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Swinging Sixties: Probefahrt auf Victory Judge

Judge heißt die neue Victory. Der „Richter“ soll die Gesetze auf dem Asphalt frisch sortieren. Der Powercruiser tritt an mit einer Aura wuchtiger Muscle-Bikes der Swinging Sixties und dem schmucken Vauzwo seiner Schwestermodelle. Wieviel Judikative in dem Powercruiser steckt, konnte NEWS am Fuße der Westalpen antesten.

Eine Bengaloshow auf den Rängen dramatischer Re­le­gationsspiele ist ein laues Lüftchen gegen die­ses Spek­takel! Als unser Test­tross durch den Fôret Domeniale du Semnoz südlich von Genf wieselt, werden die Serpentinen zu Fankur­ven. Anstelle von Pyrotechnik sind es aber die Fußrasten unserer Judges, die synchron zum Rhythmus der Richtungswechsel Funken sprühen.
Ein Riesenspaß. Und ich frage mich, ob es zum Nachrüsten wohl Angstnippel mit unterschiedlicher Mate­rialbeimischung gibt? Ein bisschen Kupfer, eine Prise Lithium und noch etwas Kalium für kunterbunten Feuerwerks-Spaß? Eine Marktlücke.Mein Hirngespinst wird jäh unterbrochen, als vor mir ein Knäuel knallroter LED-Rücklichter neue Licht­effekte entfacht. Eine Bäuerin in Blumenkittel und Gummistiefeln treibt pralleutrige Kühe über die Dorfstraße.
Eine gute Gelegenheit, vor dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit unserer Rundtour einen Blick auf den schmucken Fuhrpark zu werfen. Die Judge ist eine echte Pretiose. Stil­elemente klassischer Muscle-Bikes der 60er und 70er Jahre bestimmen das Bild. Was für ein schönes Motorrad: Ein tiefer, massiger Hintern mit dickem Fender und eingelasse­ner Rückleuchte, eine aufgeräumte Front, fließende Linien, klare Formen und die markante Sicke im Tank.
Mattschwarze Metall­teile dominieren, Kunst­stoff findet man kaum. Überm mattschwarz lackierten Scheinwerfer thront ein dezentes Cockpit, das Runduhr und digitale Anzeige in einem chromeingefassten Instrument vereint. Dahinter die typisch flache und breite Dragbar-Lenkstange.
Mit ihren zierlichen 16-Zoll-Fünf­speichen-Gussrädern scheint sich die Judge tief über die Straße zu ducken wie ein Torhüter beim Elfmeterschießen. Unterm Po der Fahrer sitzt eine ovale Nummertafel, die ohne Startnummer geradezu nackt wirkt. Ganz in Victory-Philosophie stammen der Alubrückenrahmen und der 1731-Kubik-V2 aus dem Familienbesitz. Nur Einspritzanlage und Zündbox, prominent zwischen den Zylindern positioniert, sind umgestaltet. Die Judge tritt in drei Farben zum Debüt an: Schwarz, Rot und Orange. Mein Favorit ist das dunkle Rot, das Appetit auf einen gehaltvollen Bordeaux macht.
Als Alma, Berta und Co. das Feld geräumt haben, möchte ich mei­ne Füße instinktiv weit nach vorne schieben – und tappe ins Leere. Während die Schräglagenfreiheit ein echtes Bekenntnis zum Cruiser-Genre ist, ging Victory bei der Gestaltung der Sitzposition andere Wege. „Wir haben oft Menschen beobachtet, die auf den Messen um unsere Bikes schleichen und Probe sitzen und deren Augen oft nur so lange strahlen, bis sie die Füße das erste Mal auf die Rasten setzen“, berichtet Victory-Mann Mike Padler. Weil weit nach vorn verlegte Fußrasten uncool sind, wanderten die der Judge im Vergleich zum Modell Vegas um 127 Milli­meter zurück. Meine Unterschenkel finden ihren Platz kurz vor der Senkrechten.
Dass sich Victory für die Gestaltung der Neuen von der potentiel­len Käuferschaft inspirieren ließ, hat seinen Grund. Die Tochter des amerikanischen Snowmobil- und ATV-Herstellers Polaris möchte auf dem Motorradmarkt ab 1400 Kubik künftig auch in Europa für Wirbel sorgen. Einen deutlichen Schubser in die Richtung soll die Judge als Zwischending zwischen der stylischen Vegas und der sportiven Hammer geben.
Man sitzt sehr bequem und dabei sogar noch niedriger als bei Harleys Sporty, Softail und Superlow. Zusammen mit dem tiefen Schwerpunkt sind beengte Wende­manöver ein Leichtes. Der Hintern kuschelt sich behaglich in die Mulde des Stufenpolsters, die Ersatzbank für den Hintermann mutet hingegen etwas beengt an.
Für den Griff an die Lenkstange muss man sich deutlich nach vorn beugen, sodass es an den Nierchen leicht zugig werden kann. Die weiter nach hinten gezogenen Zubehör-Lenker versprechen Entspannung und auch die anderen aufpreispflichtigen Extras sind überaus funk­tional: Windschild, Sissybar, Touring-Sitzbank und Satteltaschen sind gu­tes Rüstzeug für die Urlaubsreise, schicke Auspuffanlagen schmeicheln Auge und Ohr.
Der Wechsel auf eine Maschine mit stärker abgewinkelter Lenkstange und Cobra-Endtopf bringt ein überraschend anderes Fahrgefühl mit sich – und den Eindruck, als habe man beim Musizieren die Blockflöte gegen eine Vuvuzela getauscht. Erstaunlich, wie das Gesamterlebnis vom Fortissimo profitiert. Untertourig am Gas und mit sattem Geboller im Ohr fühlen sich die ohne­hin schon beachtlichen 153 Newtonmeter gleich nochmal doppelt so kräftig an.
Geschmeidig ploppt sich der Schaltfuß durch die Gänge, während sich ein Riemen um die Kraftübertragung küm­mert. In den sechsten und letzten Gang, der als lang übersetzter Overdrive ausgelegten ist, schnuppern wir nur kurz. Statt stilechter Highway-Tristesse serviert uns unser ortskundiger Tourguide nämlich ein appetitliches Kurvenmenü. Bereits bei der Vorspeise zeigt sich, dass der Muskelprotz hervorragend ausbalanciert ist, sich leicht übers 16-Zoll-Vorderrad und den 140er Hinterreifen dirigieren lässt.
Unsere Massenbewegung – immerhin bringt die Judge trocken 300 Kilo auf die Waage – rollt im Zickzack durch ein Skigebiet. In der Ferne rückt das beeindruckende Massiv des Mont Blanc durchs Bild wie ein gigantisches Baiserhäubchen. Wenn die zauberhafte Kulisse vor der Kurve mal wieder wertvolle Sekundenbruchteile der Aufmerksamkeit verschluckt, ankert es sich mit den beiden Einscheibenbremsen souverän, wenn auch nicht über­mäßig bissig. In der Zukunft ist für die Judge ABS vorgesehen.
Beschwingt geht es in der Nach­spielzeit unserer gepflegten Alpen­runde durch die beschauliche Centre-Ville von Annecy. Als wir zügig am Schild mit der Aufschrift „Limitation de Vitesse“ vorbeidonnern und über fiese Betonbeulen zwitschern, kommt die komfortable Federung nur kurz in Bedrängnis. Im Kreisverkehr zündet die Judge unter mir wieder die Pyroshow. Huch! Beinahe hätte ich es vergessen: Bei allem Hooligan-Gehabe ist und bleibt die Judge ein waschechter Cruiser.

Fazit: Reichlich Potenzial, jede Menge Charakter, ein ganz eigener Stil und ein unkompliziertes Fahrgefühl: Polaris-Tochter Victory umgarnt die europäische Käuferschaft mit einem ansprechenden Powercruiser-Paket. Mit so viel Ausstrahlung hat die Judge nicht nur bei den anvisierten Wieder- und Umsteigern gute Chancen.
von Sophie Schatter, Fotos: Victory

Technische Daten Victory Judge

Motor: Zweizylinder-Viertakt-V, luft-/ölgekühlt, vier Ventile/Zylinder
Hubraum: 1731 cm³
Leistung: 65 kW (88 PS) bei 5300 min-1
Drehmoment: 153 Nm bei k.A. min-1
ABS: -
Bremsen v/h: 300-mm-Schwimmscheibe mit Vierkolbenzange/ 300-mm-Schwimmscheibe mit Zweikolbenzange
Reifen v/h: 130/90 B16 / 140/90 B16
Sitzhöhe: 658 mm
Tankinhalt: 17 l
Trockengewicht: 300 kg
Preis zzgl. Nebenkosten: ab 14 490 Euro

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