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Gelobtes Land – NEWS-Tour durchs südfranzösische Languedoc

Glück Auf: Beim Ritt zum Mont Ventoux haben Motorradfahrer ein deutlich leichteres Spiel als die zahllosen RennradlerArdèche, Cevennen, Provence oder die Auffahrt zum Mont Ventoux: Südfrankreich ist ein Disneyland für Motorradfahrer. Da mussten wir nicht lange überlegen, wohin unser 2012er NEWS-Ausflug führt.

 

Schüttet das! Wie aus Eimern gießt es aus allen tiefhängenden Wolken. Auf einmal bin selbst ich froh, im trockenen Auto zu sitzen, mit den Motorrädern huckepack auf dem Anhänger dahinter. Letztlich ist es ein Sieg der Vernunft über die Romantik, unseren versammelten Testfuhrpark nicht auf Achse die 1000 Kilometer bis Bolléne über die Autoroute du Soleil zu schaukeln. BMW F 800 R, Ducati Panigale, Honda CB 1000 R, Husqvarna Nuda 900 und Triumph Speed Triple R genießen die Anreise auf fremden Rädern, um dann in Saint Pons la Calm in aller Ruhe relativ sauber und wohlbehalten in die südfranzösische Sonne zu rollen.

Bikerpunkte: In Josefs magischer Mühle finden sich jede Menge Stellplätze und TrockenräumeDort liegt Josefs Motorradfahrer-Residenz „Le Moulin“, unser Stützpunkt für die nächsten Testtage. 2005 kehrte der hünenhafte Koblenzer dem Leben als Qualitätsmanager einer Handelskette den breiten Rücken und kaufte sich das kleine Anwesen mittenmang in den schönsten Kurvendelikatessen zwischen Languedoc und Provence. Seit 2007 vermietet er zwei Appartements und vier Doppelzimmer hauptsächlich an Motorradfahrer, die beim Rotwein auf den Bänken vor dem Scheunentor im südfranzösischen Abendlicht schnell zu Freunden werden.

Im Handumdrehen sind die Aufgaben für die nächsten Tage verteilt. Guido hat trotz braun gefärbter Kontaktlinsen den besten Blick für Fotomotive und Freude an schweren Kameras und Objektiven im Rucksack. Also bekommt er wie immer die Canons in die Hand und beginnt wieselflink noch vor dem Abendbrot mit den Standards der Motorräder – Bremsen, Motoren, Cockpits, Details und Seitenansichten wollen schließlich auch ins Heft.

Während Gelandet: Aus dem NEWS-Mutterschiff rollen merkwürdige Lebensformen ins Einsatzgebietwir abwechselnd den Fuhrpark in Positur rücken, geht es an die exaktere Planung. Unterm Strich bleiben nur zwei Fahrtage für unsere Projekte. Das ist sehr wenig, ließ sich aber durch Tills anstehende Vaterschafts-Auszeit nicht besser organisieren. Zum Glück ist Wulf Stammgast bei Josef und kennt die besten Fotokurven schon von anderen Reisen. Mont Ventoux, sagt er bestimmt, und wir stimmen zu.

Nach Josefs leckerem Abendmahl und einer Handvoll Willkommens-Getränken ist das Hauptproblem am nächsten Morgen die Motorradwahl. Wulf als Road-Käpt’n für diesen Tag lässt da gar keine Diskussionen aufkommen. „Ich nehm die Honda, da ist mein Navi-Halter dran.“ Gut. Also schnell die Helme auf die anderen Maschinen verteilt. Nur Sophie hat sich einen Moment zu lange die Haare geföhnt – nur noch die knüppelharte Panigale wartet auf ihre Chauffeuse.

Frühlingsgefühle: Die Platanen sind noch etwas schläfrig vom warmen WinterUnd schon beginnt die Explosionsarbeit. Frühmorgens hält sich der Berufsverkehr der langschläfrigen Franzosen noch in Grenzen. Wir wieseln über Nebenstraßen durchs Rhonetal, Oliven, Zypressen und endlose Weinstockreihen huschen rechts und links am Visierrandrand vorbei. Der Asphalt gript beispielhaft, und alle sind bestens gelaunt. Bis auf Sophie.

Das italienische Bügelbrett erregt zwar unter den südfranzösischen Motorradfans optisch und akustisch die größtmögliche Aufmerksamkeit, ist jedoch auf den charmanten, aber holprigen Nebenpisten die Höchststrafe. Als letzter verbliebener Gentleman in einem Tross von Holzhackern überlege ich nur kurz, ob ich mich nicht lieber selbst entleibe. Dann biete ich Sophie meine bequeme Speedy an, während der Rest der Truppe verlegen Wulf aufs Navi schaut. Zu meinem Glück folgen jetzt erstmal offene Landstraßen. Und wenn es topfeben und schnell vorwärts geht, fährt sich die Panigale beinahe manierlich. Nur sobald der Speed unter 120 fällt, fasse ich wieder Plan A ins Auge. Aber ein Mann, ein Wort. Ich werde die Zähne zusammenbeißen und die restlichen 30 Kilometer ohne chiropraktische Hilfe abreiten. Und dann, hähä, den Marterpfahl einem lieben Kollegen weiterempfehlen.

Unterwegs im Garten Eden: Die zuständigen Götter haben französische Pässe – und sind MotorradfahrerWir kreuzen durch gelobtes Land. Ein freies, hügeliges Motorradparadies, zwischen dem sich der Asphalt wie ein Flusslauf windet. Gelegentlich passieren wir urige Bergdörfer, die allesamt aussehen, als wären die Ritter, Knappen und Mägde erst vorletztes Jahr auf Renaults und Peugeots umgestiegen. Ein fetter Strauß Kräuter der Provence duftet unterm Helm, als wir die Rampe zum Mont Ventoux passieren. Anfang Mai schlummert die Vorhölle der Radfahrer noch in der Vorsaison, nur die Tulpenferien unserer westlichen Nachbarn bescheren uns pulkweise gelb-schwarze Nummernschilder. Aber die Götter der Schräglagen haben ein Einsehen, die Zigeunerhaken sind zu unserem Glück unbenutzt, keine Rollcontainer blockieren unseren Auftrieb.

Zeit für Guido, die Zoomobjektive auszufahren. Und Gelegenheit für mich, wieder – tüdelü – auf ein menschenwürdiges Fortbewegungsmittel umzusteigen. Ich greife mir die Nuda, haargenau das richtige Werkzeug für diese lebenslustigen Straßen. Da geht es im Dauerlauf den Berg hinauf: Welch ein Ausblick von dem 1912 Meter hohen Gipfel, die Sicht reicht von den Alpen angeblich bis zum Mittelmeer. Auch wenn ich das von dort oben noch nie erspäht habe, ist die Fahrt an sich das Erlebnis. Über 21 Kilometer geht es mit durchschnittlich 7,6 Prozent Steigung in Wellenlinien durch die baumlose MondlandschSahnehäubchen: Das Geröllfeld am Gipfel des Mont Ventoux lockt nicht nur masochistische Radleraft bergan, 1600 Höhenmeter sind es von Bedoin aus. Dagegen spielen sogar viele Alpenpässe nur in der Regionalliga.

Oben auf der Passhöhe das gewohnte Bild aus keuchenden Radfahrern, fotografierenden Holländern, Souvenirständen mit Lavendelöl und Omeletts zum Preis eines Drei-Gänge-Menüs. Da machen wir lieber Voran, ehe die Reifenflanken kalt werden. Das schreckt natürlich besonders unseren Italo-Fahrer, also mich, der beim Russischen Motorradroulette auf dem Berg der Winde die gefüllte Kammer erwischt hat. Wie im Sturzflug donnern wir abwärts, bald passieren wir die Baumgrenze und können mit der Suche nach einem schattigen Gartenrestaurant für den Mittagsimbiss beginnen. In Sault werden wir fündig, fünfmal Plat du Jour, einem gebratenen Schinken mit einem großen Haufen French Fries, im Schatten der Pinien, während im der Ferne die kahle Kuppe des Ventoux funkelt.

Einen Geheimtipp hat Wulf für uns noch im Speicher. Der Gorges de la Nesque, zehn Kilometer südöstlich von Sault, ist zwar nicht so grandios wie die Schluchten der Verdon oder der ArdècFlink wie ein Eichhörnchen: Zum Perspektivwechsel ist unser Lichtbildkünstler schon wieder auf einen Felsen gehüpfthe, aber dafür auch nicht so überlaufen. 20 Kilometer schlängeln sich die Galerien und Tunnel bis zu 300 Meter über dem Flussbett, das sich die Nesque ins Kalkmassiv gefräst hat. Für uns heißt es aber mal wieder Nesquick statt Besichtigung, im Schweinsgalopp geht es am Abgrund entlang. Und ich hab auf der Panini meine liebe Mühe, mit der davonpreschenden Truppe aus Wulf, Guido und Till Schritt zu halten. Während Sophie lieber Blümchen und Wildkräuter pflückt, mache ich meine eigene Minigruppe auf und ächze mit Rumpelstilzchen durch das wildromantische Felsenmeer.

Nach dem nächsten Fotostopp trifft mich das Glück des Tüchtigen – und Till der rote Peter. Mit der F 800 R cruise ich Richtung Orange, um nach der langen Landpartie noch etwas Stadtluft einzufangen. Eine goldrichtige Motorradwahl, denn auch die Franzosen wollen jetzt nach Hause und verstopfen weiträumig die Straßen. Vor dem 2000 Jahre alten MonuEin echter Weitwinkel-Job: Das römische Theater in Orange ist 2000 Jahre altes Weltkulturerbementalbau des römischen Amphitheaters in Orange klappen wir die Seitenständer aus. Das Licht tropft wie Honig aus dem Abendhimmel, und Guido kämpft wie ein Löwe mit den schlecht abbildbaren Perspektiven.

Noch ein Halt am steinalten Triumphbögen – schließlich sind die römischen Reste fast nirgendwo so gut konserviert wie in der Provence – und schon starten die Wirbelwinde zu Josefs Kochtöpfen. Der 53-Jährige sieht zwar so aus, als hätte er beim letzten Wikingerraubzug das letzte Drachenboot für die Heimfahrt verpasst, ist aber eine Seele von Mensch – und kocht wie ein Weltmeister, während wir durch seine kleine Motorradsammlung in der betagten Mühle schlendern.

Nach dem Kaiserwetter schauen wir am nächsten Morgen skeptisch zum Himmel. Ob das bis zum Abend hält? Egal. Wir werfen uns ins Leder und peilen das Tal der Cèze an. Mit Verdammt nah an der Perfektion: Ohne Wohnmobile ist die Ardèche-Runde doppelt so schönmaximaler Einsamkeit ist dort der Kontrast zum belebten Rhonetal besonders groß, nur alle fünf Minuten kommt uns ein anderes Auto entgegen. Nach dem Verpflegungsstopp an einem Hypermarche peilen wir die Ardèche an, das 26 Kilometer lange Kurveneldorado zwischen den Touristenzentren Les Crozes und Saint Martin d’Ardèche. Die sonst gerne von Wohnmobilhorden verstopfte D 290 windet sich parallel zum Fluss um die Schluchten. An diesem mausgrauen Freitagvormittag haben wir die Rubbelpiste aber zum Glück mehr oder weniger für uns.

An der viel fotografierten Felsenbrücke von Vallon Pont d’Arc fällt für uns der Startschuss, für mich als alten Ardèche-Fan ist es wie eine Rückkehr zur Hausstrecke. Dank der Vorsaison pendeln die Kajaktransporter noch nicht im Dauerlauf zwischen Start und Ziel Schau an: Die NEWS-Crew bestaunt die Ardèche ohne Paddelbooteder Kanutouristen, es ist ruhig auf der Uferstraße. Wir können unbeschwert unserer Arbeit nachgehen, also picknicken, den ganzen Tag dummes Zeug erzählen, fotografieren, aufzünden, Faxen machen, Eindrücke notieren. Denn irgendwie drängt die Zeit schon wieder, am Abend stehen die Motorräder bereits wieder fest verzurrt für die Heimfahrt auf den fremden Rädern. In aller Frühe verabschieden wir uns von Josef – hoffentlich bis bald.

von Frank Roedel, Fotos Guido Bergmann

 

 Reise Info

Allgemein: Im weiten Umfeld des Rhonetals locken im Languedoc und der Provence einige der besten Motorradreviere der Welt. Von den Cevennen über die Schluchten des Tarn, der Ceze und der Ardèche bis zum Grand Canyon du Verdon ist die begnadete Gegend mit ungezählten Naturwundern gespickt. Auch geschichtlich zählt der „Midi“ zu den abwechslungsreichsten Gegenden Frankreichs: Griechen, Phönizier und Römer siedelten hier und vermischten sich mit der keltischen Bevölkerung, die Eroberungszüge der Alemannen, Vandalen und Westgoten waren die Vorboten der heutigen Touristenscharen. So zählen neben der Schönheit der Landschaft auch die Städte zu den Höhepunkten einer Südfrankreichrunde. Nîmes, Narbonne, Sète und Béziers im Westen, Arles, Èze, Orange, Avignon, Gordes oder Les-Baux-de-Provence im Osten – hier steht das Weltkulturerbe dicht an dicht, und die kleinen Dörfer dazwischen bezaubern mindestens mit ebenbürtigem Charme.

Anreise: Aus dem Westen über die Autoroute du Soleil via Metz und Lyon nach Bollène oder Orange, die Autobahngebühr für ein Motorrad beträgt etwa 27 Euro. Alternativ reist man vom Süden über Straßburg oder Mulhouse an. Wulf als alter Anhänger-Fan hatte Recht – mit den Motorrädern im Stauraum reist es sich deutlich entspannter.

Essen, TriLeckereien von Metzgern ohne Fantasie: Würstchen mit Curry suchen wir vergebensnken & Unterkunft: Ach! Glückliches Frankreich! Schon ein Blick in die Supermärkte lässt Mitteleuropäer auf die Knie sinken. Wer nicht mit Weißbrot, würziger Wurst, Käse und Rotwein Vorlieb nimmt, bekommt in den Restaurants preiswerte und oft hervorragende Tagesgericht – solange er sich nicht zur Hauptsaison mit allen anderen an einen Tisch setzt, sondern sein Glück abseits der Trampelpfade sucht. Auch Unterkünfte gibt es wie Sand am Meer, vor allem Campingfreunde finden dank des milden bis warmen und meist trockenen Klimas ideale Bedingungen für Freiluft-Urlaub. Da ist sogar in der Hauptsaison meist noch ein Plätzchen frei. 30330 saint pons la calm, www.le-moulin.de. Josef Sauerborn hat vier Queraussteiger: Josef Sauerborn und Ben haben in Saint Pons la Calm eine neue Heimat gefundenDoppelzimmer hergerichtet, inklusive Frühstück für 65 Euro pro Tag. Die zwei Ferienwohnungen mit vier Betten vermietet er für 500 Euro die Woche. Auf den vier Hektar Grundstück kann man auch für 15 Euro zelten.

Literatur/Infos: „Gebrauchsanweisung für Südfrankreich“ von Birgit Vanderbeke, Piper, 14,95 Euro; „Ardèche und Cevennen: Wege durch eine alte Kulturlandschaft“ von Maria Weinhold und Thomas Schmitt, Schiler-Verlag, 24,80 Euro; „ADAC TourBooks Südfrankreich: Von den Seealpen zu den Pyrenäen – die schönsten Motorradtouren“ von Stefan Feldhoff, Markus Golletz, Hans Michael Engelke und Heinz E. Studt, Travel House Media, 14,95 EuAuf's Wohl: NEWS fand wie immer schnell neue Freundero. Infos im Netz auf www.frankreich-info.de, www.languedoc-online.de, www.provence.de, www.provence-info.de.

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