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Mein erstes Mal: Monkey-Cross

Voll fokussiert: Johann bei seiner Erst-Tat auf der Cross-Monkey.

An dieser Stelle lest ihr von Erst-Taten, die einen Nachhaltigen Eindruck beim Neuling hinterlassen haben. Monkeycrosser sind laut, schnell und verdammt klein. Und trotzdem sollte man sie ernst nehmen, wie Nachwuchs-Bodenprobensammler Johann am eigenen Leib erfahren durfte.
 
„Sieht beeindruckend aus“, denke ich mir, als ich das erste Mal an der Strecke in Weilheim an der Teck stehe. Dort geht das Saison-Finale im Monkeycross über die Bühne – und ich darf mitmachen. Mit klassischen Monkeys haben die Renner aber nichts mehr am Hut. Genau genommen basiert nur noch der Motor auf der alten Mini-Honda-Konstruktion, der Rest stammt von Moto-Crossern. Nur eben geschrumpft. Und auch wenn die alten Hondas laut Reglement noch zulässig wären, das Aufrüsten machte auch in dieser kleinen Klasse keinen Halt.
Jürgen vom DMC, dem deutschen Monkey-Club, begrüßt mich und zeigt mir die Strecke. Fast ganz nebenbei erläutert erEtwas zögerlich: Das Fahrverhalten der kleinen Renner ist für "Normalos" gewöhnungsbedürftig. mir, dass ich in der Open-Klasse, der Königsklasse starte. Mich erwarten also Duelle mit versierten Fahrern auf kleinen Bikes ohne Hubraum- und Leistungs-Begrenzungen. Wird bestimmt lustig, vor allem für die Zuschauer.
Die vermeintlich nach Kinderspielzeug aussehenden Klein-Crosser haben es faustdick hinter den Ohren: Über 20 PS am Hinterrad sind eher Regel als Ausnahme. Ich starte auf einem komplett pinken und mit Pril-Blumen verziertem Pitbike, das mir Joachim leiht. Jochaim ist schon seit Jahren in der In der Luft gibt es keine Wellen: Springen auf Pitbikes macht Spaß ohne Ende.Monkeycross-Szene aktiv und fährt mit zwei Motorrädern vor. Ein Pit mit hochgezüchtetem Vierventil-Motor, das andere ebenfalls gepimt, aber als klassischer Zweiventiler. Letzteres ist für mich. Der Motor hat 150 Kubik und ist mit knapp 15 PS wohl eher einer der zahmeren.
Dass das definitiv Ansichtssache ist, merke ich direkt beim ersten freien Training. Nicht nur, dass man sich an die spritzigen Motoren gewöhnen muss, nein, man sitzt auch wie der sprichwörtliche Affe auf dem Schleifstein. Die Knie stoßen an den Lenker und der Hintern sitzt gefühlt auf dem Hinterrad, vom engen Kniewinkel ganz zu schweigen.
 
Knie am Lenker und Hintern überm Hinterrad
 
Auf der Start-Ziel-Geraden fange ich langsam an und gebe mit Bedacht Gas, um den Bergauf mit kleinen Rädern: Der Start hat seinen eigenen Reiz.Anstieg zu schaffen. Wie von der Tarantel gestochen marschiert der kleine Viertakter unter mir nach vorne und bietet bestialischen Vortrieb. Fühlt sich zumindest so an, denn die tiefe Sitzposition verleiht der Geschwindigkeit einen ganz anderen Eindruck. Die Motoren sind drehfreudig, ähnlich wie Zweitakter und verlangen nach einem schnellen Schaltfuß. „Mann, bin ich schnell“, schwirrt es mir durch den Kopf, während ich im kompletten Tunnelblick fahre – bis im Training die ersten mit doppeltem Tempo an mir vorbeifliegen. Während ich mir noch Gedanken mache, wie ich halbwegs souverän auf der Strecke bleibe und Schikanen und Anlieger meister, überholt der Rest mich einfach. Schnell, aber ohne zu drängeln. Scheint sich also rumgesprochen zu haben, dass ich neu bin. Als ich nach dem ersten Turn von der Strecke rolle, kommt einer der Fahrer zu mir und fragt, ob ich so etwas schon mal gefahren bin und ob ich in der Open-Klasse am nächsten Tag auch an den Start gehen will. Ich verneine die erste und bejahe die zweite Frage, auf dass er beide Augenbrauen hochzieht und erwidert: „War schön, dich gekannt zu haben“ – das macht Mut...
 
„War schön, dich gekannt zu haben“
 
Langsam rantasten: Mit wenig Schräglage ging´s anfangs um den Kurs.Die anderen Turns fahre ich irgendwie, mit einer Mischung aus Glück und einem ganz kleinem bisschen Fahrkönnen über den Kurs und gewöhne mich langsam an die kleinen Motorräder. Einmal an die ungewöhnliche und gedrängte Sitzposition angepasst, macht das Fahren viel Spaß. Ich war noch nie auf einer Cross-Strecke, was ich jetzt bitterböse bereue. Selbst die Tables und Sprünge offenbaren schnell ihren Reiz. „In der Luft sind keine Wellen, also Vollgas drauf zu“ schnappe ich im Fahrerlager auf – eine Regel, die zwar abstrus klingt, aber durchaus Sinn macht. Und nachdem die ersten zwei, drei Landungen glückten, klappt das mit dem Springen fast wie von allein. Fühlt sich an wie auf einem BMX-Rad und der Fahrer bestimmt mit seinem Gewicht, wo es in der Luft hingehen soll. Die Kurven mit Anliegern sind tückisch, da sich in den Fahr-Rillen schnell die kleinen Räder verfangen und mir sämtliche MX-Erfahrung fehlt.
Teilweise tänzelt das Motorrad über die Strecke, wer hier wen im Griff hat ist nicht immer klar. Ich fühle mich jedenfalls Nach dem Sturz – Motor aus: Joachim hilft beim Ankicken.nicht immer als Herr der Lage. Aber die kleinen Reifen bieten erstaunlich viel Grip. Alles Kopfsache, denn ich bringe das Motorrad ganz bestimmt nicht ans Limit. Aber mit der Eingewöhnung kommt Intuition und dann klappt’s viel besser – auch wenn sich jede kleine Rille wie ein großer Krater anfühlt.
Am Ende der Trainings des ersten Tags ist das Grinsen bei mir fest ins Gesicht gemeißelt, trotz das Fahren viel anstrengender ist, als es aussieht. Ich bin klitschnass geschwitzt und dachte schon nach der zweiten Runde: „Ich muss hier raus – bin K.O“.
Am nächsten Morgen hängt Rennatmosphäre in der Luft. Spätestens jetzt wird mir bewusst: Auch wenn die Motorräder klein sind, der Siegeswille bei den anderen ist riesig. Die beiden Trainings-Turns nutze ich, um mir noch mal die Strecke einzuprägen, bis mein Bike den Geist aufgibt. „Dann tauschen wir und du nimmst meins“, meint Joachim und überlässt mir seinen Renner. Dessen Herz hat dank Vierventil-Kopf und vielen anderen Detaillösungen noch mal ‘ne ganze Schüppe mehr Leistung, und ist mindestens doppelt so giftig wie mein bisheriger Weggefährte.
 
Mehr Power fürs Rennen
 
Das kann heiter werden: Worauf habe ich mich da eigentlich eingelassen?Super, noch mehr Power zum Rennen, kann ja nicht schaden für so einen alten Hasen wie mich. Im Vorstart macht sich eine Mischung aus Konzentration und Fokussierung bereit, bis wir an den Start rollen. Dann geht’s blitzschnell: Alles wird ausgeblendet. Das Gatter fällt und wir schießen den Berg hoch in Richtung erste Kurve. Auch wenn ich den Start für einen Anfänger ganz passabel und ohne peinlichen Überschlag hinbekomme, rutsche ich nach der zweiten Kurve ans Ende des Felds. Im Rennen legen alle noch mal zu, nur ich übe mich in Zurückhaltung und bleibe erst mal bei meiner Geschwindigkeit. Und trotzdem macht’s Spaß ohne Ende. Selbst die steile Abfahrt, die schon im Training für mich an Wahnsinn grenzte, ist für mich wie ein Sprung ins Unbekannte. Erst wenn ich über die Kante fahre, sehe ich wo es hingeht. Aber sogar das „blind auf die Abfahrt Alles easy: Im Fahrerlager herrschte ausgelassene Stimmung.stürzen“ gelingt. „Eigentlich schlage ich mich doch ganz gut, bis jetzt noch nicht gestürzt und noch nicht überrundet“, geht es mir durch den Kopf, nachdem ich in der dritten Runde auf einen Anlieger zu fahre. Und genau dort erwischt’s mich. Vermutlich bin ich mit dem Vorderrad zu hoch gekommen und aus dem Anlieger geflogen, denn plötzlich sitze ich neben der Strecke. Ohne Motorrad. Ist aber auch nicht schlimm – sofern man nicht auf Punkte aus ist, denn der Sturz tat nicht weh. Total ungewohnt für jemanden wie mich, der bislang immer eines anderen belehrt wurde. Joachim hilft mir, sein Pitbike anzukicken.
Dauergrinsen olé: Dass das Pitbike-Fahren Spaß macht, bedarf keiner weiteren Erklärung.Die letzten zwei Runden lasse ich es etwas langsamer angehen. Am Ende komme ich als achter durch die Ziellinie. Von Acht. Das das geht schon in Ordnung, war schließlich mein erster Ausflug in der Open-Klasse. Den zweiten Lauf geht Joachim auf „meinem“ Motorrad an den Start und kommt als dritter ins Ziel. Auf Ende des Tages blieb die Erkenntnis, dass es nicht immer auf die Größe ankommt, um Spaß zu haben.
 

Text: Johann Vorderwülbecke, Fotos: André Gbiorczyk

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