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Frischzellenkur: So fährt die neue Yamaha FJR 1300

Aufgefrischt: Yamaha FJR 1300 Modelljahr 2013Ich habe nichts anzuziehen! Verzweifelt blicke ich in mei­ne ramponierte Reisetasche auf der Suche nach warmen Motorrad-Klamotten. Der Event-Manager, neudeutsch für Rei­se­leiter, erzählte uns gerade was von Panorama-Höhenstraßen, von 1900 Höhenmetern, knapp sechs Grad und 550 Kilometern Streckenlänge. Und ich hatte am Vortag stumpf den Wetterbericht für Madrid abgerufen und für mollige 20 Grad gepackt. Also nach dem Zwiebelprinzip alles anziehen, was da ist, und auf die Kraft der iberischen Sonne hoffen. Und natürlich auf die Heizgriffe der FJR 1300 A.
Rein äußerlich hat die FJR zwar ihr typisches Gesicht behalten, doch tatsächlich sind (fast) alle Kunststoffteile neu. Die Verklei­dung wirkt dynami­scher, die geänder­ten Scheinwerfer gucken grimmi­ger. Die neuen vorde­ren LED-Blinker sind in die Verkleidung integriert, was die Front geschlossener und weniger zerklüftet wirken lässt. Aber wer es nicht weiß, muss schon zwei- bis dreimal hinschauen, bis er den neuen Modelljahrgang bemerkt.
Der sanfte Vogel fängt den Wurm: Die Yamaha FJR 1300 läuft im neuen Jahr noch kultivierterHilfreich mag da der neue Farbton sein, meine Testmaschine strahlt in „Very Dark Orange Metallic“, was die meisten Zeitgenossen aber als Braun bezeichnen würden. Na ja, vielleicht war die Orange auch nicht mehr ganz frisch. Weniger auffällig sind die beiden anderen Farbvarianten in Grau und Schwarz.
Auch am Antrieb hat sich einiges getan, selbst wenn die Basiseinheit erhalten blieb. Beschichtete Zylinder ersetzen die Graugussbuchsen des Vorgängers. Damit kann das Kolbenspiel enger ausfallen, was die Laufkultur fördert. Zusätzlich verbessert sich die Wärmeabfuhr, was zumindest in der Theorie eine sparsamere Gemisch­abstimmung möglich macht.
Die Gemischbatterie selbst verfügt jetzt über elektronisch angesteuerte Drosselklappen: Der Fahrer betätigt am Gasgriff einen elektrischen Drehwiderstand, anhand die­ser Stellgröße öffnet und schließt der Bordrechner dann die Drosselklap­pen. Auf dieser Plattform bauen die Traktionskontrolle, der Tempomat und das D-Mode-System auf, wobei letzteres das Ansprechverhalten des Gasgriffs bestimmt. Der Fahrer kann wählen zwischen Sport- und Tourmodus, wobei die Spitzenleistung in beiden Einstellungen identisch ist. Im Sport-Modus reagiert die FJR aber etwas spontaner auf Gasbefehle.
Kann so ziemlich alles: Die Helferlein der FJR 1300 lassen sich per Daumendruck steuernDie Umsetzung der elektroni­schen Gassteuerung ist den Yamaha-Inge­nieuren bestens gelungen. Seidenweiche Lastwechsel trotz Kardanantriebs und den schweren rotierenden Massen ei­nes 1300er Motors sind al­ler Ehren wert. Die an­gegebene Leistung von 146 PS ist für zügiges Touring ohne­hin satt bemessen. Und dass der Vier­zylinder schnurrt wie ein Kater vor der Heizung, macht das Paket komplett.
Dieser Motor ist vielleicht nicht der stärkste im Segment der großen Kilometerfresser, aber sicherlich einer der angenehmsten. Dass dann auch noch Kupplung und Getriebe mit geringen Betätigungskräften und exakten Gangwechseln erfreuen, ist da mehr als nur eine Randnotiz.
Am Chassis der FJR 1300 A hat sich weniger geändert. Der Alu-Rahmen blieb unangetastet, aber die Federelemente sind neu abgestimmt. Für zügi­ge Landstraßenfahrt erwies es sich als günstig, die hintere Feder auf „hart“ vorzuspannen und die Zugstufe etwas straffer zu wählen. Das kostet zwar Komfort, zeichnet aber einen satteren Strich bei schneller Kurvenfahrt. Neu entwickelte Metz­ler-Reifen sollen das Handling und die Zielgenauigkeit verbessern – was wir ohne direkten Quervergleich zum Vorgängergummi nicht wirklich nachhalten können.
Infotainment: Das Cockpit der Yamaha FJR 1300 wurde überarbeitetTatsache ist, dass die FJR auch auf verwinkelten Landstraßen viel Freu­de bereitet, aber ab einer gewissen Schlagzahl ihre Gewicht von knapp sechs Zentnern nicht mehr verheh­len kann. Dann fällt eine deutliche Tendenz zum Untersteuern auf, die FJR drängelt bei starker Schräglage zum Kurvenaußenrand und muss mit klarem Körpereinsatz auf Kurs gehalten werden.
An dieses Verhalten hat man sich schnell gewöhnt. Kritisch kann es aber werden, wenn die Kurve sich unvermutet zuzieht und die Maschine in Schräglage noch zusätzlich nach innen gedrückt werden muss. Doch da meckern wir jetzt auf sehr hohem Niveau, schließlich legt die Baureihe die Prioritäten traditionell aufs Touren und betrachtet den sport­l­ichen Kurvenspaß eher als angeneh­men Nebeneffekt.
Für lange Strecken empfiehlt sich dann auch das neue Windschild. Das ist natürlich immer noch elektrisch verstellbar, erzeugt aber dank stärke­rer Hinterlüftung weniger Turbulen­zen in Helmhöhe und verringert auch den unangenehmen Sog im Rücken. Das neue, dreiteilige Cockpit sieht modern und funktional aus, dazu gehört auch eine recht simpel gehal­tene Menüsteuerung für Fahrmodi, Griffheizung und Cockpitanzeige. Das „Simpel“ ist in diesem Zusammenhang durchaus positiv, die Bedienung intuitiv zugänglich und keiner der Kollegen brauchte mehr als 50 Kilometer, um sich im Menü zurechtzufinden.
Quantensprung? Die neue FJR muss sich nicht verstecken, ist aber keine RevolutionDoch hat die FJR 1300 A das Zeug zum Evergreen? Was brauchen Tou­renfahrer eigentlich, das ihnen das Vorjahresmodell nicht bereits bieten kann? Geschliffenere Umgangsfor­men, Tempomat und Traktionskon­trolle sind natürlich immer willkom­men. Ein Grund, das Vorjahresmodell schnellstens zu ersetzen, sind sie aber nicht.
Für mehr Spannung könnte die fürs Frühjahr avisierte FJR 1300 AS sorgen. Deren elektronisch automa­tisiertes Getriebe zeigt einige Verfeinerungen und könnte deutlich von der neuen Motorsteuerung profitieren. Außerdem verfügt die Edel-FJR über eine sportive USD-Gabel und elektronisch verstellbare Feder­elemente vorne wie hinten. Mit solchen Gimmicks könnte die FJR 1300 AS dann auch die verwöhntere Kundschaft ansprechen. Wie viel teurer die AS werden wird, steht lei­der noch nicht fest.
Wulf Weis

Motor:     Vierzlinder-Viertakt-Reihe, flüssigkeitsgekühlt, vier Ventile/Zylinder
Hubraum:     1298 cm³
Leistung:     108 kW (146 PS) bei 8000 min-1
Drehmoment:     138 Nm bei 7000 U/min-1
ABS:     Serie
Reifen v/h:     120/70 ZR 17 / 180/60 ZR 17
Sitzhöhe:     805 / 825 mm
Tankinhalt:     25 l
Leergewicht:     289 kg
Preis zzgl. Nk.:     ca. 17 395 Euro

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.2 (16 Bewertungen)

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