Über 12 000 Kilometer haben wir mit der Victory Kingpin abgespult, nun musste das US-Bike zurück in den heimischen Stall. Ein kurzer Rückblick.
Mutig geht Polaris mit seiner jungen Cruiser-Marke auf Harley los: Die Victory Kingpin ist Made in USA und trägt ein glänzendes V2-Herz. Im Gegensatz zum Vorbild aus Milwaukee haben die Victorianer aber keinen Mythos zu bedienen, der Entwicklungsschritte zu Grundsatzfragen macht. Vier Ventile pro Zylinder, obenliegende Nockenwellen, Upside-Down-Gabel – bei Victory kein Problem, wird trotz klassischer Optik gerne genommen. Dank der Zutaten ist die Victory deutlich fahraktiver, als der Look vermuten lässt: Der Motor drückt mit seinen 1731 Kubik richtig gut, die Schräglagenfreiheit ist brauchbar, die Töpfe klingen nach Rock ’n‘ Roll.
Beim Dauertest zählen jedoch die Alltagstugenden. Die Kingpin reißt die 12 000 Kilometer pannenfrei ab. Als etwas nervig erweisen sich dabei das Getriebe, dessen Leerlauf sich nur schwer finden lässt oder die bei Nässe seifige Erstbereifung. Auch die nach hartem Wintereinsatz flugrostigen Endtöpfe oder die undichten Lederkoffer heben die Laune im Ganzjahresbetrieb nicht unbedingt, dürften Schönwetterpiloten aber keine Probleme bereiten.
Ihr Pensum schrubbt die Victory ratzfatz herunter. Ob lange Tour in die Vogesen, mit Tacho 200 im Overdrive zum Bodensee oder Bundestags-Ausfahrt – wer sich an die klassenübliche Sitzposition gewöhnt hat, ist gerne mit dem Powercruiser unterwegs. Einzig die optionale Cruiser-Scheibe musste nach wenigen Wochen wieder zurück in den Karton: Ab Tempo 140 ist der Sog kraftraubend und treibt die Lautstärke hinter dem Plexiglas gehörig nach oben.
Fazit: Mit einer Mischung aus zeitgemäßer Technik und gefälligem amerikanischen Auftritt ist Victory eine spannende Alternative. Die Technik ist insgesamt zuverlässig. Zudem hat Polaris ein offenes Ohr für Kritik und treibt die Entwicklung voran. So ist das nervige Leerlaufproblem in der 2011er Serie bereits abgestellt.