Andere Länder, andere Sitten. Während in England und Italien die Tourensportreifen den Markt dominieren, bestehen erstaunlich viele deutsche Kunden auf einen „echten“ Sportreifen. Snobismus? Vielleicht übertriebenes Sicherheitsdenken? Oder sind wir Deutschen schneller unterwegs als Engländer und Italiener?
Tatsache ist, dass moderne Tourensportreifen vom Grip her ungefähr da sind, wo vor zehn Jahren die Supersportreifen standen. Damit sind die aktuellen Meilenfresser durchaus für gelegentliche Rennstreckenbesuche zu gebrauchen. Und es fällt schwer, einen aktuellen Tourensportreifen im öffentlichen Verkehrsraum an seine Grenzen zu treiben. Denn dann müsste man dermaßen gepfeffert ums Eck schießen, dass die größte Unfallgefahr nicht mehr vom mangelnden Reifengrip ausginge.
Doch wie unterscheiden sich die neuen Tourensportgummis von den reinen Sportpellen? Zunächst wird das Thema Nasshaftung viel wichtiger genommen als im reinen Sportsektor. Die Laufleistung hat natürlich einen höheren Stellenwert, Abrollkomfort sowie Eigendämpfung sind für Tourenfahrer wichtiger als für Sportler.
Und hier setzt Metzelers neuer Z8 Interact den Hebel an. Denn die kontrollierte Verformung der Karkasse bei Kurvenfahrt und hartes Bremsen auf welligem Asphalt hat maßgeblichen Einfluss auf das sichere Handling. Relativ neu ist aber auch der Bezug zu ABS-Bremsanlagen. Die bei guter Eigendämpfung besser funktionieren, weil der Reifen gleichmäßiger den Kontakt zur Fahrbahn hält und seltener abhebt.
Weitere zentrale Forderung an Tourensportgummis ist ein homogenes Fahrverhalten über die gesamte Lebensdauer hinweg. Der Reifen soll abgefahren noch genauso präzise einlenken wie im Neuzustand.
Basis des neuen Z8, der als Nachfolger des Z6 gehandelt wird, ist natürlich die Interact-Technologie. Darunter versteht sich ein Radial-Stahlgürtel, der sich über die gesamte Laufflächenbreite zieht und dessen Stahlcord-Fäden in der Mitte starker vorgespannt sind als an den Schultern. Damit walkt die Reifenmitte nicht so stark, erwärmt sich weniger und der Reifen nutzt sich auf der Autobahn weniger ab.
Die für Kurvenfahrt so wichtigen Seitenbereiche sind flexibler gestaltet, hier kommt der Gummi auf höhere Temperatur, außerdem kann sich die flexible Zone besser an den Asphalt anschmiegen. Beides erhöht den Grip in Schräglage. Außerdem wirken sich die flexibleren Seitenzonen günstig auf die Eigendämpfung aus, hier kann sich der Reifen beim Beschleunigen und Bremsen bewegen und so Fahrbahnunebenheiten egalisieren.
Den Spagat zwischen Nassgrip und Lebensdauer will Metzeler mittels einer besonders fein aufbereiteten Mixtur aus Ruß und Silica erreichen. Das bedeutet, das Gummigefüge ist extrem feinkörnig. Bei starker Beanspruchung werden nur kleine Partikel aus der Lauffläche herausgelöst, was die Haltbarkeit verbessert.
Beim ersten Fahrtermin im Salzburger Hinterland bewies der Z8 Interact, dass er sich mit allen vier von uns gefahrenen Motorrädern wunderbar vertrug. Honda VFR 1200 F, Kawasaki Z 1000, Honda CB 1000 R und Suzuki Bandit 1250 zeigten sich zielgenau und neutral. Regen gab es „leider“ keinen, und auch die Dauerhaltbarkeit war auf der Tagestour naturgemäß kein Thema. Dennoch hat der Z8 einen guten Einstand gehalten und sich als verbesserter Nachfolger des zu Recht so beliebten Z6 Interact in Stellung gebracht. Der Z8 Interact ist in allen geläufigen Größen verfügbar.
Wulf Weis
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