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Reisebike mit Panzerung: Fahrbericht Triumph Tiger Explorer XC

Kann sie immer noch am besten: Wandern, wandern, wandernDie Zeiten der Sporttourer scheinen gezählt, denn Reiseenduros sind mittlerweile kräftige Straßenfeger. Doch Triumphs Tiger Explorer XC besinnt sich alter Tugenden – mit allerlei Offroad-Extras ging es durchs schottische Hochland.

 
 
 
 
 

Kein Gebummel, aber tausend schnelle Kurven. Kaum Sonnenschein, sondern Dauer­regen. Kein Blümchen, dafür saukalte Felslandschaften. Knapp 650 Kilometer durch die schottischen Highlands. Trotzdem steige ich von der Tiger Explorer XC, als sei nichts gewesen. Einmal blin­zeln, die Beine ausschütteln und es könnte endlos weitergehen.
Traktionskontrolle aus: Wer der XC die Sporen gibt, kann sogar quer fahren. Dabei ist der schon im Drehzahlkeller extrem kräftige und unabsaufbare Motor ein steter Quell der FreudeDoch nicht nur endlose Landstraßentouren sind angesagt, die neue XC-Variante soll das Einsatzgebiet der Tiger Explo­rer weiter vergrößern: Zusätzlich zu jeglicher Art asphaltierten Untergrunds werden auch Pisten vierter Ordnung ins Portfolio aufgenommen. Ein Tiger fürs Grobe.
Mit 267 Kilo Leergewicht ist die mattgrüne Wuchtbrumme trotzdem alles andere als eine Enduro – schon das Rangieren ist eine Herausforderung, Aufheben wäre ein Albtraum.
Die Explorer XC ist auf den ersten Blick als Rustikal-Version erkennbar: Schlauchlose Reifen auf Speichenfelgen, Handprotektoren, Mo­torschutz, Sturzbügel und Zusatzscheinwerfer zieren das Schlachtschiff. 1160 Euro Aufpreis gegenüber der Standard-Version sind für die durchdachte Panzerung zu berappen, was die Triumph letzt­lich ziemlich preiswert macht.
Denn eine GS-Adventure beispiels­weise kostet bereits völlig nackt mehr als die 14 950 Euro, die man für die ab Werk sehr gut ausgestattete XC hinlegen muss. Deren Schmankerl wie Tempomat, Traktionskontrolle oder Bordcomputer würden den Preis der BMW um mehrere Tau­sender er­höhen. Übrigens: Wer nur die Spei­chenräder möchte, kann auch die normale Explorer damit ausstatten.
Warum Triumph so ein Bike baut? Die Briten haben natürlich nicht nur das Offroad-feindliche Europa im Visier, sondern produ­zie­ren für den Weltmarkt. In den USA, Australien oder Südafrika gibt’s viel mehr Rumpelpisten als bei uns. Eine gebrochene Gussfelge kann man im Outback nicht gebrauchen, auch ein Loch im Motorblock schickt sich nicht.
Dir werde ich den Marsch blasen: Auch in Schottland sollte man sich an Gesetze halten - der hier trötet aber während der Ruhezeiten am Glen Coe herumDie wichtigste Rolle spielt allerdings das Marketing, denn mit der rustikalen Optik wird das Abenteuer gleich mitverkauft. Man könnte jederzeit losfahren und mit Ted Simon in der Mongolei Stockbrot grillen – wenn man genug Zeit, Geld und Elan hätte.
Die beiden Explorer-Varianten sind abgesehen von den Abenteuer-Extras baugleich, selbst einen größeren Tank haben sich die Briten bei der XC verkniffen. Und so beeindruckt das Herzstück wie eh und je: Die 1213 Kubik sind elastischer als Muttis Perlon-Söckchen. Zwischen 1500 und fast 10 000 Tou­ren lässt sich der Drilling geschmei­dig bewegen, dabei liegt schon bei Standgas Druck an. Mit abgeschalteter Traktionskontrolle lässt sich das Monstrum sogar wunderbar aufs Hinterrad wuchten.
Die breitbandige Auslegung gipfelt zu Beginn der Highland-Tour in erstaunlichen Situationen: Der sechste Gang reicht trotz langer Übersetzung bis weit unter Innenstadttempo. Man kuppelt also vor der Ampel aus und steppt wie gewohnt nur zwei, drei Mal nach unten. Den Leerlauf findet man nun eh nicht mehr und bei Grün geht’s erstmal im Dritten los. Dafür kann das Motorrad nichts und es rollt ohne Mucken los – Kompliment. Wem Elastizität und Nutzerfreundlichkeit besonders wichtig sind, der sollte den Big-Triple unbedingt mal Probefahren.
Schaltfaul knistern wir durch das schottische Hochland. Vier Grad, Schneereste, Linksverkehr, ich fahre einfach hinter dem Tourguide her. Crosspilot ist er und im Regen verflixt flink unterwegs, das leckere Haggis vom Vortag sagt mir wegen des strammen Tempos kurz Hallo.
Durchdacht: Der Sturzbügel ist nicht einfach drangeklatscht, sondern eine Konstruktion mit PfiffTrotzdem macht die XC das Dran­bleiben im Grunde leicht: Geschaltet wird ja kaum, hinter der in der hohen Stellung gut funktionierenden Scheibe ist es sehr gemütlich. Die höhenverstellbare Sitzbank liefert besten Komfort und dank schlanker Taille stimmt auch der Knieschluss. Die optionalen Heizgriffe machen schnell warme Pfötchen. So kann man sich prima aufs Bremsen, Einlenken und Gasgeben konzentrieren.
Und das Handling? Viel, viel bes­ser als das Kampfgewicht vermuten lässt. Wer zwei Pfund Sterling ins Phrasenschwein steckt, darf auch von „gefühlten 50 Kilo“ reden, wel­che die Triumph beim Losfahren abwirft. Nicht nur beim Einlenken, auch in schnellen Wechselkurven, in denen man das Gewicht über den hohen Schwerpunkt wuchten muss. Möglich macht’s unter ande­rem das schlanke 150er Hinterrad, bis auf die recht tief liegenden Rasten lässt sich die Tiger locker abwinkeln.
Angst um die Haftung braucht man angesichts der magersüchtigen Pelle nicht haben: Der Metzeler Tourance EXP greift vorzüglich, den Rest über­nehmen die zweistufige Traktions­kontrolle und das unauffällige ABS. Weil der schottische Asphalt eigentlich immer nass ist, gibt’s keine glitschi­gen Überraschungen.
Nieselregen, Dämmerung - in Schottland wird's schnell mal dunkel im Wald, da helfen die überaus kräftigen ZusatzscheinwerferErst wenn es für zehn Kilometer über Schotter, Tan­nennadeln und ein wenig Schlamm geht, machen Metzeler und XC klar, dass sie doch lieber auf der Straße rumtollen. Die Straßen-Pneus rutschen naturgemäß im Dreck, bloß nicht umfallen mit dem Ballermann. Der Lenker ist ein wenig zu niedrig, um damit entspannt im Stehen fah­ren zu können, die Kupplung verlangt auf Dauer nach kräftigen Hän­den und die Gabel reicht schnelle Schläge zum Fahrer durch.
Riesig, aber irgendwie trotzdem drahtig: Die Explorer XC sieht nach Enduro aus, ist aber natürlich ein StraßenbikeAuf der Haben-Seite: Mehr noch als bei der normalen Tiger Explorer hat man das Gefühl, einen robus­ten Panzer zu dirigieren. Dazu die feine Spurtreue, der alles verzeihende Motor mit seinem reaktions­armen Kardan und die elektronischen Helferlein, die sich abschalten lassen. Alles in allem zeigt die Drecksetappe, dass sich auch eine 267-Kilo-Triumph über Waldwege prügeln lässt.
Zurück auf den Asphalt, der zusehends schlechter wird. Brachte die straffe Gabel auf guten Straßen noch Lustgewinn, fehlt es auf grobem Flickwerk an Feingefühl. Außer der Vorspannung ist nichts einstell­bar. Das grenzt allerdings an Erbsen­zählerei, denn in 90 Prozent der Fälle überzeugt die Forke.
Das Federbein arbeitet trotz des schweren Kardans komfortabel und filtert auch derbe Schläge sauber weg, per Schraubendreher wird die Zugstufe, per Handknebel die Feder­basis justiert – so, wie es sich für einen Reisedampfer gehört. Womit der Charakter ziemlich genau umrissen wäre: Die Tiger Explorer bleibt auch als XC ein mächtiges Reisemotorrad und gehört auf die Straße.
Die verbauten Extras machen die Cross-Country-Version zwar unemp­findlicher gegen die Unbillen der weiten Welt, doch aufheben möchte den Trumm niemand. Lieber nach 650 Kilometern einmal blinzeln, die Beine ausschütteln und endlos weiterfahren.
Till Ferges
 
 
Neutral: Der Kardan funktioniert sauberMotor:     Dreizylinder-Viertakt-Reihe, wassergekühlt, 4 Ventile/Zyl.
Hubraum:    1215 cm3
Leistung:    101 kW (137 PS) bei 9300 min-1
Drehmoment:    121 Nm bei 6400 min-1
Tankinhalt:    20 Liter
Bereifung v./h.:    110/80 R 19 / 150/70 R 17
Bremsen v./h.:    305-mm-Doppelscheibe mit Vierkolben-
    Festsätteln / 282-mm-Scheibe mit Zweikolben-Schwimmsattel
Federweg v./h.:    190 mm / 194 mm
Gewicht:    267 kg
Sitzhöhe:    837 mm – 857 mm
Preis zzgl. Nk.:     14 950 Euro
 
Fazit: Die XC-Extras machen aus der Tiger Explorer keinen Crosser. Doch die Gimmicks wirken durchdacht, hochwertig, sehr robust und machen die Britin abenteuertauglicher. Wer eh den Zubehör-Katalog unterm Kopfkissen lagert und auf rustikale Touren steht, bekommt mit der XC ein fettes Komplettpaket ab Werk. Totschlagargument: Das zauberhafte Dunkelgrün-Metallic gibt’s nur für die XC. Der Rest dieses vorzüglichen Reisemotorrads ist bekannt und funktioniert astrein.

 
Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.5 (18 Bewertungen)

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