Nicht nur Fachhändler und Presse sollten mal einen Blick hinter die Kulissen eines Reifenwerks werfen und anschließend das frischgebackene Gummi in der Praxis ausprobieren, dachte sich Continental und lud Mitte Mai zur ContiRidingTour nach Korbach. Mit dabei drei glückliche Gewinner, die sich bei unserer Verlosung in der März-Ausgabe für die Teilnahme beworben hatten.

Im Herzen des hügeligen Waldecker Landes und nicht weit von den Traumrevieren um Diemel- und Edersee dreht sich seit einem Jahrhundert alles um Continental-Reifen. Ausgewählte Stammkunden der Conti-Reifenhändler sowie die drei Glücklichen, die bei unserer Verlosung gewannen, waren Mitte Mai zum Anschauungsunterricht eingeladen. Doch erst einmal gab es Theorie zu vermitteln, um einen Eindruck davon zu bekommen, wer Continental eigentlich ist und welche Produkte von den Korbachern stammen.

1871 in Hannover gegründet, verdient Conti 26 Prozent des Umsatzes mit Reifen, seit 2016 verfügt man über die weltweit modernste Reifenproduktionsanlage.Besonders stolz ist die sichtlich motivierte Conti-Truppe um Spyridon Spyridonu, Sagren Nair und Christina Kurlbaum auf die AIBA genannte Testhalle: Darin lassen sich vollautomatisch auf 300 Metern sämtliche Fahrsituationen auch für Motorräder ausprobieren, selbst der Straßenbelag wechselt auf Knopfdruck. Dass man bei Rennradreifen ganz vorne mitmischt, wussten die meisten nicht, wo die Automotive-Abteilung überall am Werk ist, war ebenfalls Neuland. Entwicklungen wie das Continental Kurven-ABS oder die Verkehrszeichen-Erkennung TSA, die groß und deutlich sichtbar im Cockpit warnt, wenn man deutlich zu schnell am Tempo-Schild vorüber prescht, fanden wohl alle hilfreich: TSA hätte so manches Knöllchen gespart…

Nach der Theorie geht es auf eine kleine Werksbesichtigung. Es herrscht strenges Fotoverbot, denn es könnte ja ein geheimes Projekt, eine besondere Technik abgelichtet werden. Ob es irgendwo einen TKC 90 gibt? Nein, erzählt Marketingmann Spyridon, der TKC 80 funktioniere seit Jahrzehnten so gut, den wolle man nicht anfassen. Hundert Jahre hat die Halle auf dem Buckel, durch die gelbgerauchten Treppenhäuser zogen schon Generationen von Arbeitern. Es riecht nach heißem Gummi, ein wenig wie früher die Osterfeuer, doch die Maschinen sind hochmodern. Es folgt die nächste Überraschung, denn soviel Handarbeit hätte niemand erwartet. Randverstärkung, Laufflächen und Extras: Bestenfalls sind Halbautomaten an der Arbeit, die Qualitätssicherung geschieht ebenfalls per Hand. Das alles will besprochen werden und den passenden Rahmen bildet das Abendessen im Welcome-Hotel am Schloss von Bad Arolsen, wo der Abend bei Benzingesprächen ausklingt.

Am nächsten Morgen wartet eine stolze Armada von Ducati Mutistradas und ein paar BMW S 1000 XR sowie R 1200 RT auf die Fahrer. Wiebke von Helite steht bereit und verteilt Airbag-Westen. Kein Problem, als Fahrlehrerin Astrid nach einer Demonstration fragt. Ein Zug an der Reißleine, ein trockener Knall und Astrid sieht für ein paar Momente aus wie ein erschrockener Ninja Turtle. Die neue Gaspatrone ist schnell eingesetzt und fast alle wollen nach der Vorführung mit der Helite auf die Tour. Dabei dreht sich alles um den Road Attack 3. Die „TractionSkin“, bei der eine rauhe Oberfläche und der Verzicht auf Trennmittel ein Einfahren unnötig machen sollen, darf sich  beweisen: Die Traktionskontrolle löst trotz heftigen Beschleunigens nicht aus – Respekt.

Diese positiven Eindrücke setzen sich fort, als es in zügigem Tempo durch das weitläufige Kurvengewirr des Waldecker Land in Richtung Diemelsee geht. Die Bikes sind alle auf Edelweiß-Biketravel zugelassen und haben österreichische Kennzeichen und so stellen wir wohl nach den zahlreichen Niederländern, die sich um den See fädeln, die zweitgrößte Bikergruppe mit Migrationshintergrund.

Herrlicher Sonnenschein und die knallroten Ducatis vor dem Hintergrund der saftig-grünen Wiesen voller sattgelber Löwenzahn-Farbtupfer wirken wie eine Hommage an eine rotgrüngelbe Ampel-Koalition. Runterschalten in den Zweiten, Abwinkeln und dann wieder Aufdrehen und hinter dem Tourguide her: Das sollen neue, nicht eingefahrene Pneus sein? Auch in Sachen Handling hat uns Produktmanager Sagren nicht zu viel versprochen und als wir für eine Kaffeepause den Gipfel des Kahlen Asten bezwungen haben, ist die Meinung einhellig: Der Road Attack 3 gibt sich erfreulich unauffällig, mit das beste Urteil, das man einem Tourensport-Reifen ausstellen kann.

Während sich langsam am Horizont Wolkentürme aufstapeln, swingen die Gruppen in Richtung Edersee. Bekannt ist der Stausee nicht für Meister Eder und den Pumuckl, sondern für das Edersee-Meeting Ende Juni. Noch ist es ruhig am See, nur am Café Zündstoff drängeln sich Biker mit allen möglichen Kennzeichen.

Auf uns wartet ein rustikales Mittagessen in ebensolchem Ambiente. Als sich dann noch gleich vier DeLoreans auf der Wiese hinter dem Blockhaus aufreihen, ist die US-Stimmung perfekt.

Auf dem Rückweg nach Bad Arolsen haben wir Glück – oder Pech, das ist Ansichtssache: Die Gruppe kommt in einen Wolkenbruch und es regnet Katzen und Hunde. Pech für die Jungs mit den perforierten Lederkombis, doch zum Reifentesten ideal. Und auch bei Nässe gibt sich der Road Attack keine Schwäche, der Guide muss das Tempo nur wenig drosseln.

Zurück am Hotel wartet schon die Edelweiß-Truppe, um die Bikes zu verladen. In alle Himmelsrichtungen treten die Amateur-Tester die Heimreise an, im Gepäck eine Portion Vertrauen auf den Conti-Pneu und die Erinnerung an ein tolles Wochenende mit dem Motorrad.

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