deutschen Winter gibt es halbwegs kühle Tage, die ich für Probefahrten der Protektoren-bewehrten Kombi aus solidem 500D-Nylon nutzen konnte: Bei Minus sechs Grad nur mit T-Shirt drunter waren 40 Minuten Richtgeschwindigkeit für mich ok, Frostbeulen würden allerdings leicht frösteln und zur langen Unterhose und Pulli greifen oder einfach Straßenkleidung drunter ziehen. Ansonsten freut sich das Windgesicht über den hohen Kragen, der sogar mit Handschuhen und während der Fahrt per Zug am selbstklemmenden Gummi dicht einstellbar ist, aber dennoch nicht drückt oder zwackt. Ein Magnetknopf wirkt dabei fast selbstschließend, da gibt es beim Anziehen kein Gefummel. Der Ärmelabschluss mit Innenstulpe ist absolut winddicht und mit im Ärmel getragenen Handschuhen auch wasserdicht. Alle „Außenkanten“ (Kragen, Ärmel, Bund) sind mit nicht saugendem Material versehen. Bei halbstündiger Regenfahrt gab es keinerlei Wasserschäden, selbst die Taschen blieben dicht.

Der Schnitt der Jacke ist so lang, dass es nirgends zieht, trotzdem gibt es keinen störenden Faltenwurf. Drei große Außentaschen genügen, innen finden sich noch zwei kleine für Handy & Co. Bei aller Isolierung ist die Jacke auch noch leicht: Ohne Rückenprotektor 3200 Gramm in Größe M; die allerdings bei Mitbewerbern als XL geführt würde.

Negativ sind nur die SAS-tec-Protektoren, die anfangs selbst bei Zimmertemperatur sehr hart sind, das schmerzt am Ellenbogen. Nach ein paar Minuten sind die Dinger aber weich genug und stören nicht mehr.

Dicht: Der Kragen schließt dank Kabelzug luftdicht

Kein Gefummel: Der Magnet-Verschluss ist quasi selbstschließend

Labyrinth: Die Armabschlüsse lassen kein Wasser durch

Ausreichend, aber nicht übertrieben viele Möglichkeiten zur Weitenverstellung vervollständigen die einfache, aber durchdachte Ausstattung, es gibt keine unnötige „Klettflut“.

Ebenfalls sehr weit, bequem und hoch geschnitten ist die zugehörige Hose. Sie ließe sich bei Bedarf per RV koppeln.Das Trageklima ähnelt stark einem guten Daunenschlafsack: Immer lecker warm, aber nie schwitzigschwül, da macht die Z-Liner-Membran einen guten Job. Dazu kommen ein prima Tagekomfort weitab vom Michelinmännchen-Gefühl so mancher Einteiler sowie eine solide Verarbeitung und nicht zuletzt ein günstiger Preis: Die Jacke kostet mit unbedingt empfehlenswertem Rückenprotektor 279 Euro; die Hose gibt es mit allen Protektoren für 209 Euro.

Bei der Bestellung solltet ihr die Größentabelle benutzen, denn die Nordkap fällt viel größer aus als gewohnt, zwei Nummern kleiner solltet ihr in Betracht ziehen. Mein Fazit: Die durchdachteste Winterbekleidung fürs Motorrad seit dem seligen orangen Original-Thermo-Boy. Sorry, A4-Leute, da wird die Rücksendung des Testmusters wohl noch dauern, ich warte auf zweistellige Minusgrade…

www.art-for-function.com

Bequem: Die A4 ist sehr locker geschnitten