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Elsass: Genuss-Reich

Zwischen den schroffen Vogesen und dem lieblichen Rheintal auf Genießertour. Burgen thronen über Weinbergen, winzige Sträßchen winden sich durch urige Dörfer: Das Elsass ist ein wahrer Appetithappen Frankreichs.

Appetitlicher Auftakt
Wir hatten es geahnt. Der erste Tag unseres Kurzurlaubes ist um, wir liegen auf unseren Hotelbetten und fühlen uns wie dicke Maikäfer, die jemand auf den Rücken gedreht hat. Das Elsass hat uns bereits am ersten Tag unseres Kurzurlaubes in die Knie gezwungen. In meinem geistigen Lexikon stand diese Region schon immer Seite an Seite mit deftiger Küche, Schokolade, Flammkuchen und Wein – und nun weiß ich, warum.
Unsere Reise hatte geradezu sportlich begonnen. Nach einem Übernachtungs­stopp in der Pfalz hat­ten wir uns am Vormittag von sintflutartigen Güssen über die Grenze und hinein nach Strasbourg spülen lassen. Die Odyssee zwischen Stra­ßenbahn, Einbahngässchen und zielstrebi­gen Großstädtern hat endlich ein Ende, als wir „les Motos“ unauffällig neben anderen parken – in fremden Großstädten erfahrungsgemäß die beste Methode, um ohne Knöllchen davonzukommen. Unser erstes Ziel: Das „Au Clou“, eine typische Straßburger Winstub. Während wir durch die Altstadt schlendern, fragen wir uns, wie die „Haupt­stadt Europas“ mit Europarat und Sitz des Europäischen Parlaments nur so leer sein kann.
Des Rätsels Lösung offenbart sich, als wir unweit des berühmten Doms in einer kleinen Gasse die schwere Tür zum Restaurant aufstoßen: Als hätte jemand ein Vakuum zerschnitten, schwappt uns lautes Stimmgewirr entgegen, vermischt mit Wärme und Küchendüften. Das Lokal ist vollgestopft, an unserem Zweiertisch sitzt mir der Tischnachbar fast auf dem Schoß. Hier verbringt der Straßburger also seine Mittagspause. Weinkaraffen machen die Runde, es wird gelacht und gefuttert, als gäb’s kein Morgen.

Beim Maître
Wie gut, dass wir uns nach dem Eisbein in Rotweinsoße das Dessert verkniffen haben, denn als nächstes steht eine Schokoladenverkostung auf unserem Programm. In der berühmten Pâtisserie Christian lernen wir Christophe Meyer kennen, einen waschechten Maître Chocolatier. Wir schnuppern uns durch seine exotische Schatz­kammer und sind erstaunt, wie leicht einige Pralinen-Kreationen oder wie schwer, fruchtig oder vollmundig seine kleinen Schokoladentört­chen schmecken können. Das mit der Schokolade ist eine Wissenschaft für sich, erfahren wir. Wie der Wein. Christophe kramt seine besten Kreationen heraus, schneidet sie behutsam in zwei Teile. Mit der Messerspitze deutet er auf die einzelnen Schich­ten und philosophiert über die Geheimnisse, die tief in der Schokolade schlummern. Dann gibt Christophe die Initialzündung für ein echtes Männergespräch: Schokoladepralinen, die er passend zu schottischen Whiskys kreiert. Ring frei für Erik, einem echten Kenner und Liebhaber rauchiger Single Malts.
Quitten, Himbeeren und Quetschen, wie Pflau­men hier heißen, holt Christoph frisch vom Bauern, um damit auch noch Eis herzustellen. Einige Zutaten sammelt er selbst im Wald. Eine Selbstverständlichkeit, dass wir uns quer durch sein Repertoire schleckern müssen und die körperliche Ertüchtigung auf den Motorrädern im verwinkelten Hinterland vertagen. Stattdessen erkunden wir am Nachmittag Strasbourg mit unserer KTM SMT und der F 800 GS im Tempo der Sightseeing-Busse.
Die hübsch angeleuchtete Fassade des mittelalterlichen „Alten Kaufhüs“ spiegelt sich in der kräuseligen Wasseroberfläche, es geht vorbei an Torbögen und mittelalterlichen Häusern, die kunstvoll verziert sind. Vor der Cathedrale Notre-Dame, dem Schmuckstück der Stadt, verharren wir staunend. Ein Meisterwerk gothischer Baukunst; tausende Touris kommen allein, um sich die 18 Meter hohe astronomische Uhr anzusehen. Sie kann Sonnenauf- und Untergang, Fins­ter­nisse, Schaltjahre, Sonnen- oder Mond­glei­chun­gen anzeigen und gilt als mechanisches Weltwunder.

Auf Zeitreise
Vis à vis vom Dom beschert uns das Abendessen im Maison Kammerzell eine Zeitreise. Das alte Gemäuer aus dem 15. Jahrhundert hat eine beeindruckende Aus­strahlung. Immer wieder schweifen unsere Blicke über die Wandmalereien und urige Butzenscheiben. Mit dem weißen Handtuch über dem Arm und bierernster Mine serviert man uns Rotwein, Zwiebelkuchen und Coq au Riesling, Landhuhn in Rieslingsauce. Herrlich!
Und nun liegen wir im Hotel im Fresskoma. Und verdauen die vielen wunderbaren Eindrücke des Tages im wahrsten Sinne des Wortes. Aber morgen, soviel steht fest, ist Schluss mit der Völlerei. Das Piemont der Vogesen wartet auf uns mit seinen buntgefärbten Weinbergen.
Gesagt, getan: Nach dem Frühstück verlassen wir Strasbourg schnurstraks über die A 35 Richtung Süden. Doch den Abstecher nach Geispols­heim können wir uns nicht verkneifen. Dort lüften wir „Les secrets du chocolat“. So lautet das Motto des Schokoladenmuseums, wo wir erfahren, dass der Kakaobaum schon seit einer Ewigkeit als Heiligtum gilt. Kein Wunder, wo die Bohnen doch seit jeher Nahrung, Zahlungsmittel, Medikament, Aphrodisiakum und Sonnenschutz in einem waren. In einer Schauwerk­statt können wir sehen, was mit der Kakaobohne geschieht, bevor Christophe sie in leckere Süßig­keiten verwandelt. Und weil unser Blutzucker in der Zwischenzeit schon wieder etwas gesunken ist, schlürfen wir in der Cafeterie einen heißen Kakao. Ach, was sage ich: Wir löffeln heiße Scho­kolade mit der Konsistenz von sämigem Pudding! Nach einer halben Tasse muss ich kapitulieren.

Auf der Route des vins
Und dann kann sie endlich beginnen, unsere Tour entlang der Elsässischen Weinstraße. Hier sind wir noch im Département Bas-Rhin. Schil­der mit dem Symbol der „Route des vins“, der golde­nen Traube und dem Weinglas, werden zum ste­ten Begleiter. Wir fahren durch die kleinen Orte Molsheim, Boersch, Ottrott und Heiligenstein nach Barr. Dort schwenken wir erstmals um auf die Wirtschaftswege der Weinberge. Betonierte Abschnitte wechseln sich ab mit Schotterpfaden.
Mitten im Gemüse entdecken wir einen Aussichtspunkt und eine Schautafel, in die die Silhouette der Landschaft gehauen ist. So erfahren wir, dass vor uns die schmucken Winzerdörfer Barr, Andlau, Stotzheim und Zeltwitter liegen. Im Osten schimmert das Massif de la Fôret Noire, der Schwarzwald, und am Horizont können wir die Alpen erahnen. Im Westen erheben sich die Vogesen. Ihre Gipfel verschwinden in einer grau­blauen Gewitterfont, davor strahlen golden die Weinberge wie kreuz und quer genähte Streifen eines gigantischen Flickenteppichs.

Burgenland
Das Elsass ist die Region Europas mit der höchs­ten Dichte an Burgen. Eine von ihnen lugt wenige Kilometer entfernt aus dem Wald hervor. Da wollen wir hin! Wir lenken die Motorräder über die polterigen Wurzelpfade, die sich zwischen den Weinbergen und dem Dickicht des Forêt de Barr entlangschlängeln. Würziger Wald­duft liegt in der Luft. Wenn Erik vor mir herfährt, zieht er einen schillernden Schweif wild tanzender Blätter hinter sich her. Die Sonne bricht schräg durchs goldgelbe Laub, das an den Ästen im Wind zappelt. Wenn eine Böe durch die Bäume rauscht, ergießt sich ein funkelnder Regen tanzender Blätter über uns. Wunderbare Momente.
Nach einer Weile haben wir die Suche nach der Ruine vergessen und fahren einfach im Zickzack weiter nach Mittelbergeheim, Andlau, Itterswiller und Blienschwiller. Gewiss könnten wir deutlich mehr Meter machen. Doch danach steht uns gar nicht der Sinn: Wir können nicht genug bekom­men von unserer Erkundungs­tour, immer der Nase nach. Wir suchen uns die schönsten Aus­sichtspunkte an den Weinhängen und sto­ßen auf Abteien, Kirchen und Kapellen, die Pilger seit einer Ewigkeit besuchen. Überhaupt gibt es geschichts­trächtige Orte im Überfluss. Wer ein Faible für Historie hat, dem wird zwischen den Resten keltischer Bauten und mittelalterlichen Festungen nicht langweilig.
Kein Wunder, dass wir bis zum Mittag einen stattlichen Appetit angefahren haben, den wir in Scherwiller stillen. Unsere Wahl fällt auf das verwinkelte „A la Couronne“ in einem runzligen Fachwerkhaus. Während sich die Sonne durch die winzigen Fenster zwängt, schlemmen wir Car­paccio mit Parmesansplittern und Flammkuchen.
Am Nachmittag erkunden wir mit reichlich Muße die buntgefärbten Weinberge und biegen hier und da auf die Straßen in die Fôrets ein. Als die Sonne zu sinken beginnt, lassen wir unsere Tour zu Fuße des Château du Haut-Koenigsbourg ausklingen. Die Burg wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts rekonstruiert und ist heute einer der meistbesuchten Orte in ganz Frankreich.
Über Kintzheim, St-Hippolyte und Bergheim sind es nur wenige Kilometern bis zu unserem Tagesziel Ribeauvillé. Ein Städtchen, das – wie könnte es anders sein – von drei Burgruinen überragt wird und eine bezaubernde Altstadt hat. Viele Häuser haben schon viele Jahrhunderte auf den krummen Giebeln, in den Gassen wirkt der Klang unserer Motoren geradezu befremdlich. Der bollerige KTM-V2 geht der heimeligen Atmosphäre besonders aggressiv an den Kragen. In den farbenfroh dekorierten Schaufenstern stapeln sich Schnäpse mit Mirabellen, Birne und Kirsche, Marmeladen und Kougelhopf.

Hinauf in die Vogesen
Wir verbringen die Nacht in einem Hotel mitten im Wald und verlassen am nächsten Mor­gen die lieblichen Weinberge. Über die D 416 steuern wir geradewegs hinauf nach Sainte-Marie-aux-Mines. Hier beginnt die berühmte Passstraße „Route des Crêtes“. Wir folgen ihr – und müssen aufpassen, denn immer wieder gibt es großartige Fernblicke. Unsere Aufmerksamkeit springt hin und her zwischen Kehren und Panorama.
In den Tälern wabern Nebelfetzen. Es geht durch dichte Wälder und vorbei an Wiesen und Seen, die so typisch sind für die „weiche“ Ostseite der Vogesen. Krüppelige Bäumchen säumen den Weg, an ihren Ästen schaukeln rotbackige Äpfel­chen, die fast wirken, als habe sie jemand zur Zierde ans Geäst gehängt. Innerhalb weniger Kilo­meter sinkt die Temperatur unter Null, Schnee liegt auf dem bunten Herbstlaub, der eiskalte Asphalt ist feucht. Kein Wunder, dass Teile vom Pass im Winter gesperrt werden. Bevor die Route am „Große Belchen“, dem mit 1424 Metern höchs­ten Punkt der Vogesen, in noch kühlere Gefilde hinaufsteigt, biegen wir wieder nach Osten ab. Über Le Bonhomme führt uns der Weg talwärts in die Wärme der Tiefebene nach Kaysersberg, dem Geburtsort von Albert Schweitzer. Unsere letzte Station auf dieser Reise.

Antike Frische
Der Ort erscheint uns fast wie ein Gemälde. Die gepflegten Kopfsteinpflaster-Gässchen sind gesäumt von uralten Häusern. Man sieht ihnen zwar ihr Alter an, doch die bunten Fassaden ver­sprühen eine Frische, die im spannenden Kontrast zum krummen Fachwerk und den Natursteinmauern steht. Torbögen geben den Blick frei in hutzelige Hinterhöfe, jedes zweite Schaufens­ter ist beschlagen vom Dampf frischer Kougelhupfe und Zwetschgenkuchen.
Wie verabschieden uns vom Elsass natürlich nicht ohne eine anständige Mittagspause. Und als wir es im Lokal „ La Vieille Forge“ den Einheimischen gleichtun und herrlich duften­de Quiche vor unserer Nase landet, denke ich einen Augenblick beschämt an unseren Kalorienkonsum der letzten Tage. Doch zum Glück fällt mir gleich drauf ein Zitat aus dem Fundus des Schokoladenmuseums ein. Der französische Literat François de La Rochefoucauld hat es schon im 17. Jahrhundert gewusst: „Liebe das Essen aus vollem Herzen, ohne Komplexe und ohne fal­sche Scham. Erinnere dich stets daran: Es gibt keinen vernünftigen Menschen ohne ein wenig Verrücktheit.“ Und in diesem Sinne schieben wir alle Scham noch ein letztes Mal beiseite und genießen die köstliche Küche dieses appetitli­chen Stückchens Frankreich. Bon appétit!
Sophie Schatter / Erik Leistner

Tipp: Elasass-Touren

Ich kann euch folgende Website empfehlen...
http://www.elsass-netz.de/168/Touristen-Routen-Elsass.html

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