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Vergleichstest: Yamaha Super Ténéré gegen BMW R 1200 GS

So einträchtig: Wenn sie nebeneinander stehen, ist die Welt noch in OrdnungUrgestein trifft den Nachwuchs
Ein noch immer nicht bis ins Letzte geklärte Phäno­men ist der unglaubliche Erfolg der BMW R 1200 GS. Gestartet ist die Baureihe 1994, und kaum eine Neuheit hat die Geschmäcker jemals so polarisiert. Vor allem das Design mochte kaum jemandem gefallen. Die Band­breite der Bewertungen zog sich von „Schnabeltier“ über „Schwangerer Bartgeier“ bis zu „Ein Gesicht, das nur eine Mutter lieben kann“. Wer so hässlich ist, der muss verdammt gut sein, um Erfolg zu haben. Und genau das hat die GS hinbekommen.
Mittlerweile geht die GS in die gefühlte fünfte Generation, wurde ständig verbessert und ist inzwischen gar nicht mehr so schlimm anzusehen. Aber vielleicht haben wir uns nur daran gewöhnt. Wie ja auch an ihre Dauerposition auf Platz eins der Zulassungsstatistik.
Dann präsentiert Yamaha die Super Ténéré. Kein spontan aus dem Bauch kreiertes Zufallsprodukt, sondern ein strategisch geplanter Angriff aufs BMW-Bollwerk. Umfangreiche Befragungen und Markterhebungen frästen das Anforderungsprofil. Die Super Ténéré soll die bessere GS sein. Und nicht weniger. Also gibt es ABS, Kar­dan, wüstentaugliche Kriegs­be­malung samt Koffer im kernigen Alu-Look und ro­buster Motorschutz­wanne fürs Grobe. Da­mit steht die XT 1200 Z irgendwo in der Mitte zwischen R 1200 GS und Adventure-Derivat.

Ans EIngemachte: Die Motoren
So alt und doch so neu: Der DOHC-Boxer läuftspritziger als seine VorgängerDoch kommen wir zum Eingemachten, zu den Motoren. BMW zeigt stolz die jüngste Evolutionsstufe aus der rund 80-jährigen Boxer­geschich­te des Hauses. Vier Ventile pro Zylinder, betätigt über mittlerweile zwei obenliegende Nockenwellen. Die ge­genläufige Ausgleichs­welle redu­ziert Schwingungen und wirkt dem Rück­drehmoment der Kurbelwelle entgegen. Damit hat der Boxer zwar im Vergleich zu seinen Vorgängern deut­lich an Spritzigkeit und Laufkultur gewonnen. Er ist aber immer noch ein Charak­ter­darstel­ler, dessen rumpeligen Lebensäußerungen man mögen muss.
Der Yamaha-Twin kommt ebenfalls als 1200er daher, das Kons­truk­tionsprinzip erinnert stark an die Reihentwins aus TDM und TRX. Der Kniff ist die um 270 Grad versetzte Kurbelwelle, die dem Reihen­motor die Zündfolge und das Geräusch eines V2 verleiht. Das Ganze gründlich ausgleichsgewellt und mit zeitgemäßer Wasserkühlung versehen, ergibt sehr hohe Laufruhe.
Von der Kraftentfaltung her wirkt der Boxer spritziger und kann die Yamaha in allen Fahrleistungen auf Platz zwei verweisen. Allenfalls beim rabiaten Anfahren aus dem Stand verliert die BMW ein paar Meter, offensichtlich funktioniert hier die Nasskupplung der Japanerin besser.
TDM, TRX, Super Ténéré: 270 Grad Hubzapfenversatz für den CharakterAllgemein ist der Yamaha-Twin ein ebenso angenehmer wie unauf­fälliger Begleiter. Er drückt bullig aus dem Keller, schnurrt geschmei­dig auf der Autobahn. Nur die rechte Freude am Leistungsport will nicht aufkommen. Der Motor wirkt obenrum zugeschnürt und wenig temperamentvoll.
Dass „Großenduros“ dieser Kategorie nicht ins Gelände gehören, hat man bei BMW schon erkannt und schiebt die GS auf schmucken Guss­rädern aus der Werkshalle. Nur wer unbedingt will, kann sie – gegen Aufpreis – mit Speichen ordern. Aber auch Yamaha erteilt der Geländefraktion ein klare Absage. Nur machen sie es übers Fahrzeuggewicht: 267 Kilo drückt der Brummer auf unsere Redaktionswaage, 23 Kilo mehr als die BMW. Das ist nun wirklich nix für Tiefsand.
Auch auf der Landstraße hat die Yamaha ein deutliches Gewichts­problem. Die kopflastige Verteilung der Pfunde und die Lenkgeometrie erzeugen ein indifferentes Gefühl beim Einlenken und in schnel­len Wechselkurven. Vor allem, wenn auf der Bremse abgewinkelt wird.
Dazu kommt, dass die komfortable Gabel auf Block geht und stempelt, wenn man das gut abgestimmte ABS wirklich fordert und erst spät den Anker wirft. Aber angesichts der Eck­daten, der mächtigen Erscheinung und des komfortbetonten Gesamtpakets verwundert das nicht.

Einfach flotter - die BMW hat im Winkelwerk die Nase vorn
Man kann sie mögen oder nicht. Fakt ist allerdings, dass die GS ein verdammt gutes Motorrad ist.Aber leider verschwindet da gerade die BMW R 1200 GS vorne am Ende des Blickfeldes. Die kann im Winkelwerk nämlich ein Tempo an den Tag legen, dass der Kollege auf der Super Ténéré Bauklötze staunt. Wie kommt‘s? Zunächst hörten schon die Vorgänger der R 1200 GS auf ei­nen Beinamen, den man in München gar nicht gerne hörte. Nämlich „Bes­tes Straßenmotorrad, das BMW je gebaut hat“. Und das bezeichnet die ganz besondere Qualität, mit der dieser Telelever an der Front die langen Federwege verwaltet, ohne dass der Komfort den Speed beeinträchtigen würde.
Und der fast vollständige Bremsnickausgleich des Telelevers gewinnt bei zunehmenden Federwegen natürlich auch an Attraktivität. Von kundiger Hand bewegte GS haben in Eifel und Ardennen schon so manchem Superbike-Piloten den kalten Schweiß ausbrechen lassen. Und in dieser Liga spielt die Super Ténéré leider nicht.

Lange Etappen sind das Element der Super Ténéré - der Komfort ist sänftenartig
Ihr Metier ist eher die lange Etap­pe auf der Autobahn, wo sie sehr guten Wind- und Wetterschutz bietet. Der Motor säuselt dezent und die geräu­mige Sitzbank verwöhnt die Kehrseite dauerhaft. Auf geflickten Nebenstraßen zweiter und dritter Ord­nung besticht sie dann durch sänftenartiges Abrollverhalten. Wer es nicht besonders eilig hat und heute noch sehr, sehr viele Kilometer abreiten möchte, der wird das zu schätzen wissen.
Yamahas Reisekracher: Ein beeindruckendes Motorrad, die BMW ist allerdings ein harter GegnerAuffällig ist die breit bauende Tank­partie der Super Ténéré, sie enthält neben dem 23-Liter-Fass auch noch den seitlich angebrachten Kühler. Dieses Bauprinzip spart Baulänge, freilich ist der Radiator hier besonders stark auf Fahrtwind angewiesen. An heißen Tagen in der City schiebt der Lüfter manche Son­derschicht.
Der Tank der GS ist drei Liter klei­ner, allerdings gibt sich der Boxer beim Benzinkonsum genügsamer. Dum­merweise mag die BMW am liebsten den teuren 98-Oktan-Edel­sprit, dank Klopfregelung kommt sie aber auch mit regulärem Super 95 aus.
Besonders loben wollen wir die wirklich sehr exakte Reichweitenanzeige im (aufpreispflichtigen) Bord­computer der BMW. Wir haben den Zähler bis auf Restkilometer acht herunter gefahren, und konnten 19,5 Liter in den 20-Liter-Tank einfüllen. Chapeau! Der Yamaha-Fahrer ist da weniger exakt informiert und tankt lieber etwas früher.

Gute Reisebikes sind sie beide
Tolle Tourer und ein wenig mehr: Mit den beiden 1200ern kann man jede Menge anstellenDoch kommen wir zum Fazit. Zunächst kann die BMW dem Angriff durch die Super Ténéré recht gelassen entgegensehen. Die XT 1200 Z ist ein beeindruckendes Mo­torrad. Doch es fällt schwer, Punkt­e zu finden, in denen sie der GS deutlich überlegen wäre. Gute Reisemaschinen sind sie beide, bequem und langstre­ckentauglich. Die Geländeambitionen beschränken sich hüben wie drüben auf harte Böden, die auf­gezogenen Metzeler-Tourance-Pneus würden auch gar nichts anderes zulassen.
Bei der sportlichen Kurvenhatz zieht die BMW dann aber überlegen davon. Und das ist ein Terrain, dass für viele Interessenten zentrale Bedeutung haben könnte.
Einzig der sehr spezielle, krachlederne Charakter des urbayri­schen Boxermotors mag mit seinem polternden Charme nicht jedem gefallen. Wer sehr viel Wert auf Laufkultur legt, der wird dem Yamaha-Twin den Vorzug geben.
Wulf Weis

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 3.3 (93 Bewertungen)

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