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ERwachsen: So fährt die neue Kawasaki ER-6n

Kawasaki ER-6nFrauenmotorrad! Wusste ich’s doch! Als ich mich für diese Präsentation an­ge­meldet hatte, war ich ja noch ahnungslos, was uns Kawasaki hier für ein „brandneues Naked Bike“ unter den Hintern schieben würde. Bestimmt et­was Grellgrün-Sportliches mit ordentlich PS. Dachte ich! Irgend so ein Testosteron-Motor­rad halt, das Brusthaare sprießen und sexuelle Allmachtsfantasien aufkommen lässt. Und nun sitze ich auf einer ER-6n und soll hinter dem Zopf herfahren, der unserem weiblichen Tourguide lustig aus dem Helm flattert. 

Trotzdem muss ich Kawasakis Pressechef Karim Mostafi recht geben. „Hinter Francesca wird euch sicher nicht langweilig“, hatte er eben noch in die Runde gegrinst. Und tatsächlich legt die Frau ein Tempo vor, dass es den italienischen Kollegen vor mir besorgniserregend an die Kurvenränder weht. Unnötigerwei­se.
Denn die topaktuellen Dunlop RoadSmart II sind auf dem rauen portugiesischen Asphalt auch für deftigere Schräglagen gut. Genau wie die Kawa selbst, die ihre Fußrasten trotz entspannt-aufrechter Unterbringung in sicherer Höhe trägt. Das geringe Aufstellmoment beim Brem­sen könnte ebenfalls beim Spurhal­ten helfen. Gut, dass es hier trotz klam­mer Kassen immerhin für Leitplan­ken mit Unterfahrschutz reicht. Not­falls werden ein paar Altreifen über die Pfosten gestülpt. 

Kawasaki ER-6nAber Schluss mit der Heizerei! Auch, wenn die leicht zu schaltende Ka­wa das Schnellfahren einfacher macht als jeder Supersportler und die por­tugiesische Polizei derzeit sowieso kein Geld hat, im Hinterland der Algarve herumzufahren: ER steht nicht für „Extreme Racing“, sondern für „Easy Riding“. Sprich: locker-leichte Lebensfreude auf zwei Rädern. Und hier ist die neue Sechser mehr denn je die Eine für alle.
Kawa selbst sieht die Zielgruppe bei den jungen und trendbewussten 20- bis 30-Jährigen ebenso wie bei älte­ren Neu- oder Wiedereinsteigern. Dazu natürlich Frauen und sogar Routiniers, die Spaß daran entwickeln, den Schafspelz anzulegen, um überforderten Superbike-Fahrern um die Ohren zu fahren. 

Wobei die neue ER-6n auch äußer­lich nicht mehr auf Opferlamm macht. Aus dem knuffigen Brot-und-Butter-Motorrad ist ein geduckter Leichtathlet geworden, der mit auf­gekrempel­ten Ärmeln seinen Platz in der Ka­wa-Familie behaup­tet. Gleich neben den grim­migen Z-Geschwistern.
Auffälligste technische Neuerung ist der neue Brückenrahmen, der freie Sicht auf den schwarz lackierten Twin gewährt. Weil der Motor nun starr als tragendes Teil montiert ist, konnte das seitliche Rahmenrohr aufs Altmetall. Hinter dem Triebwerk verjüngt sich die Stahlkons­truk­tion zu einer echten Wespentaille.

Kawasaki ER-6nDank diesem Zwischenstück in Monocoque-Bauweise rücken die Fußrasten enger zusammen, sodass die Füße trotz zwei Zentimeter höherem Sitz locker den Boden erreichen. Für mehr Freude am Langstre­ckenfahren ist die Bank nun zweigeteilt, dicker gepolstert und besser abgekantet. Der angeschweiß­te Heck­rahmen verkraftet eine von 180 auf 200 Kilo gestiegene Zuladung.
Überraschenderweise fühlt sich die kleine Kawa auch im Soziusbetrieb kein bisschen überfordert an. Als der kräftige Kollege vom Konkurrenzblatt nach einer Reifen­panne auf meinen Rücksitz kraxelt, sind wir zur Abwechs­lung mal einer Meinung: Diese 650er ist auch als Tourer gut zu gebrauchen.
Die konventionelle, von neuen Covern geschützte Gabel verrät erst unter extremer Brems­last, dass ihre Standrohre nur 41 Millimeter messen. Das in der Feder­basis verstellbare Federbein an der schicken Doppelrohr-Schwinge ist selbst voll beladen erst durch ungebremstes Queren eines Bahnüber­gangs zum Durchschlagen zu bewe­gen. Das Ansprechverhalten ist über­zeugend. „Kaum zu glauben“, sagt der Mann in meinem Nacken, „wie gut die Federelemente funktionieren. Hoffentlich ist das auch wirklich alles Serie.“ 

Kawasaki ER-6nSerienmäßig werden die Nissin-Schwimmsättel der ER-6n in Deutsch­land jedenfalls mit dem Bosch-ABS der neuesten Generation ankern. Damit dürfte sich die imposante Bremsleistung der von uns gefahrenen Standardversion auch von weniger Geüb­ten angstfrei abrufen lassen.
Doch vor das Bremsen hat die Physik das Beschleunigen gesetzt. Und hier tritt die ER-6 an, um allen, die bei „nur“ 72 PS mit den Augen rollen, kräftig die Brauen nach oben zu ziehen. Mehr Auspuffvolumen, ein Verbindungsrohr für die Krüm­mer und ein abgestimmtes Mapping sollen den Weg zur Spitzenleistung saftiger gestalten.
Ob das wirklich gelungen ist, muss unser Prüfstand zeigen. Dass sich diese Sechser kräftiger anfühlt, könn­te nämlich auch am Klang liegen. Die Airbox mit dem neuen Papierfilter schlürft die Luft durch Kiemen in Lenkkopfnähe. Untermalt vom Auspuffbass produziert der Twin ein fülli­ges Röhren, das direkt aus Hollywoods Sound-Archiv für Motorrad-Spielfilme stammen könnte.

Kawasaki ER-6nStatt Vibrationen schickt der fest verschraubte Twin dabei eher ein vitales Pulsieren in den Fahrerkörper. Zweifel über das Drehzahlniveau beseitigt ein blauer Zeiger auf weißem Grund: Neben digitaler ECO-Anzeige, Verbrauchs- und Wegstre­ckeninformationen präsentiert das neue Cockpit einen prächtigen Ana­log-Drehzahlmesser. Sollte sich der im bösen Landstraßenmodus gemel­dete Schnitt von weit unter sechs Liter bestätigen, dürfte übrigens auch die neue ER-6 zur ganz sparsamen Sorte gehören.
Schön, dass es am Abreisetag noch die Gelegenheit gibt, ein paar Stun­den allein mit der ER-6 herumzutollen. Als ich rein versehentlich auf die Schotterpiste zu einem Aussichts­hügel gerate, wirken die Dunlops zwar leicht überfordert, dafür lerne ich die Gutmütigkeit des Vier-Zent­ner-Motorrads umso mehr zu schät­zen. Mit dem in der Breite um zwei Zentimeter gewachsenen Lenker liegt die Fuhre lässig in der Hand, auch wenn die Kröpfung Geschmackssache bleibt.
Auf dem Gipfel des „Cerro dos negros“ kann ich mir die eingestaubte Kawa noch einmal in aller Ruhe ansehen. Einstellbare Handhebel, schöne Oberflächen, saubere Schweißnähte. Keine Spur von Brot und Butter.
Was will man eigentlich mehr? Klar: grellgrünen Kawa-Lack. Den gibt es erstmal nur für australische Kunden. Europa darf zwischen bösem Schwarz und frischem Weiß wählen. Oder Gelb. Aber mal ehrlich: Sieht die ER-6n in Gelb nicht doch ein kleines Bisschen nach Frauenmotorrad aus?

Guido Bergmann

 

Technische Daten Kawasaki ER-6n
 
Motor:     Zweizylinder-Viertakt-Reihe, flüssigkeitsgekühlt,
    vier Ventile/Zylinder, Kraftstoffeinspritzung
Hubraum:     649 cm3
Leistung:     53 kW (72 PS) bei 8500 min-1
    (25/34 kW auf Wunsch)
Drehmoment:     64 Nm bei 7000 min-1
Reifen v/h:     120/70 ZR 17 / 160/60 ZR 17
Sitzhöhe:     805 mm
Tankinhalt:     16 Liter
Gewicht:     204 kg
Preis:     ca. 7000 Euro

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.4 (36 Bewertungen)

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