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Vergleichstest: Honda CBF 600 vs. Kawasaki ER-6n


Goldene Mitte

Wir wissen: Die Zeiten ändern sich. Klar, das war noch nie anders. Aber interessant ist es doch, wie sich das Image eines Motorrades wechselt, obwohl die Maschine sich kaum verändert hat. Die Honda CBF 600 galt bei Erscheinen als Kopfgeburt, zugeschnitten auf Sparfüchse, Einsteiger - und, man verzeihe die Reihenfolge - kurzgewachsene Frauen.
Die ER-6n hatte andere Wurzeln: Ein halbierter ZZR1200-Motor mit charakterförderndem Hubzapfenversatz von 180 Grad treibt die kleine Kawasaki an, als besonderes Designgimmick hat sich das seitliche Federbein mittlerweile auch bei anderen Marken durchgesetzt.
Mit diesen Anlagen konnten sich die beiden gegensätzlichen Maschinen wunderbar in den Zulassungscharts nach oben kämpfen, verwiesen reihenweise die vielgepriesenen Emotionsträger auf die hinteren Plätze. Das sorgte für Präsenz auf Deutschlands Straßen. Und Maschinen, die man häufig sieht, verkaufen sich irgendwie besser. Damit mauserten sich die genügsamen Allrounder zum Selbstläufer.
Dazu kam, dass selbst verwöhnte Testprofis irgendwann den uralten Fragestellungen nicht mehr ausweichen konnten. Etwa, ob genug nicht vielleicht doch genug ist. Und überhaupt: Wie viel Motorrad braucht man eigentlich um Spaß zu haben?


Zweite Generation

Die Kawasaki erstrahlt im frischen Glanz der ersten großen Modellpflege. Äußerlich gut zu erkennen an den neuen Plastikkomponenten, die neue ER-6n schaut nicht mehr ganz so lieb und rundlich aus der Wäsche wie das Erstlingsmodell, sondern zeigt vermehrt Kanten und Ecken und wirkt damit direkt deutlich aggressiver, dynamischer - oder schlicht: erwachsener.
Ein Stilwechsel, den Honda sich gespart hat. Schließlich ist das Design der CBF 600 von je her betont klassisch und sachlich und damit auf angenehme Art zeitlos. Zentrale Kritikpunkte an den früheren CBF 600-Modellen waren die lieblose Verarbeitung des damaligen Stahlrahmens und das ungebührliche lange Festhalten an der Vergasertechnik samt wenig effizientem U-Kat. Ein umweltbelastender Sündenfall, den Honda sich per Sondergenehmigung bis zum Modelljahr 2007 verbriefen ließ. Aber das ist Schnee von gestern. Seit 2008 kommt die CBF 600 mit erstklassigem Alurahmen und perfekt abgestimmter Einspritzanlage samt geregeltem Kat daher.
Auch an der Kawasaki gab es ein paar Kritikpunkte auszubügeln, vor allem die wenig eleganten Schweißnähte am Stahlrahmen der Erstauflage sorgten für lange Gesichter. Kawasaki legte nun nach, verbesserte die Fertigung und sorgte sogar für eine bessere Beschichtung des Rahmenwerks. Wer freilich genau hinschaut, der stellt fest, dass nur die gut sichtbaren Schweißverbindungen profitiert haben. Viele versteckten Verbindungsstellen sehen weiterhin nach Blumenkohl aus.
Erste Sitzprobe. Die Kawa ist rund 20 Kilo leichter, sie ist schmaler und hat den kürzeren Radstand. Damit ist sie klar das kleinere Motorrad, was für viele Interessenten schon ein deutliches Kaufargument sein könnte. Die Honda wirkt beim direkten Umstieg bulliger und breiter, lässt ihrem Fahrer aber auch mehr Raum. Entscheidender Wohlfühlfaktor ist hier wohl die individuelle Körpergröße. Piloten zwischen 1,70 und 1,80 Metern kommen aber mit beiden Maschinen gut zurecht. Wenn auch der Kniewinkel auf der ER-6n enger ist.
Start. Spontan und ohne Murren gehen die beiden Einspritzer ans Werk, die elektronische Steuerung hebt auf den ersten Metern das Standgas noch etwas an.
Alles sehr perfekt und solide, fühlt und hört sich gut an und vermittelt keineswegs das Gefühl, ein Low-Budget-Bike zu bewegen. Wobei die Konkurrenten direkt klarmachen, dass ihre unterschiedlichen Zylinderzahlen auch wirklich diametrale Philosophien verkörpern.


Säusel-Four von Honda

Der Honda-Four säuselt zunächst dezent vor sich hin, beim Erklimmen der Drehzahlleiter drängt dann aber zunehmend das Vermächtnis aus den supersportlichen CBR 600 RR-Tagen durch. Dann wird die Stimmlage zunehmend fordernder, leichte Vibrationen erobern die Lenkergriffe und die Kurbelwelle rotiert mit einem Temperament, das man der klassischen-biederen Erscheinung kaum zugetraut hätte.
Der Trick in der Honda-Abstimmung liegt freilich in der Kombination von kurz gehaltener Übersetzung und dem enorm weiten Drehzahlhorizont des extrem kurzhubigen Fours. Auf der CBF ist man fast immer einen Gang niedriger unterwegs als auf der ER-6n. Das höhere Drehzahlniveau kaschiert der geschmeidige Motor höchst wirkungsvoll, subjektiv kommt dem Fahrer das Honda-Aggregat kräftiger vor, als es tatsächlich ist.
Die Kawasaki spielt dagegen eine ganz andere Karte. Aus dem Auspuffstummel entweicht klassischer Twin-Sound. Im Stand ein sonores Brabbeln, das bei zunehmender Fahrt an Fülle gewinnt, aber eben eher brummig und weniger kreischend aufspielt. Wie unsere Messung belegt, kann die ER-6n die Honda beim Durchzug im letzten Gang klar distanzieren. Ein Eindruck, der sich im Fahrbetrieb aber nur eingeschränkt wiederfinden lässt, dem höheren - und lauteren - Drehzahlniveau der Honda sei Dank.
In der Beschleunigung herrscht Gleichstand, das niedrigere Gewicht der Kawasaki wird von der höheren Leistung der Honda kompensiert. Was aber klar für die Kawasaki spricht, ist der günstigere Verbrauch. Der genügsame Twin kommt auf unserer Testrunde mit 4,6 Litern aus, die Honda braucht 5,3 Liter. Das entspricht einem Mehrverbrauch von immerhin 15,2 Prozent.


Handlich, praktisch, gut

Die handlichen Motorräder fühlen sich im dichten Verkehrsgewühl genauso wohl wie auf der Landstraße. Unterschiede ergeben sich durchs geringere Gewicht der Kawasaki, die sich noch einen Tacken williger dirigieren lässt. Auch auf der Landstraße zeigen sich die unterschiedlichen Charaktere: Die Federelemente der Kawa sind reichlich straff ausgelegt, was auf topfebener Piste sehr gut funktioniert, aber auf welligen Nebenstraßen ins Bockige abgleitet.
Vor allem, wenn sich vorn die Gabel auf der Bremse noch weiter verhärtet. Daneben wirkt die Honda deutlich softer, weshalb sie in lang gezogenen Kurven mit Zuladung nicht ganz so satt liegt. Auch der Sportbetrieb ist nicht wirklich ihr Ding. Aber bei Einsteigertempo solo auf Wellblechlechpiste gleitet es sich deutlich angenehmer als auf der sportlicheren Kawa.
Die Möglichkeiten, in der 7000-Euro-Klasse in die Fahrwerkseinstellung einzugreifen, sind eng gesteckt. An der Kawa kann man lediglich auf die hintere Vorspannung einwirken, die Honda erlaubt auch noch die Anpassung der Gabelvorspannung. Dämpferschrauben sucht man aber an beiden Maschinen vergeblich.
Für den Soziusbetrieb eignet sich die Honda besser, Platzverhältnisse und legale Zuladung sind da ganz eindeutig. Wobei man schon klar eine Grenze ziehen muss: Für zwei wohlbeleibte Passagiere ist keine der beiden Maschinen wirklich geeignet. Da müsste schon ein größeres Motorrad her.

Gut ausgestattet – aber nicht luxuriös
Die Ausstattung der beiden Kandidaten ist ordentlich, wenn auch nicht luxuriös. Die Kawa wird ausschließlich mit ABS feilgeboten. Die neu abgestimmte Bremshilfe funktioniert übrigens recht gut: In unserer Testbremsung aus Tempo 100 km/h kommt die Kawa 1,50 Meter früher zum Stehen als die Honda. Da könnte freilich auch die Bereifung eine Rolle spielen: Der frische Dunlop Roadsmart auf der ER-6n ist dem schon lange abgelösten Michelin Pilot Road I auf der Honda klar überlegen. Schwer zu verstehen, warum Honda nicht den neueren Pilot Road II aufgezogen hat.
Ebenfalls schwer nachzuvollziehen, warum Honda den lobenswerten Hauptständer an das ABS koppelt. Wer die CBF 600 ohne elektronische Bremshilfe ordert, kann zwar 600 Euro sparen, aber er bekommt auch keinen Hauptständer mitgeliefert. Nun gut, Kawa-Kunden müssen ohnehin ohne Zentralstütze auskommen. Dafür gibt es an der Schwinge Bohrungen zur Aufnahme eines Montageständers.
Was das Cockpit angeht, siegt ganz klar die Klassik über die Moderne. Die Runduhren der Honda sehen zwar altbacken aus, sind aber hervorragend ablesbar. Beim spacigen Kawa-Cockpit verhält sich das genau umgekehrt.
Also die gute Nachricht zuerst: Beide Motorräder sind ihr Geld mehr als wert. Wünschenswert wären bessere Möglichkeiten der Fahrwerkseinstellung, speziell für sportliche Einlagen oder für Touren mit Sozius und Gepäck. Ob es denn nun die Kawasaki ER-6n oder Honda CBF 600 sein soll, ist zunächst Geschmackssache. Modernes Design oder eher Klassik? Brummiger Zweizylinder oder quirliger Four?
Rein praktisch ist die Honda das ausgewachsenere Motorrad, große Persönlichkeiten werden sich hier besser fühlen. Aber die gertenschlanke Leichtigkeit der sportlichen Kawasaki hat auch ihre Reize. Besonders für all die Interessenten, die es sich möglichst leicht machen wollen.

Wulf Weis

Kurz-Check
Kawasaki hat die ER-6n sinnvoll modellgepflegt, ohne dabei die bewährten Tugenden anzutasten. Das etwas geschärfte Design hat der Maschine gut getan, das markantere Profil dürfte auch bei der männlichen Kundschaft besser ankommen. Honda beweist dagegen mit der CBF 600 hohe optische Konstanz, technisch ist sie aber topaktuell.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.1 (38 Bewertungen)

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